Ipthausen

Das gefällt dem Umweltminister: Blühfelder wachsen für Biogas

Thorsten Glauber besucht eine Fläche bei Ipthausen. Die Blühflächen, Teil eines landkreisübergreifenden Projekts, sind ein Beitrag zur Energiewende und ökologische Bereicherung zugleich.
Wenn schon nichts blühte beim Besuch von Minister Thorsten Glauber (Mitte, vorne), dann sollten wenigstens  Pflanzenschilder demonstrieren, was hier im Sommer alles wächst. Auf dem Bild sonst noch versammelt (von links) : Dr. Klaus Mandery, Annette Seehaus-Arnold, Kornelia Marzini, Matthias Klöffel, Stefan Köhler, Margit Ziegler, Michael Distel,  Helmut Bär und Richard Mergner.
Foto: Michael Petzold | Wenn schon nichts blühte beim Besuch von Minister Thorsten Glauber (Mitte, vorne), dann sollten wenigstens  Pflanzenschilder demonstrieren, was hier im Sommer alles wächst.

Im vierten Anlauf hat es dann geklappt. Thorsten Glauber, Staatsminister  für Umwelt und Verbraucherschutz, besuchte auf seiner Tour durch den Landkreis am Dienstagnachmittag auch eine Fläche des Projekts "Biogasblühfelder Rhön-Grabfeld" bei Ipthausen. Blühen wollte angesichts der  bislang meist frischen Temperaturen in diesem Frühjahr zwar kaum etwas, doch das gemeinsame Anliegen von Bauernverband und Bund Naturschutz war klar: Den Minister davon zu überzeugen, die Anlage von Blühflächen zur Energiegewinnung möglichst landesweit zu etablieren und besser zu fördern.    

Auf gut 120 Hektar an fünf Standorten in den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen wird das Projekt mit einer von Kornelia Marzini von der Landesanstalt für Wein und Gartenbau in Veitshöchheim entwickelten Samenmischung aus 30 Pflanzen umgesetzt. Maximal die Hälfte des Energieertrags gegenüber dem Mais, der häufig in Biogasanlagen verarbeitet wird, lässt sich durch das Abernten der im Herbst meterhohen Pflanzen erzielen. Weil das für Landwirte nicht wirtschaftlich ist, fließen noch bis zum vorläufigen Ende des insgesamt fünfjährigen Programms im Jahr 2023 rund 700 000 Euro an Fördergeldern, von denen allein rund 600.000 Euro vom Bayerischen Naturschutzfonds stammen, deren Vorsitzende Ulrike Lorenz auch beim Treffen in der Flur dabei war. 

Das Feld bei Ipthausen, auf dem es im Sommer blühen wird. Noch ist aber wenig zu sehen. 
Foto: Michael Petzold | Das Feld bei Ipthausen, auf dem es im Sommer blühen wird. Noch ist aber wenig zu sehen. 

Dem Biogas misst Minister Glauber bei der Energiewende eine größere Bedeutung zu, schon weil es speicherbar und grundlastfähig ist. Zudem habe sich die Energieform als Türöffner zwischen dem Bauernverband und dem Bund Naturschutz erwiesen. Dessen Landesvorsitzender Richard Mergner freute sich, dass die Förderung noch zwei Jahre Bestand haben wird, wünschte sich aber entweder höhere Preise oder mehr Förderung für die Klimakonzepte vor Ort. Für den Bund Naturschutz sei Klimaschutz und Biodiversität nicht auseinanderzudividieren. Von einer Win-Win-Situation sprach BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler.     

Rückzugsort und Brutstätte für eine Vielzahl seltener Vögel 

Wie wertvoll die Blühflächen nicht nur zur nachhaltigen Energiegewinnung sind, verdeutlichten Dr. Klaus Mandery, der Vorsitzende des Instituts für Biodiversitätsinformation und der Ornithologe Karl Schwarz. Rund 40 Vogelarten hatte Schwarz in den vergangenen drei Jahren an den fünf Standorten festgestellt, darunter so seltene Arten wie das Blaukehlchen, die Dorngrasmücke, die Feldlerche oder die knallgelbe Schafstelze, die allesamt dort auch gebrütet hatten. Nicht minder wichtig stufte Schwarz die Beobachtung von Arten wie Goldammer, Rebhuhn, Wachtel, Braun-und Schwarzkehlchen bei, bei denen sich allerdings nicht hundertprozentig nachweisen lässt, ob sie dort auch brüten. Sein Resümee: "Die Blühflächen bringen eine enorme ökologische Bereicherung."

Ein ausreichendes Futteraufkommen dürften die Vögel auf alle Fälle auf den Flächen finden, hat Klaus Mandery doch unter Zuhilfenahme eines Insektensaugers auf dem Feld in Großwenkheim 225 Arten ausgemacht, woraus sich seiner Erfahrung nach schließen lässt, dass noch deutlich mehr Insekten dort ihren Lebensraum haben. Aber auch unter der Erde tut sich eine Menge. Bis zu 100 Regenwürmer habe er in einem Quadratmeter Boden eine Blühfeldes gefunden. In einem Quadratmeter Maisboden würden dagegen höchstens zehn der Humus bildenden Würmer leben.         

Wenn der Ackerstatus in Gefahr ist 

Von den Anfängen des Projekts, das BBV-Rhöngrabfeld-Geschäftsführer Michael Distel und Kreisobmann Matthias Klöffel vorgestellt hatten, berichtete Kreisbäuerin Margit Ziegler. Gerade im ersten Jahr habe sich alle als echte Geduldsprobe erwiesen, weil es sehr lange gedauert habe, bis sich ein Erfolg eingestellt hat. Das Feedback von Spaziergängern, die an Blühfeldern vorbeigekommen sind, sei überwältigend gewesen. Die Kreisbäuerin machte allerdings auch darauf aufmerksam, dass nach den geltenden Bestimmungen die Blühflächen nach spätestens fünf Jahren umgebrochen werden müssen, damit der Ackerstatus erhalten bleibt. Hier müsse eine Lösung gefunden werden, erklärte Margit Ziegler, die ebenfalls für eine Einzelförderung der Maßnahmen warb.    

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