Irmelshausen

"Die Wiedervereinigung ist eine kostbare Perle"

Gemeinsames Bild mit (von links) Bürgermeister Heiko Bartholomäus (Römhild), Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf (Irmelshausen), Pfarrer Thomas Perlick (Römhild), Pfarrerin Irene Wiertelorz (Milz) und Höchheims Bürgermeister Michael Hey.
Foto: Hanns Friedrich | Gemeinsames Bild mit (von links) Bürgermeister Heiko Bartholomäus (Römhild), Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf (Irmelshausen), Pfarrer Thomas Perlick (Römhild), Pfarrerin Irene Wiertelorz (Milz) und Höchheims ...

„Die Wiedervereinigung unseres Landes ist für mich die schönste und kostbarste Perle!“ Das sagte Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf im Rahmen einer Andacht am 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands. Einen geschichtsträchtigen Ort hatten sich die Initiatoren mit einer Wiese im Bereich des ehemaligen „Niemandslandes“ der innerdeutschen Grenze zwischen Milz, Mendhausen und Irmelshausen ausgewählt. Im Zusammenhang mit der bundesweiten Aktion „Deutschland singt“ wurde dies zu einer beeindruckenden Feierstunde. Dazu waren auch die Pfarrer Irene Wiertelorz aus Milz sowie Pfarrer Thomas Perlick (Römhild) gekommen. Die musikalische Gestaltung hatten der Posaunenchor und die Chorgemeinschaft Irmelshausen-Höchheim übernommen. Grußworte sprachen die Bürgermeister Heiko Bartholomäus (Römhild) und Michael Hey (Höchheim).

Mit dem Choral „Nun danket alle Gott“ hatten Chorgemeinschaft und Posaunenchor genau das Lied getroffen, das vor drei Jahrzehnten bei den Gottesdiensten und Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung, aber auch bereits zur Grenzöffnung 1989 immer wieder erklungen war. So war es kein Wunder, dass Pfarrerin Irene Wiertelorz davon innerlich berührt war, aber auch von den vielen Besuchern, die, wie sie sagte, „zur Geburtstagsfeier“ gekommen waren. Nach 30 Jahren sei es für viele selbstverständlich, ein Land zu sein, und doch wissen die heute 30-Jährigen nicht mehr, wie schwierig das Leben im Grenzgebiet war. Heute würden viele ganz selbstverständlich auf dem einstigen Kolonnenweg joggen, radeln oder spazieren gehen. Die Pfarrerin erwähnt die Liedstrophe von Klaus-Peter Hertzsch, in der es heißt: Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit, Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.“ Das gelte heute mehr denn je.

Ein Stück Himmelreich

Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf erwähnte eine Quizshow, bei der die Frage gestellt wurde, welche Hochzeit das ist, wenn die einstige DDR und die BRD die Wiedervereinigung feiern. Die Antwort: eine Perlenhochzeit. Das veranlasste sie in ihrer Ansprache diese Wiedervereinigung als die schönste und kostbarste Perle zu bezeichnen. Die Irmelshäuser Pfarrerin nannte dazu das Matthäusevangelium , wo Christus das Himmelreich mit einer kostenbaren Perle verglich. „Ja, diese Wiedervereinigung vor 30 Jahren ist ein großes Stück Himmelreich für mich.“  In  Willmars aufgewachsen, lebte sie direkt an der innerdeutschen Grenze. „Diese Grenze war unserer Familie und mir ein Graus.“

1989 habe man es kaum glauben können, was Gebete und Kerzen und viele Menschen erreicht hatten – die Öffnung der Grenze. Gemeinsam konnte man feiern, sich ohne Kontrolle besuchen, auch wenn man dem Frieden anfangs nicht so recht traute. Für Beate Hofmann-Landgraf war es wichtig, die Nikoleikirche in Leipzig zu besuchen. Symbol für die Friedensgebete. Dort sprach sie mit Menschen, die diese Zeit hautnah erlebten. „ Ich bin allen von Herzen dankbar, die sich vor 30 Jahren und die Jahre davor nicht schrecken und beirren ließen – auch nicht in ihrem Glauben, in ihrem Gottvertrauen.“  Gerade an der Landesgrenze Bayern-Thüringen zeige sich, wie kostbar diese Perle, das Geschenk Gottes ist.

Blick auf die Grenze

Römhilds Pfarrer Thomas Perlick erwähnte die weite Landschaft des fränkischen und thüringischen Grabfelds. Direkt an der Grenze aufgewachsen, kannte er eine Begrenzung seines Spielraums. Hinter seinem Elternhaus waren Zaun und Mauer die Absperrung in Richtung Westen. Als Jugendlicher lebte er in Ummerstadt, später wurde er Pfarrer für Römhild und Mendhausen. Immer wieder habe er erfahren, dass es den Menschen in ihrem Herzen niemals eng geworden ist. Pfarrer Thomas Perlick: „Immer wenn es eng wurde, hat auch mich der breite Raum meines Glaubens getragen.“

Die musikalische Gestaltung hatten der Posaunenchor und die Chorgemeinschaft Irmelshausen-Höchheim übernommen.
Foto: Hanns Friedrich | Die musikalische Gestaltung hatten der Posaunenchor und die Chorgemeinschaft Irmelshausen-Höchheim übernommen.

Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus bedankte sich vor allem beim Posaunenchor Irmelshausen-Höchheim der zuvor das Rennsteiglied gespielt hatte. 30 Jahre Deutsche Einheit seien ein besonderes Geschenk der Geschichte. Das habe man nicht so einfach erhalten, sondern musste darum kämpfen. Der Bürgermeister erwähnte den Herbst 1989 als die Menschen, trotz eigener Ängste, auf die Straßen gingen. Sie führten einen friedlichen Umbruch herbei. Danach konnte der Weg für die Einheit beider deutscher Staaten bereitet werden. „Für mich noch heute ein Geschenk der Geschichte, das uns zuteil wurde durch den Mut und die Entschlossenheit dieser Menschen.“ In den vergangenen Jahren habe es Glück aber auch Enttäuschungen gegeben. Ganz wichtig sei es, die deutsche Einheit als ein Geschenk der Geschichte an das deutsche Volk zu bewahren.“

Blühende Landschaften 

Bürgermeister Michael Hey (Höchheim) erinnerte an die Tage der Grenzöffnung, als man zum Beispiel Mendhausen besuchen konnte. Allerdings hätten die Menschen in der ehemaligen DDR auch Angst um ihren Arbeitsplatz und die Zukunft gehabt. Die Frage war auch, ob es wirklich blühende Landschaften geben wird, wie es der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl versprochen hatte. Oft sei die Frage aufgetaucht, ob das die Freiheit ist, die man sich erhofft hatte.

In den vergangenen Jahren schritt der wirtschaftliche und soziale Aufholprozess voran, sei allerdings noch nicht beendet. Jeder habe ganz persönliche Erfahrungen mit der deutschen Einheit. Erst wenn nach der wirtschaftlichen und sozialen Einheit auch diese in den Herzen der Menschen angekommen ist, könne man von einem Deutschland sprechen. „Lassen wir nicht nach in unserem Streben, diese deutsche Einheit Wirklichkeit werden zu lassen, egal wie lange das noch dauern mag.“ Mit dem gemeinsamen Vater unser und dem Deutschlandlied endete die eindrucksvolle Feierstunde an einem geschichtsträchtigen Ort – der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Die Spenden gingen an den Verein Autobahnkirche A 71.

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