Zimmerau

Beim Tannenbaum ist Selbsternten am schönsten

Seit dem zweiten Adventswochenende kann man im Christbaumland in Zimmerau Bäume selber sägen. Und das Angebot ist auch in Zeiten von Corona beliebt.
Christbäume zum selber sägen in Zimmerau: Harald Wagner freut sich, weil er ein passendes Exemplar gefunden hat.
Foto: Regina Vossenkaul | Christbäume zum selber sägen in Zimmerau: Harald Wagner freut sich, weil er ein passendes Exemplar gefunden hat.

Es ist ein besonderes Erlebnis, mit der Säge in der Hand in den Wald zu gehen, einen schönen Christbaum auszusuchen, ihn eigenhändig zu fällen und wie eine Beute nach Hause zu transportieren. Nur nicht erwischen lassen! Das war einmal – heute geht man zu einer Christbaumkultur, wo das Fällen eines Baumes ganz legal ist und man hinterher dafür bezahlt.

Ins Christbaumland in Zimmerau, Gemeinde Sulzdorf, kommen seit dem zweiten Adventswochenende viele Väter mit ihren Kindern oder ganze Familien, um sich einen Baum auszuwählen und ihn abzusägen. Motorsägen gibt es nicht in der Kultur, die nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftet wird, aber keine offizielle Zertifizierung hat.

Christbaumsägen als Familienerlebnis

Hauptverantwortliche ist Försterin Lisa Spielmann, die in diesen Wochen mehr zu tun hat als in der Adventszeit der letzten Jahre. "Die Leute machen ein Familienerlebnis daraus", berichtet sie. "Die Kinder toben durch die Baumreihen und alle lassen sich Zeit." Wenn der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr ausfällt, will man wenigstens dort eine Art Weihnachtserlebnis haben, sagen die Kunden. Sie schätzen die Frische und die große Auswahl, außerdem entfallen lange Transportwege.

Das bestätigt auch Harald Wagner, der mit seinem Sohn aus Ermershausen gekommen ist. "Frischer geht’s nicht", sagt er. "Ich kann den Baum selber auswählen, das Geld bleibt in der Region, so etwas muss man unterstützen." Er hat ein passendes Exemplar gefunden, Mitarbeiter Lukas Nicklaus schiebt es durch die Verpackungsröhre, anschließend wird an einer Latte die Höhe gemessen. Nach der Größe richtet sich der Preis, der sich im mittleren Bereich befindet.

Mit Schwung zieht Lukas Nicklaus den Baum durch die Verpackungsröhre.
Foto: Regina Vossenkaul | Mit Schwung zieht Lukas Nicklaus den Baum durch die Verpackungsröhre.

"Wir verkaufen zu 98 Prozent Nordmann-Tannen, zwei Prozent sind Blaufichte", berichtet die Försterin, die in dieser Saison nur eine einzige Kiefer verkauft hat. "Coronabedingt haben wir mehr Betrieb. Die Leute besinnen sich auf die Natur und wollen ungespritzte Bäume, deshalb gibt es viele neue Kunden." Von Wildflecken bis Coburg, aus den Haßbergen und Südthüringen fahren die Kunden nach Zimmerau.  

"Bei uns ist alles Handarbeit"

Begonnen haben die Christbaumkulturen nach einer Idee des bereits verstorbenen Seniorchefs der Firma Zeltbau Eschenbach in Bad Königshofen. Nach dem Fall der Mauer hatte er mit dem Anbau von Weihnachtsbäumen an mehreren Standorten begonnen, darunter auch in Exdorf. "Bei uns ist alles Handarbeit", berichtet Lisa Spielmann.

Das betrifft das Ausmähen, das Schneiden und Spitzenzwicken, damit die Abstände der Zweige nicht zu groß sind. Die Nährstoffe kommen durch Gründung in den Boden. Klee, der später gemäht wird, verbessert den Stickstoffgehalt der Erde und lockert sie auf. In den letzten Trockenjahren kam noch das Bewässern der Kulturen dazu, sonst wären die Bäume vertrocknet. Es wurde extra ein Brunnen dafür gebohrt und eine kleine Zisterne gebaut. Mit Traktor und Güllefass wurde dann gegossen.

Ein Teil der Plantage ist schon abgeerntet, es entstehen immer wieder neue Parzellen, die hiebsreif sind. Dass sich die Mühe gelohnt hat, sieht die Försterin spätestens dann, wenn die Kinder mit leuchtenden Augen helfen "ihren Baum" nach Hause zu bringen.

Moritz (3) und Johanna (6) müssen noch lernen, wie es geht, ihre Mutter, Andrea von Frankenberg, und Försterin Lisa Spielmann assistieren.
Foto: Regina Vossenkaul | Moritz (3) und Johanna (6) müssen noch lernen, wie es geht, ihre Mutter, Andrea von Frankenberg, und Försterin Lisa Spielmann assistieren.
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