Bad Königshofen/Urspringen

Bad Königshofen: Elisabethaspital muss noch auf seine Orgel warten

Christian (links) und Herbert Hey waren immer wieder begeistert vom zur Orgel umgebauten Schiedmayer-Harmonium des Elisabethaspitals Bad Königshofen. Es wurde bei der Orgelbaufirma Hey in Urspringen restauriert. Die beiden zeigten aber auch auf, dass das Instrument in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten hat und dringend restauriert werden musste. Groß war beispielsweise die Anzahl der Zungenreihen, die Stück für Stück ausgebaut, sortiert und gereinigt werden mussten.
Christian (links) und Herbert Hey waren immer wieder begeistert vom zur Orgel umgebauten Schiedmayer-Harmonium des Elisabethaspitals Bad Königshofen. Es wurde bei der Orgelbaufirma Hey in Urspringen restauriert. Die beiden zeigten aber auch auf, dass das Instrument in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten hat und dringend restauriert werden musste. Groß war beispielsweise die Anzahl der Zungenreihen, die Stück für Stück ausgebaut, sortiert und gereinigt werden mussten. Foto: Hanns Friedrich

"Wir waren erstaunt, als wir erfuhren, dass in der Hauskapelle des Elisabethaspitals in Bad Königshofen ein zur Orgel umgebautes Schiedmayer-Harmonium steht, das noch spielbar ist und nun wieder restauriert wird," sagt Knut Schiedmayer, der Geschäftsführer des Unternehmens Schiedmayer. Wie auch der Urspringer Orgelbaumeister Herbert Hey nennt er das 115 Jahre alte Instrument eine Besonderheit, die die handwerkliche Fertigkeit zeigt, die das Unternehmen schon damals aufwies. Dass auch noch die Originalrechnung aus dem Jahr 1905 in der Orgel hinterlegt war, nennt Schiedmayer ein weiteres Highlight. "Es wird bestimmt ein besonderer Moment, wenn das Harmonium in der Spitalkirche wieder erklingt."

Das allerdings wird noch etwas dauern, denn, obwohl das Harmonium mittlerweile restauriert ist, kann es aufgrund der Corona-Pandemie nicht geliefert werden. Bei einem Besuch in der Orgelbaufirma Hey in Urspringen konnte man die vielen Einzelteile des Harmoniums sehen, aber auch den schlechten Zustand der Orgel. Ein Auftrag der Elisabethaspital-Stiftung, der sich für die Rhöner Orgelbaufirma als eine besondere und interessante Aufgabe herausstellte, da sie aufzeigte, wie die Orgelbauer um 1900 gearbeitet haben. Davon zeugt vor allem der Innenaufbau und eine filigran gearbeitete Windlade. Hier stellte sich jedoch heraus, dass diese durchgehend gerissen ist. "Daher kann der Spielwind unkontrolliert zur Nachbarzelle einströmen und sorgt für Misstöne, denn die Windlade ist das Kernstück des Harmoniums", erklärt Herbert Hey.

Die filigran gearbeitete Windlade zeigt die größten Schäden auf. Sie ist durchgehend gerissen. Dadurch kann der Spielwind unkontrolliert zur Nachbarzelle einströmen und sorgt für Misstöne. Der Kanzellenboden musste fachgerecht verspänt und ausgegossen werden.
Die filigran gearbeitete Windlade zeigt die größten Schäden auf. Sie ist durchgehend gerissen. Dadurch kann der Spielwind unkontrolliert zur Nachbarzelle einströmen und sorgt für Misstöne. Der Kanzellenboden musste fachgerecht verspänt und ausgegossen werden. Foto: Hanns Friedrich

Herbert Hey: Orgel ein sehr wertvolles und erhaltenswertes Werk 

Stück für Stück wurden die Zungen und Ventile ausgebaut und gereinigt, der Kanzellenboden musste fachgerecht verspänt und ausgegossen werden. Notdürftig durchgeführte Reparaturen in den vergangenen Jahren galt es zu restaurieren. Wichtig war das Abdichten der Bälge und aller windführenden Kanäle. Neu justiert wurden die Registerklappen, von Motten zerfressene Filzteile wieder erneuert, Schreinerarbeiten vorgenommen und die Mechanikteile überarbeitet.

Neu ist ein schallgedämmter Motorschutzkasten. Dies alles war zeitaufwändig und forderte das Können der Rhöner Orgelbauer. In der Orgelbauwerkstatt sah man immer wieder die staunenden Blicke von Christian Hey. "Wahnsinn, wie das zusammengebaut ist. Die konnten damals was, ein seltenes Stück." Das sagt auch Orgelbau- und Harmoniumbaumeister Herbert Hey. "Es ist ohne Zweifel, nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht, als sehr wertvolles und erhaltenswertes Werk einzustufen."

Das Harmonium ist laut Herbert Hey eine Rarität

Dass das Instrument über eine lange Zeit durch zwei Fußpedale bedient wurde, zeigen die Abnutzungserscheinungen. "Die werden wir aber so belassen, um deutlich zu machen, wie das zur Orgel umgebaute Harmonium früher, als es noch keinen elektrischen Blasebalg gab, betrieben wurde", sagen Herbert und Christian Hey. Herbert Hey nennt das Harmonium den "Mercedes" unter den Instrumenten des Schiedmayer-Unternehmens. Dieses zählt zu den besten Harmoniumbauern der Welt.

Die ausgetretenen Fußpedale zeigen, dass über viele Jahrzehnte hinweg der Blasebalg für  das Instrument damit betätigt wurde.
Die ausgetretenen Fußpedale zeigen, dass über viele Jahrzehnte hinweg der Blasebalg für das Instrument damit betätigt wurde. Foto: Hanns Friedrich

Weil es heute solch ein Instrument so gut wie nicht mehr gibt, nennt Herbert Hey das Harmonium der kleinen Hauskapelle eine Rarität. Wenn das Harmonium nach der Corona-Pandemie wieder in der Hauskapelle des Elisabethaspitals ist, steht für die Gottesdienste ein würdiges und klangschönes Instrument zur Verfügung. Möglich wird die kostspielige Sanierung in Höhe von knapp 15 000 Euro durch Spenden und Zuschüsse.

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