Unsleben

Es gibt kein Recht auf Erhaltung des Ist-Zustands

Ein umfangreiches Pensum bewältigte der Gemeinderat von Unsleben in einer Sitzung, die auch recht unerfreuliche Aspekte zutage treten ließ.

Anlass war die 16. Änderung des Bebauungsplans „Am Grabigen-Weg“ im Bereich von zwei Flurnummern, zu der Stellungnahmen eingegangen waren. Von den Trägern öffentlicher Belange machte lediglich das Überlandwerk darauf aufmerksam, dass die Anschlusskosten höher ausfallen werden, da die bisherige Planung von Zweifamilienhäusern und nicht von dreigeschossigem Mehrfamilien-Wohnraum ausgegangen war.

Kritik der Anlieger

VG-Geschäftsstellenleiter Josef Krause trug die Einwände von mehreren Anliegern gegen die Veränderung der Baugrenzen und der Geschosshöhe vor, die allerdings nicht aus der unmittelbaren Nachbarschaft, sondern aus einiger Entfernung kamen. Das Vorhaben, für das die Änderung vorgenommen werde und nur dem Wohl eines Einzigen diene, passe nicht in die Wohngegend, mindere die Lebensqualität der anderen, bringe mehr Verkehr und werfe unzumutbaren Schatten.

Krause argumentierte, dass überall die vorgeschriebenen Abstandsflächen eingehalten würden und niemand etwas zu befürchten habe. Mit der Erhöhung der Geschosszahl gehe die Gemeinde sparsam mit den Flächenressourcen um. Zu bedenken sei, dass auch für die Beschwerdeführer seinerzeit Bebauungsplanänderungen vorgenommen wurden und es kein Recht auf die Erhaltung des Ist-Zustands gebe.

Aggressive Grundstimmung

Entschieden verwahrte sich Bürgermeister Michael Gottwald gegen den Vorwurf des Betrugs, der von Anlieger-Seite gegen den Gemeinderat erhoben wurde, außerdem bedauerte er die Aggressivität, die es in dieser Form noch nicht gegeben habe. Da alle Einwände rechtlich entkräftet werden konnten, beschloss der Gemeinderat die Änderung des Bebauungsplans und die entsprechende Satzung.

Beteiligung an Gedenkstätte

Da die Deportation jüdischer Mitbürger auch Teil der Unslebener Geschichte ist, wird die Gemeinde eingebunden in die Gedenkstätte „DenkOrt Aumühle“, die in Würzburg entsteht. Ein künstlerisch gestalteter Koffer, Rucksack oder eine Schlafmatte symbolisieren in der Aumühle den Abtransport Richtung Polen, ein zweites Exemplar soll für die Heimatgemeinde entstehen. Paul Diestel, Student der Bildenden Kunst, stellte dem Gemeinderat seinen Entwurf eines Koffers vor, der aus Cortenstahl gefertigt und mit Schmiede-Elementen versehen werden soll.

Um die Verlassenheit, die Abwesenheit von Menschen und die letzte Habe zu symbolisieren, entfernte Diestel die Seitenteile des Koffers und gestaltete ihn transparent nur mit Gürteln und Schnallen. Da das dem Würzburger Konzept ein wenig entgegensteht, soll hier eine Geschlossenheit erreicht werden, indem der Koffer mit einem Muschelkalk- oder Sandstein gefüllt wird. Für Unsleben möchte Paul Diestel bei der Transparenz bleiben. Wo der Koffer seinen Standort erhalten soll, vielleicht am Straßenrand, muss noch entschieden werden. Nachdem der Entwurf Gefallen fand, erteilte das Gremium Diestel den Auftrag, zum Preis von 2700 Euro die beiden Koffer auszuarbeiten.

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