Herschfeld

Corona-Zeit: Was rote Punkte im Gottesdienst bedeuten

Nach einer siebenwöchigen Pause konnten am Wochenende wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden. Wir besuchten die Feier in Herschfeld.
Gottesdienst in Corona-Zeiten: Sicherheitsabstand muss sein.
Gottesdienst in Corona-Zeiten: Sicherheitsabstand muss sein. Foto: Marion Eckert

Dieser Gottesdienst in Herschfeld war durchaus außergewöhnlich. Er war nur mit Auflagen und Einschränkungen möglich. Das Bistum Würzburg hatte einen Rahmenplan erarbeitet: Bänke in den Kirchen müssen von beiden Seiten aus begehbar sein. Das ist in der St. Nikolaus-Kirche der Fall. Der große Raum bietet den Gottesdienstbesuchern viel Freiraum, um möglichst kontaktfrei einen Gottesdienst zu besuchen. Da zwischen den Gottesdienstbesuchern ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden muss, darf nur jede zweite Bank besetzt werden.

Abstand - die neuen Regeln im Gottesdienst 

Ehrenamtliche der Gemeinde hatten zuvor die in Frage kommenden Plätze mit roten Punkten beklebt. Am Eingang begrüßte ein Helfer - natürlich mit Nasen-Mundschutz - , die Besucher. Freundlich aber bestimmt machte er auf die wichtigsten Hinweise aufmerksam. "Abstand und immer wieder Abstand". Das ist die neue goldene Regel bei einem Gottesdienst. Ausgenommen sind Paare oder Familien, die in einem Haushalt zusammen leben. Sie dürfen beieinander sitzen. Alle anderen mussten sich einen einzelnen Platz suchen mit der klaren Anweisung: "Die Kirche von vorne nach hinten füllen." Niemand sollte in einer Bankreihe über einen andere Person steigen müssen, was in der St. Nikolaus Kirche auch gut möglich war. Die vergleichsweise kurzen Bankreihen lassen ohnehin nur drei Besucher pro Bank zu.

Auf ein Anmeldeverfahren haben die Herschfelder verzichtet. Die Kirche sei an und für sich groß genug, um selbst in Corona-Zeiten maximal 80 Gläubige aufzunehmen. Schon eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn kamen die ersten Gläubigen. Dies war im Vorfeld auch angeraten, um sich möglichst beim Hineingehen nicht anstellen zu müssen. Die Gläubigen erkannten sich offensichtlich trotz der Masken. Vorsichtiges Zunicken. 

Das Kollektenkörbchen und Desinfektionsmittel.
Das Kollektenkörbchen und Desinfektionsmittel. Foto: Marion Eckert

Pfarrer Hans Beetz, selbst natürlich mit Nasen-Mundschutz versehen, gab letzte Erläuterungen ("Kirche, speziell die Bankreihen, wird nach jedem Gottesdienst gründlich gereinigt"), teilte Lied- und Gebetszettel aus und verwies auf das Desinfektionsmittel am Eingang neben dem Kollekte-Körbchen. 

Die Orgel - ein Stück vertrauter Normalität

Dann setzte die Orgel ein. Das erste Stück vertrauter Normalität. Der Pfarrer kam mit Maske aus der Sakristei, am Altar legte er sie allerdings ab, um frei sprechen zu können. Laut Bistum soll Gemeindegesang in einem Gottesdienst weitgehend reduziert werden. So war beim Eingangslied auch schon nach einer Strophe wieder Schluss. Pfarrer Beetz bat um Verständnis, dass es "nur ein Wortgottesdienst" ist. Er erklärte, dass eine Wortgottesfeier an die biblische Tradition anknüpfe: "Die Apostel haben den Menschen zuerst das Wort Gottes verkündet."

Klare Anweisungen an der Kirchentüre in Herschfeld.
Klare Anweisungen an der Kirchentüre in Herschfeld. Foto: Marion Eckert

Bis mindestens Christi Himmelfahrt dürfen ausschließlich "nichteucharistische Gottesdienstformen", wie zum Beispiel die Wort-Gottes-Feiern ohne Kommunionspendung, Tagzeitenliturgie und Andachten, gefeiert werden. Pfarrer Beetz entschied sich für eine Sakramentsandacht mit Aussetzung des Allerheiligsten. Auf diese Weise hatten die Gläubigen, auch ohne Eucharistie, die Möglichkeit in der Anbetung in die sakramentale Gegenwart Gottes einzutauchen. Er eröffnete einerseits den Raum für persönliches, aber auch für das gemeinsame Wechselgebet. So entstand auch trotz Mund-Nase-Bedeckung ein Gefühl der Gemeinschaft. Die Fürbitten befassten sich natürlich mit der aktuellen Situation der Corona-Pandemie und schlossen alle ein, die in Kirche, Staat und Gesellschaft jetzt Verantwortung tragen. Aber auch alle Menschen, die sich besonders in diesen Tagen nach Gemeinschaft sehnen, sowie alle Kranken, Pflegenden und Helfenden. Nicht vergessen wurden all jene, die um ihren Arbeitsplatz und ihre Existenz bangen.

Mit dem Eucharistischen Segen und einem Mariengebet von Papst Franziskus endete diese gottesdienstliche Feier. Natürlich durfte im Monat Mai zum Auszug das beliebte Marienlied "Maria, Maienkönigin" nicht fehlen.

Und die Gottesdienstbesucher? Sie verließen, wie sie gebeten worden waren, die Kirche im gebotenen Abstand. "Ein hoffnungsvoller Anfang", freute sich eine Frau. Eine andere ergänzte: "Es hat in den vergangenen Wochen doch etwas gefehlt." Den Menschen war die Freude anzusehen. Sie gingen durchaus fröhlich nach Hause.

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