Bad Königshofen

Das Nest aus Stahl und Ruten ist gerichtet für die Störche

Die Aktion war durchaus spektakulär. Jetzt heißt es warten: Zieht nach vielen Jahren bald wieder ein Weißstorchen-Paar in Bad Königshofen seinen Nachwuchs auf?
Spektakuläre Aktion: Mit einem Autokran wurde die nestförmige Plattform samt Unterkonstruktion vor wenigen Tagen von Schlossermeister und Stadtrat Bernhard Weigand zwischen die vier Kamine der Bad Königshöfer Frankentherme gesetzt und fixiert.
Foto: Alfred Kordwig | Spektakuläre Aktion: Mit einem Autokran wurde die nestförmige Plattform samt Unterkonstruktion vor wenigen Tagen von Schlossermeister und Stadtrat Bernhard Weigand zwischen die vier Kamine der Bad Königshöfer ...

Fast hätte es im vergangenen Jahr schon geklappt: Wochenlang versuchte ein Storchen-Paar auf den vier Kaminen der Bad Königshöfer Frankentherme ein Nest zu bauen, um seinen Nachwuchs großzuziehen. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten misslang der Versuch. Die Störche verabschiedeten sich nach einiger Zeit wieder aus Bad Königshofen.

Doch der versuchte Nestbau hat gezeigt: Störche haben wieder Interesse, sich in Bad Königshofen niederlassen, vorausgesetzt, sie finden neben genügend Futter auch einen geeigneten Ort zum Brüten. Warum also dem Storch nicht auf den 15 Meter hohen Kaminen der Frankentherme eine Plattform zur Verfügung stellen, auf der er problemlos ein Nest bauen kann? Nach längerer Vorbereitung war es am Samstag so weit: Mit einem großen Autokran einer Bad Königshöfer Firma wurde das stählerne Storchennest samt seines drei Meter hohen Untergestells zum Bestimmungsort gebracht. Die verzinkte Stahlkonstruktion entstand in der Werkstatt von Schlossermeister und Stadtrat Bernhard Weigand.

Gemeinschaftsaktion: Magda Streußnig (links), Ruth Scheublein (rechts), beide aus Ipthausen, und Maria-Theresia Geller aus Eyershausen beim Flechten des Storchennestes in der Scheune der Ipthäuser Stadträtin. Das Grundgerüst lieferte die Schlosserei Weigand aus Bad Königshofen unentgeltlich.
Foto: Alfred Kordwig | Gemeinschaftsaktion: Magda Streußnig (links), Ruth Scheublein (rechts), beide aus Ipthausen, und Maria-Theresia Geller aus Eyershausen beim Flechten des Storchennestes in der Scheune der Ipthäuser Stadträtin.

Er nahm sie persönlich in luftiger Höhe in Empfang und schraubte sie auf der kleinen Plattform zwischen den vier Kaminen fest. Neugierige Beobachter waren neben Bürgermeister Thomas Helbling und Kurdirektor Werner Angermüller auch die Stadträtinnen Ruth Scheublein und Maria-Theresia Geller sowie Magda Streußnig. Sie hatten im Vorfeld in Handarbeit ein Holzgeflecht an dem Stahlgerippe angebracht.

Storchen-Beauftragter des Landesbundes für Vogelschutz vor Ort

Auch der Coburger LBV-Storchenbeauftragte Hans Schönecker war gekommen, um bei der Aktion „Ein Storchennest für die Frankentherme“ dabei zu sein. Er hatte im Sommer vergangenen Jahres über die Schwester von Ruth Scheublein davon erfahren, dass sich ein Storchenpaar auf den Kaminen der Frankentherme niedergelassen hat. Kurz darauf hat er sich mit Kurdirektor Werner Angermüller, Bauhofleiter Markus Schunk und Bernhard Weigand getroffen. Sie besprachen, wie man dem Storchen-Paar beim Nestbau helfen könnte.

Letzte Vorbereitungen: Das Storchennest wird von Johannes Weigand an Tragegurten befestigt und anschließend mit dem Autokran an seinen Bestimmungsort gehoben.
Foto: Alfred Kordwig | Letzte Vorbereitungen: Das Storchennest wird von Johannes Weigand an Tragegurten befestigt und anschließend mit dem Autokran an seinen Bestimmungsort gehoben.

Denn eines war aus Sicht des Storchen-Experten damals klar: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich das Storchen-Paar im nächsten Jahr erneut am Nestbau auf den Kaminen der Frankentherme versuchen würde. „Ich war bei der Planung der Unterkonstruktion behilflich und gab auch noch weitere Tipps“, so Schönecker. Er war mit dem Ergebnis aus der Werkstatt  von Bernhard Weigand und den Flechtkünsten der drei Frauen sehr zufrieden: „Dieses Nest ist wirklich optimal für ein Storchen-Paar.“ In den kommenden Tagen soll noch eine Webcam installiert werden, um die Vögel beim Brüten und Aufziehen aus nächster Nähe beobachten zu können - ähnlich der, die in Hammelburger Nest betrieben wird. 

Optimales Nahrungsangebot in der Nähe der Frankentherme

Ob tatsächlich in diesem Jahr in Bad Königshofen wieder ein  Weißstorch-Pärchen seinen Nachwuchs aufziehen wird, wird sich schon in Kürze zeigen. „Ich bin relativ sicher, dass es klappt“, so der Storchen-Beauftragte aus Coburg. Er rechne damit, dass sich noch im Laufe des März zunächst das Männchen und wenig später auch das Weibchen über den Kaminen der Frankentherme einfinden werden.

Am Standort Frankentherme interessiert: Vor einem knappen Jahr versuchte sich ein Storchen-Paar am Nestbau auf den Kaminen der Frankentherme. Laut Storchen-Beauftragten Hans Schönecker stehen die Chancen gut, dass sie in einigen Wochen wiederkommen.
Foto: Hanns Friedrich | Am Standort Frankentherme interessiert: Vor einem knappen Jahr versuchte sich ein Storchen-Paar am Nestbau auf den Kaminen der Frankentherme.

Was laut Schönecker vor allem dafür spricht: Die Störche finden in der Umgebung der Frankentherme ausreichend Futter, angefangen von Regenwürmern, großen Insekten, Kleinsäuger oder Frösche. „Das Nahrungsangebot ist hier wirklich optimal“, urteilt der Experte des LBV Coburg. Das letzte Weißstorchen-Paar, das in Bad Königshofen gebrütet hat, soll Anfang der 1970er-Jahre auf dem Schlot des Elisabethaspitals genistet haben.

Der Weißstorch

Obwohl sich der Bestand in Bayern in den vergangenen 35 Jahren erholt hat, gehört der Weißstorch nach wie vor zu den gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. 1986 gab es nur noch 60 Brutpaare im Freistaat. Im vergangenen Jahr wurden 650 Brutpaare gezählt. Der Weißstorch, auch Klapperstorch oder Meister Adebar genannt, gilt als Glücksbringer und stellt hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Wegen des Klimawandels verbringen immer mehr Störche den Winter in Bayern und fliegen nicht mehr in den Süden nach Afrika. Brutbeginn des Weißstorchs ist von Mitte März bis Anfang Mai. Meist sind es drei bis fünf Eier, die ausgebrütet werden. Während der Jungenaufzucht sucht ein Paar mit drei Jungen jeden Tag etwa vier Kilogramm Nahrung im Umkreis von rund drei Kilometern. In einer Brutsaison kommen so fast 500 Kilogramm zusammen. Dafür benötigt eine Storchen-Familie rund 200 Hektar Grünland wie Feuchtgrünland, Auen oder extensiv genutzte Wiesen.
Quelle: LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.)
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