Mellrichstadt

Ein Frühjahr ohne Blasmusik in Rhön-Grabfeld

Während es im Breitensport bereits erste Lockerungen gibt, dürfen Musikvereine nach wie vor nicht proben. Dies sorgt für Unmut bei einigen Vereinen im Landkreis.
Bilder, wie dieses Archivfoto vom Kreismusikfest in Hohenroth aus dem Vorjahr, wird es diesem Sommer nicht geben.
Bilder, wie dieses Archivfoto vom Kreismusikfest in Hohenroth aus dem Vorjahr, wird es diesem Sommer nicht geben.
Foto: Brigitte Chellouche

Wenn am letzten Tag des Aprils in den Dörfern Rhön-Grabfelds traditionell die Maibäume aufgestellt werden, dann dürfen zwei Dinge nicht fehlen: Bratwürste und Blasmusik. In diesem Jahr war jedoch alles anders. In manchen Orten wurden zwar trotz der Corona-Beschränkungen Maibäume aufgestellt, ein Festbetrieb mit Musik war aber natürlich nicht möglich. Mittlerweile gibt es zwar in vielen Bereichen erste Lockerungen, die Blasmusiker müssen sich aber weiterhin in Geduld üben. Wir haben bei einigen Musikvereinen im Landkreis nachgefragt, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen und welche Sorgen sie haben.

In Österreich ist das Proben mit bis zu zehn Personen erlaubt

"Im Moment steht alles still. Wir warten darauf, dass es auch für uns weitere Lockerungen gibt", sagt Adrian Blümm, Dirigent des Musikvereins Hendungen. Er hofft darauf, dass Bayern wie in vielen anderen Bereichen auch hier dem Beispiel Österreichs folgt. Dort ist das Proben mit bis zu zehn Personen seit Kurzem wieder erlaubt. "Sobald mit mehreren Personen zusammen musiziert werden darf, fangen wir erst einmal mit Registerproben wieder an", sagt Blümm. Auch Musikproben im Freien kann er sich sehr gut vorstellen. "Das ist bei den jetzigen Temperaturen sehr gut möglich."

Adrian Blümm, Dirigent des Musikvereins Hendungen.
Adrian Blümm, Dirigent des Musikvereins Hendungen. Foto: Sabine Pagel

Der Bayerische Blasmusikverband (BBMV) sieht das ähnlich und hat sich daher mit einem offenen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder gewandt. "Nachdem Sport im Freien wieder möglich ist, sollten z. B. unseren Blaskapellen und Chören Standkonzerte im Freien – unter Wahrung des Sicherheitsabstandes – erlaubt werden", heißt es in dem Brief. Inzwischen wurden zwar auch für den Kultur-Bereich Lockerungen ab dem 15. Juni in Aussicht gestellt, dennoch sprach der BBMV auf seiner Facebook-Seite "von einer riesengroßen Enttäuschung." Vor allem deswegen, da in der Pressekonferenz der bayerischen Staatsregierung vom 26. Mai nichts zur Wiederaufnahme des Probebetriebs gesagt wurde.

Forderung nach Lockerungen an die bayerische Staatsregierung

Dass aktuell kein Probebetrieb möglich ist, kann Claudia Gans nicht verstehen. Die Vorsitzende des Musikvereins Hollstadt hat sich daher in einer E-Mail an die bayerische Staatsregierung gewandt. "Demonstrationen sind erlaubt, in der Fußball-Bundesliga wird wieder gespielt, aber zusammen musizieren ist weiterhin verboten", ärgert sie sich. "Dabei wäre der vorgeschriebene Drei-Meter-Abstand zwischen den Musikern im Freien leicht einzuhalten. Außerdem könnte man auch in Sporthallen ausweichen, wenn die Proberäume zu klein sind." Selbst wenn im Herbst wieder kleinere Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen, weiß sie noch nicht, ob ihre Musiker dann auch spielbereit sind. "Wir sind im Oktober für Kirmesauftritte gebucht. Da wir einen kleinen Umbruch hinter uns haben, sind wir dringend auf den Probebetrieb angewiesen."

Claudia Gans, Vorsitzende des Musikvereins Hollstadt.
Claudia Gans, Vorsitzende des Musikvereins Hollstadt. Foto: Hanns Friedrich

Seit zwei Wochen wieder möglich ist hingegen der Einzel-Musikunterricht. "Wichtig wäre aber auch, dass sich die Kinder wieder einmal sehen und zusammen musizieren könnten", findet Adrian Blümm. Er dirigiert neben der Hendunger Hauptkapelle auch das Nachwuchsorchester. Dort musizieren circa 20 Kinder aus Hendungen, Eußenhausen, Stockheim und Frickenhausen. "Die Sorge ist natürlich da, dass Kinder mit der Musik aufhören könnten, wenn die Pause noch länger dauert."

Online-Übungsaufgaben für den Nachwuchs der Stadtkapelle

Um dies zu verhindern, hat man sich bei der Mellrichstädter Stadtkapelle etwas einfallen lassen und die Aktion "BleibZuhause" gestartet. In regelmäßigen Abständen werden auf der Vereins-Homepage (www.mellrichstadt-stadtkapelle.de) Aufgaben und Videos für den Musik-Nachwuchs veröffentlicht. Die Idee dazu hatte Eva Knahl, die 2. Vorsitzende der Stadtkapelle. "Nachdem das gemeinsame Musizieren nicht mehr möglich war, habe ich bei den Kindern und deren Eltern nachgefragt, ob sie Interesse an regelmäßigen Übungsaufgaben haben", sagt Knahl. Schnell erhielt sie positive Rückmeldungen und so wurden noch vor den Osterferien die ersten Aufgaben online gestellt.

"Schwierig war es, für alle Altersklassen etwas Passendes zu finden", gesteht Knahl. Daher hat sie die Übungen aufgeteilt nach den Vorkenntnissen auf die Bongo-Kids, die Flöten-Kids und das Vororchester. Während sich die einen im Noten-Memory versuchten, komponierten die anderen erste kleine Melodien. Zudem fertigte Knahl auch kreative Videos mit Tipps und Übungen für die Kinder an. So konnten sie zu Hause ihre Fingerfertigkeit trainieren oder mit einem Becher Rhythmusübungen absolvieren. "Unser Ziel ist es, dass die Jugend aktiv und bei der Musik bleibt", sagt Knahl. Um weitere Kinder für die Musik begeistern zu können, hat sie in kleinen Videos zudem die einzelnen Blasinstrumente vorgestellt.

Eva Knahl, 2. Vorsitzende der Stadtkapelle Mellrichstadt.
Eva Knahl, 2. Vorsitzende der Stadtkapelle Mellrichstadt. Foto: Matthias Kihn

Sorge, dass die Musiker mit der Zeit die Motivation verlieren

Knahl selbst freut sich unterdessen darauf, wenn sie wieder mit den anderen Mitgliedern der Stadtkapelle zusammen musizieren kann. "Nach so langer Zeit merkt man erst einmal, wie sehr einem die Musik doch fehlt." Ähnlich ergeht es auch Sandra Schubert, der Vorsitzenden der Oberstreuer Musikkapelle. Die Oberstreuer Musiker nehmen zwar wie die meisten Musikvereine im Landkreis jeden Sonntag an der Aktion "Musik aus dem Fenster" teil, das gemeinsame Musizieren in der Kapelle könne dies aber nicht ersetzen. "Vor allem jetzt im Frühjahr und im Sommer hätten wir Musikvereine viele Auftritte gehabt. Ich hoffe, dass durch die aktuelle Zwangspause die Motivation bei einigen Musikern nicht verloren geht."

Sandra Schubert, Vorsitzende der Musikkapelle Oberstreu.
Sandra Schubert, Vorsitzende der Musikkapelle Oberstreu. Foto: Sabine Pagel

Sobald es wieder möglich ist, wollen auch die Oberstreuer Musiker mit dem Probebetrieb beginnen. Wahrscheinlich auch in Kleingruppen und im Freien, "denn das Hygienekonzept mit dem vorgeschriebenen Abstand von drei Metern zwischen den Musikern ist in den Proberäumen auf keinen Fall einzuhalten." Dann könnten auch die neu dazugekommenen Kinder des Nachwuchsorchesters erstmals zusammen musizieren.

Musikverein Hendungen muss zwei Veranstaltungen absagen

Finanziell haben viele Musikvereine aktuell noch keine all zu großen Nöte. Zwar fehlen ihnen die Einnahmen von den Frühjahrs-Auftritten und auch die laufenden Kosten fallen weiterhin an, doch dieser Schaden halte sich noch in Grenzen. Etwas härter getroffen hat es allerdings den Musikverein Hendungen. Nachdem die Hendunger bereits im März ihr Starkbierfest kurzfristig absagen mussten, haben sie nun auch das für den 18. Juli geplante Kreismusikfest gecancelt.

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