Bad Neustadt

Weniger Unfälle, mehr Angriffe auf Beamte

Die Bad Neustädter Polizei informiert über die Kriminalitätslage im Jahr 2020. Sie verzeichnet mehr Sachbeschädigungen, in einem anderen Bereich dafür einen starken Rückgang.
Die Anzahl der Verkehrsunfälle (Symbolbild) im Dienstbereich der Polizeiinspektion Bad Neustadt ist im Jahr 2020 auf den niedrigsten Stand der letzten fünf Jahre gesunken.
Foto: Halfpoint (iStockphoto) | Die Anzahl der Verkehrsunfälle (Symbolbild) im Dienstbereich der Polizeiinspektion Bad Neustadt ist im Jahr 2020 auf den niedrigsten Stand der letzten fünf Jahre gesunken.

Weniger Verkehrsunfälle, mehr Sachbeschädigungen und vor allem: eine gestiegene Zahl von Angriffen auf Polizeibeamte und Mitarbeiter der Rettungs- und Hilfsdienste. Diese drei Entwicklungen fallen in der Sicherheitsbilanz 2020, die die Polizeiinspektion (PI) Bad Neustadt kürzlich veröffentlicht hat, allen voran auf.

Insgesamt bilanzieren die Bad Neustädter Beamten, obwohl die Anzahl der Straftaten leicht gestiegen ist, eine Kriminalitätslage auf einem stabilen Niveau und ziehen für das Jahr 2020 ein positives Resümee ihrer Arbeit. Auch mit der Aufklärungsquote von 70,3 Prozent zeigen sie sich zufrieden. Als Ziel gibt die Inspektion aus, dass alle Bürger in Bad Neustadt und dem Landkreis Rhön-Grabfeld sicher leben und sich sicher fühlen.

Wie hat sich die Anzahl der Fälle in den einzelnen Deliktsbereichen entwickelt? Im Jahr 2020 erfasste die PI Bad Neustadt insgesamt 1360 Straftaten in ihrem Dienstbereich. Dies entspricht einer Zunahme um 74 Fälle beziehungsweise 5,8 Prozent gegenüber 2019. Für den Anstieg verantwortlich ist vor allem, dass die Vermögens- und Fälschungsdelikte um neun, die Rauschgiftverstöße um 13 und die sonstigen Straftaten gemäß Strafgesetzbuch um 47 stiegen. Auffällig ist auch, dass mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (+15) sowie mehr Diebstähle (+23) bearbeitet wurden.

Mehr Diebstähle, weniger Einbrüche

Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung handelt es sich konkret unter anderem um sexuellen Missbrauch und exhibitionistische Handlungen. Die Anzahl dieser Straftaten stieg von 24 in 2019 auf 39 in 2020 (+62,5 Prozent). Die Bad Neustädter Polizeibeamten erfassten 2019 acht Delikte in der Kategorie sexueller Missbrauch, 2020 verzeichneten sie 17. Der Grund für den Anstieg sei, dass es sich größtenteils um länger zurückliegende Taten handle, die im Rahmen der Ermittlungen erst in 2020 bekannt wurden.

Langfinger waren im Jahr 2020 offenbar besonders aktiv, denn es wurden 357 Diebstähle (2019: 334) verzeichnet - 6,9 Prozent mehr. Für Einbrecher scheint die Corona-Pandemie dagegen keine gute Zeit zu sein. 2019 hatte es noch sechs Wohnungseinbrüche im Dienstbereich gegeben, 2020 waren es nur  vier, was einem Rückgang um 33,3 Prozent entspricht. Die Anzahl der Körperverletzungen ging von 178 Fällen in 2019 auf 146 Delikte in 2020 zurück.

Anzahl der Angriffe auf Polizei und Helfer stieg um 80 Prozent

Im Bereich sonstige Straftaten wurde eine Steigerung bei den Sachbeschädigungen um 5,9 Prozent erfasst (2019: 205 Fälle, 2020: 217). Im Deliktsbereich "Sonstiges" stechen außerdem vor allem die Fälle des Widerstands beziehungsweise der tätlichen Angriffe gegen Vollstreckungsbeamte hervor. Diese stiegen um satte 80 Prozent. Denn 2019 waren zehn solcher Delikte verzeichnet worden, im vergangenen Jahr 18.

Aufklärungsquote liegt über dem bayerischen Durchschnitt

Knapp über 70 Prozent aller Straftaten (956 von insgesamt 1360), die die PI Bad Neustadt bearbeitete, konnten 2020 aufgeklärt werden. Damit liegt die Aufklärungsquote knapp unter dem Bad Neustädter Fünfjahres-Durchschnitt von 71,9 Prozent. Im bayerischen Durchschnitt wurden 2020 68,1 Prozent aller Straftaten aufgeklärt, unterfrankenweit 73,3 Prozent.

2020 wurden im Zusammenhang mit den insgesamt 1360 Straftaten 718 männliche und 190 weibliche Tatverdächtige ermittelt. 712 (78,5 Prozent) aller Tatverdächtigen waren über 21 Jahre alt, 88 (9,7 Prozent) zwischen 14 und 18 Jahren, 86 (9,5 Prozent) zwischen 18 und 21 Jahren. Lediglich 22 Tatverdächtige und damit 2,4 Prozent waren jünger als 14 Jahre. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag 2020 bei 18,7 Prozent (169 Personen).

Corona brachte besondere Herausforderungen

Die Corona-Pandemie stellte auch die Polizei vor besondere Herausforderungen. In 2020 wurden insgesamt 374 Fälle mit Corona-Bezug erfasst, darunter 343 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Außerdem waren die Beamten bei Objektschutzmaßnahmen an der Heustreuer Teststrecke aktiv sowie am Impfzentrum in Bad Neustadt und unterstützten die Landratsämter Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld bei der Corona-Kontaktnachverfolgung. Aufgrund von Corona konnte die Sicherheitswacht, die normalerweise die Arbeit der Bad Neustädter PI unterstützt, ab April 2020 nicht mehr eingesetzt werden.

Eine erfreuliche Nachricht ist, dass die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Dienstbereich der Bad Neustädter Beamten mit 1442 auf den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre gesunken ist, was der unterfränkischen Entwicklung entspricht. Im Vergleich zu 2019 (1606 Unfälle) sank die Zahl der Verkehrsunfälle damit um 164 (10,2 Prozent) in 2020. Bei den insgesamt 129 Verkehrsunfällen mit Personenschaden im Jahr 2020 (2019: 155) wurden 167 Personen (2019: 197) verletzt, was einem Rückgang von 15,2 Prozent entspricht. In 2019 waren sechs Verkehrstote erfasst worden, 2020 nur einer.

Die Zahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle ging im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte von 19 auf zehn zurück. Hierbei wurden insgesamt sieben Personen verletzt (Vorjahr: zehn). Sechs Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit einem unter Drogen stehenden Fahrer wurden 2020 erfasst, 2019 waren es zwei gewesen. Im Jahr 2020 ereigneten sich insgesamt 23 Verkehrsunfälle, an denen Fahrer von Krafträdern beteiligt waren, 2019 waren es 27 gewesen. Dabei wurden insgesamt 31 Personen verletzt und eine Person getötet (2019: zwei). Fahrradfahrer waren 2020 an 49 Verkehrsunfällen beteiligt, 2019 waren es lediglich 35 gewesen. Insgesamt wurden dabei 51 Personen verletzt (2019: 38).

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