Bad Neustadt

Corona-Schnelltestungen für Altenheim-Besucher im Rhön-Gymnasium

Besuche in Pflegeheimen sind nur noch mit einem negativen Corona-Test möglich. Das Rote Kreuz richtet noch vor Weihnachten zwei Testtermine in den Turnhallen der Schule ein.
BRK-Katastrophenschutzbeauftragter Alexander Klamt und BRK-Kreisgeschäftsführer Ralf Baumeister bei der Überprüfung des Inhalts der angelieferten Schnelltests.
Foto: Hanns Friedrich | BRK-Katastrophenschutzbeauftragter Alexander Klamt und BRK-Kreisgeschäftsführer Ralf Baumeister bei der Überprüfung des Inhalts der angelieferten Schnelltests.

Alten- und Pflegeheime sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Infektionen in Pflegeheimen mit relativ hohen Todesraten haben in den vergangenen Monaten drastisch vor Augen geführt, wie anfällig diese sind. Um die Einrichtungen besser zu schützen, dürfen  - in Bayern seit dem 9. Dezember und bundesweit seit 16. Dezember - Besucher sie nur noch betreten, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können. Darüberhinaus muss das Personal zweimal in der Woche getestet werden. Das bedeutet für Pflegeheime mehr Sicherheit, aber gleichzeitig auch mehr Arbeit. 

Um die Pflegeheime zu entlasten, richtet der BRK-Kreisverband Rhön-Grabfeld noch vor den Weihnachtsfeiertagen in den Turnhallen des Rhön-Gymnasiums Bad Neustadt Testzentren ein, die ausschließlich für die Besucher von Alten- und Pflegeheimen des Landkreises gedacht sind, erläutern Katastrophenschutzbeauftragter Alexander Klamt und Kreisgeschäftsführer Ralf Baumeister in einem Pressegespräch. Vorgenommen werden sogenannte "POC-Antigen-Schnelltestungen". "Damit helfen wir einerseits den Bewohnern der Pflegeeinrichtungen, an Weihnachten Besuch von ihren Lieben erhalten zu können, leisten aber auch unseren Beitrag, um das Virus aus den Pflegeeinrichtungen fernzuhalten." Um Besuche leichter zu ermöglichen, wird über die Weihnachtsfeiertage die Gültigkeit der Testung auf 72 Stunden hochgesetzt. 

Besucher müssen Wartezeiten einplanen

So sieht ein Corona-Schnelltest aus. Auf dem Tester (oben rechts) erscheint ein schwarzer Streifen, wenn alles korrekt durchgeführt wurde. Ist bald darauf noch ein zweiter Balken zu sehen, bedeutet das einen positiven Befund. Seit Mitte November arbeitet das Stiftungs- Alten- und Pflegeheim bereits mit Schnelltests für Besucher.
Foto: Mathias Wagner/Stiftung | So sieht ein Corona-Schnelltest aus. Auf dem Tester (oben rechts) erscheint ein schwarzer Streifen, wenn alles korrekt durchgeführt wurde.

Für die Testungen stehen die beiden Turnhallen des Rhön-Gymnasiums zur Verfügung. Hier ist genügend Platz, denn die Besucher müssen Wartezeit einplanen, da nicht alle gleichzeitig getestet werden können. Auch Parkmöglichkeiten seien in ausreichender Anzahl vorhanden. Die Testungen werden am Mittwoch, 23. Dezember, zwischen 13 und 18 Uhr und an Heiligabend (Donnerstag) von 9 bis 12 Uhr stattfinden. Eine Voranmeldung ist aufgrund der Kurzfristigkeit nicht möglich. 

Ausgesprochen froh über dieses Angebot ist Angelika Ochs. Als Geschäftsführerin der Kreis-Caritas führt sie auch die beiden Mellrichstädter Seniorenheime Franziska-Streitel und St. Niklas. In beiden Einrichtungen habe man keine Möglichkeiten, Besucher selbst zu testen. Derzeit verweise man die Angehörigen an Stellen, wo Schnelltests durchgeführt werden können. Dazu wird nun auch das Testzentrum des BRK gehören. "Ich bin dem Roten Kreuz sehr dankbar. Gerade an den Feiertagen ist es nun für die Besucher wesentlich leichter, ihre Angehörigen zu besuchen."

Eine Vorreiterrolle in Sachen Schnelltests nimmt das Stiftungs- Alten- und Pflegeheim in Bad Neustadt ein. Dieses bietet seinen Besuchern bereits seit dem 16. November Schnelltests an. Ausnahmslos alle Besucher hätten das damals noch nicht verpflichtende Angebot angenommen, erklärt Mathias Wagner, Geschäftsführer des Hauses. "Wir können eine sehr hohe Akzeptanz und viel Verständnis für die Situation bei den Angehörigen feststellen." Unter der Woche besuchen täglich zehn bis 15 Personen das Pflegeheim, an den Wochenenden sind es 15 bis 20. In der Einrichtung wohnen rund 80 Senioren, die Zahl der Beschäftigten, die ja auch regelmäßig getestet werden müssen, ist in etwa ebenso hoch. 

Regelmäßige Testungen der Mitarbeiter

Die Mitarbeiter der Stiftung werden zu festen Zeiten immer montags und donnerstags getestet. Zwei Wohnbereichsleiterinnen, die vorher von einem Arzt entsprechend geschult wurden, führen die Schnelltests durch und eine weitere Person dokumentiert den Vorgang. Das Ganze dauert zirka zwei Stunden. Bislang habe man glücklicherweise noch kein positives Ergebnis registrieren müssen, so Wagner. Die Bewohner werden unregelmäßig, je nach Risiko-Beurteilung getestet. 

Der Hersteller der Schnelltests spricht von einer über 90-prozentigen Verlässlichkeit. Die Kosten für die Tests übernimmt der Staat. Das Ergebnis erscheint nach 15 Minuten. Zunächst zeigt ein erster schwarzer Kontrollstreifen an, dass der Test korrekt durchgeführt wurde, und dann muss man die Luft anhalten, dass nicht noch ein zweiter Balken kommt, der würde nämlich ein positives Ergebnis, sprich eine Infektion, bedeuten. 

Große Arbeitsbelastung der Beschäftigten

Mathias Wagner betrachtet die Tests generell als einen deutlichen Mehrwert, der dem Schutz der Bewohner und Mitarbeiter dient. "Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit es in den Pflegeheimen nicht zu einer größeren Anzahl von Erkrankungen kommt." Die Stiftung sei derzeit in der komfortablen Lage, dass nahezu das gesamte Personal zur Verfügung steht, nur ein Mitarbeiter befinde sich in Quarantäne. Von Vorteil sei zudem, so Wagner, dass man nur eine relativ kleine Einrichtung mit überschaubaren Abläufen sei. Er könne es aber auch sehr gut nachvollziehen, dass Häuser mit mehr Ausfällen an Grenzen stoßen. Die Pflege laufe ja trotzdem weiter. Gerade jetzt angesichts des weniger gewordenen Besuches würden die Bewohner noch mehr Pflege und Zuneigung benötigen. Nicht selten sei die zusätzliche Arbeit mit eigenem Personal nicht machbar. Für den Heimleiter ist es durchaus vorstellbar, auf externe Unterstützung zurückzugreifen. Gerade die Dokumentation bei den Testungen der Mitarbeiter sei recht aufwendig. Hier wäre Hilfe willkommen. 

Welche Folgen hat das für die Mitarbeiter?

Auch Elke Müller, Leiterin des BRK-Alten- und Pflegeheimes in Bad Neustadt, sieht in den Testungen einen Gewinn an Sicherheit sowohl für die Bewohner als auch die Mitarbeiter. Kritik übt sie jedoch in Richtung Staatsregierung wegen der geringen Vorlaufzeit. "Es wurde leichtfertig geplant, ohne die Belastung der Heime und die Umsetzbarkeit zu berücksichtigen." Seit dem 15. Dezember können nach vorangegangener Schulung Schnelltests bei Besuchern im Haus selbst durchgeführt werden. Die Mitarbeiter, die sich darum kümmern, fehlen natürlich an anderer Stelle, so Müller, vor allem den Bewohnern, die gut betreut werden sollen. Das habe einen deutlich erhöhten Personaleinsatz zur Folge, vor allem an den Wochenenden. 

Aufgrund der nun durchzuführenden Tests habe man die Zahl der Besucher reduzieren müssen, bedauert die Heimleiterin. Bis zu der Verordnung durften täglich 20 Personen ihre Angehörigen besuchen, nun nur noch acht. An Weihnachten werde man die Zahl wieder erhöhen. Die Besucher würden im großen und ganzen verständnisvoll darauf reagieren. Aber es sei schwierig, allen gerecht zu werden. "Wir machen das nicht, um jemanden zu ärgern, sondern zur Sicherheit der Bewohner und Mitarbeiter", betont sie. Unterstützung erhält das Heim von Kräften des BRK-Kreisverbandes, die an zwei Tagen in der Woche die Tests der Besucher übernehmen. Bei 115 Bewohnern, 108 Mitarbeitern und den Besuchern kommen in der Woche jede Menge Tests zusammen. Dementsprechend appelliert man an die Angehörigen, wenn möglich das Testzentrum des BRK zu nutzen. Im Haus können jedoch gegebenenfalls Tests weiter durchgeführt werden.

Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?

Wie geht es weiter? "Die Herausforderungen aufgrund der Corona-Pandemie werden uns noch lange begleiten. Es hilft nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir müssen kreative Lösungswege finden und flexibel agieren", sagt Wagner. Die Stimmung in der Stiftung sei nach wie vor gut. "Wir sind relativ gut durch das Jahr gekommen. Dankbar zeigt sich Wagner vor allem gegenüber seinen Mitarbeitern, "die sich voll einsetzen. Wir haben ein sehr gutes Miteinander und arbeiten Hand in Hand". Dem schließt sich Elke Müller an: "Was meine Kollegen zur Zeit alles leisten, ist klasse."

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