Oberelsbach

Betreutes Wohnen: ANNA ist ein Haus für alle

Josefin Schnepf stellte ihre Bachelorarbeit 'ANNA – betreutes Wohnen' dem Oberelsbacher Gemeinderat vor. Bürgermeisterin Birgit Erb freute sich über die kreativen Ideen für eine solche Wohnanlage in der Marktgemeinde.
Josefin Schnepf stellte ihre Bachelorarbeit "ANNA – betreutes Wohnen" dem Oberelsbacher Gemeinderat vor. Bürgermeisterin Birgit Erb freute sich über die kreativen Ideen für eine solche Wohnanlage in der Marktgemeinde. Foto: Marion Eckert

"Oberelsbach sucht einen Investor." Darüber waren sich am Ende des Vortrags von Josefin Schnepf zum Thema "Betreutes Wohnen" alle einig. Vorgestellt wurde eine großzügige Wohnanlage mit genügend Platz für individuelle Wünsche, lichtdurchfluteten Gemeinschaftsräumen und Möglichkeiten zum Rückzug sowie unmittelbare Nähe zur Natur und zum Leben im Ortskern. "Herzlich willkommen in der ANNA", begrüßte Josefin Schnepf die Oberelsbacher Gemeinderäte mit Bürgermeisterin Birgit Erb und die gut 20 Zuhörer. "ANNA" heißt ihre Wohnanlage für betreutes Wohnen, die sie im Rahmen ihrer Bachelorarbeit der Fachrichtung Architektur erstellt hat.

"Wo möchten Sie gern wohnen, wenn Sie einmal auf fremde Hilfe angewiesen sind? Ihre Antwort lautet mit Sicherheit nicht in einem Heim. Aber vielleicht möchten Sie ja gern in der ANNA wohnen?", stieg die 24-jährige Oberelsbacherin in ihr Thema ein. Auslöser, sich im Rahmen der Bachelorarbeit mit einem Gemeinschaftshaus für betreutes Wohnen zu befassen, war ihre Urgroßmutter Anna, die Anfang 2019 in ein Pflegeheim kam. Als Josefin Schnepf sie dort besuchte, musste sie feststellen, "dass dies in keinem Fall meinen Erwartungen an eine solche Einrichtung entsprach. Keiner kannte seinen Sitznachbarn, totale Stille im engen Gemeinschaftsraum."

Ein Haus für eine integrative Gemeinschaft

So schuf sie mit der ANNA ein Haus für eine integrative Gemeinschaft, in der Begegnung und Austausch ganz groß geschrieben werden. "Ich differenziere mich klar von dem Begriff Pflegeheim." Vielmehr sei das Konzept ein Haus für alle. Sie geht davon aus, dass hilfsbedürftige Menschen nur ungern ihr Eigenheim aufgeben, daher müsse ihnen Raum zur Entfaltung und zum Leben angeboten werden. Diesen bekommen sie in der ANNA in Form von ihren neuen "eigenen vier Wänden".

Modell der kleinteiligen Wohnanlage 'ANNA' von Josefin Schnepf.
Modell der kleinteiligen Wohnanlage "ANNA" von Josefin Schnepf. Foto: Marion Eckert

Durch die Aneinanderreihung einzelner Häuser entsteht ein Ensemble, in dem neben den Individualräumen eine großzügige Gemeinschaftszone vorhanden ist. Dadurch gelingt es, Eigenständigkeit und Gemeinschaft in Einklang zu bringen. Die ANNA bietet Raum für 32 Bewohner in 16 Einzimmerwohnungen und sechs Zweizimmerwohnungen. Als Standort hat sich Josefin Schnepf ein Grundstück in der Gartenstraße ausgewählt, das einerseits in unmittelbarer Nähe zum Ortskern mit Kirche, Elstalhalle aber auch zum Supermarkt liegt. Die drei leerstehenden Häuser oberhalb des Grundstücks bezieht sie ebenfalls in ihre Planungen mit ein, sie könnten umgebaut und als altersgerechte Wohngemeinschaften eine neue Form des miteinander Lebens ermöglichen. Wer hier lebe, der könne ebenfalls auf die Pflegeangebote der ANNA zurückgreifen.

Soziale Kontakte werden gefördert

Anhand von sechs Schwerpunkten stellte sie ihre Vision dar: Kleinteiligkeit, Individualität, Normalität, Nachhaltigkeit, Menschlichkeit und Austausch. Bewusst kehrt sie zentralen Versorgungsstrukturen und hohen Bewohnerkapazitäten den Rücken, um sich vom "Anstaltscharakter" zu lösen. Sie hob die Überschaubarkeit der Räumlichkeiten, Bewohner und Pflegenden hervor, was eine familiäre Atmosphäre entstehen lasse, in der soziale Kontakte und geselliges Miteinander gefördert werden. Gleichzeitig stehe die Individualität der Bewohner im Vordergrund sowie eine Normalität des Alltags, die sie durch eine feste Einbindung in die Dorfgemeinschaft mit all ihre Angeboten erzielen möchte. "In der ANNA finden alle Menschen, egal mit welcher Art und Schwere der Beeinträchtigung oder des Alters ein Zuhause wie im normalen Leben." Um der Nachhaltigkeit Rechnung zu tragen, greift sie auf eine Holzständerbauweise und die Energiezufuhr über das örtliche Biomasseheizkraftwerk zurück.

Zur Person:

Josefin Schnepf (24 Jahre) stammt aus Oberelsbach. Sie hat von 2015 bis 2019 an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt ein Architekturstudium absolviert. Das immer wichtiger werdende Thema der Anpassung an den demografischen Wandel und die steigende Altersstruktur der Bevölkerung ist Thema ihrer Bachelorarbeit "ANNA – betreutes Wohnen".
"Der Gedanke, den Lebensraum für andere Menschen zu planen, in dem diese sich wohlfühlen und mit dem sie sich identifizieren, ist für mich extrem reizvoll. Auch ist es wahnsinnig schön, am Ende einer langen Planungs-, Entwurfs- und Ausarbeitungsphase ein fertiges Projekt vorzeigen zu können."
Aktuell studiert sie Denkmalpflege im dritten Semester (Master) an der Otto-Friedrich Universität in Bamberg. Auch die Faszination für ältere Bauwerke begleitet sie schon einige Zeit, sodass sie sich auf historische Gebäude spezialisieren möchte. "Ich sehe es nicht nur als meine spätere Aufgabe an, mich um diese Gebäude, dieses Erbe, zu kümmern, dieses zu pflegen und der Nachwelt zu erhalten, sondern als Aufgabe der gesamten Gesellschaft."
Quelle: mec

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