Bad Neustadt

Furnierwerk Rothhaupt in Stockheim: Ein Opfer des Wettbewerbs

Kurt Schallenkammer war 30 Jahre bei der Firma Rothhaupt tätig, ehe das Unternehmen 1981 Konkurs anmeldete und die Betriebsgebäude dem Verfall preisgegeben waren.
Kurt Schallenkammer war 30 Jahre bei der Firma Rothhaupt tätig, ehe das Unternehmen 1981 Konkurs anmeldete und die Betriebsgebäude dem Verfall preisgegeben waren. Foto: Eckhard Heise

Die letzte Aufgabe unserer Sommerserie "Vergessene und verlassene Orte" war am vergangenen Freitag zu knacken gewesen. Zur Auffrischung: Zu sehen war die historische Aufnahme eines größeren Werksgeländes. Mit einem kleinen Hinweis auf die ungefähre Lage müsste das Rätsel zu lösen gewesen sein. Tatsächlich kamen wieder sehr viele Leser darauf, dass es sich um das ehemalige Furnierwerk Rothhaupt in Stockheim handelt.

Natürlich bieten die Gebäude in der Gegenwart ein völlig anderes Bild. Verfallen sind die ehemaligen Produktionshallen und wirken wie ein Schandfleck für die Gemeinde Stockheim. Dabei war der Furnierhersteller einst ein florierendes Unternehmen, schildert Kurt Schallenkammer, ehemaliger Mitarbeiter und zuletzt Prokurist der Firma.

Furnierwerk wurde 1878 gegründet

1878 legte Hermann Rothhaupt mit dem Kauf einer Mühle den Grundstock für das Unternehmen. Dank des vorhandenen Gleisanschlusses bestanden optimale Absatzwege für das expandierende Dampfsägewerk. 1913 traten Oskar und Erich Heilmann in das Unternehmen ein, die nach dem Tod des Gründers das Werk übernahmen.

Mit hohem Verantwortungsbewusstsein und wirtschaftlichen Gespür baute Erich Heilmann nach dem 2. Weltkrieg den Betrieb in ein florierendes Furnierwerk mit bis zu 150 Mitarbeitern um, das zu den führenden Produzenten in Deutschland wurde. Etwa zwei Drittel der verkauften Ware blieb in Deutschland der Rest wurde ins angrenzende Ausland exportiert.

Konkurrenzdruck machte dem Unternehmen zu schaffen

Spezialität war Eichenfurnier, das aus Stämmen vor allem aus dem Spessart und der Pfalz geschnitten wurde. "Die Menge an Eiche, die in der Umgebung zur Verfügung stand, hätte nicht ausgereicht, um den Bedarf zu decken", erklärt Schallenkammer.

Doch wachsender Konkurrenzdruck setzte dem Unternehmen gewaltig zu. Die Einkaufspreise stiegen gewaltig an und konnten durch den Verkauf nicht mehr aufgefangen werden. Der aufkommende Kunststoff ließ in den 1970er-Jahren zusätzlich den Umsatz einbrechen. Zunächst musste ein Teil der Belegschaft entlassen werden, ehe schließlich 1981 die Eigentümer Konkurs anmeldeten, bei dem auch Schallenkammer seinen Arbeitsplatz verlor.

Ein Großteil der Immobilien ging an einen Investor, der das Gelände offensichtlich als Spekulationsobjekt betrachtete und die Gebäude verfallen ließ, bedauert der ehemalige Mitarbeiter. Vor kurzem sei es der Gemeinde nun gelungen, die Industriebrache zu erwerben, die am stärksten dem Verfall preisgegeben war, um daraus ein attraktives Freizeitgelände zu machen.

Die Mühle auf dem historischen Foto fiel in den 1920er-Jahren einem Brand zum Opfer, wurde aber wieder aufgebaut und vor ein paar Jahren von einer jungen Familie aufgekauft.
Die Mühle auf dem historischen Foto fiel in den 1920er-Jahren einem Brand zum Opfer, wurde aber wieder aufgebaut und vor ein paar Jahren von einer jungen Familie aufgekauft. Foto: Eckhard Heise

Bei unserer nächsten Aufgabe gibt es gewisse Parallelen, was den Niedergang eines Betriebs angeht. Diesmal handelt es sich allerdings um eine Mühle. Das historische Foto aus einer Ortschronik entstand während des Wiederaufbaus in den 1920er-Jahren, nachdem die Gebäude einem Feuer zum Opfer gefallen sind. Noch ein Tipp: Die inzwischen längst stillgelegte Mühle liegt im Grabfeld und wurde von einem häufig besungenen Gewässer gespeist.

In unserer Sommerserie präsentieren wir vergessene oder verlassene Plätze oder Stätten im Landkreis und fragen, wo sie sich befinden. Antworten bitte per E-Mail an redaktion.rhoen-grabfeld@mainpost.de (Einsendeschluss ist Montag, 3. August, 23.30 Uhr) oder als Postkarte an Main-Post, Industriestraße 8, 97616 Bad Neustadt (Einsendeschluss: Montag, 3. August). Unter allen Teilnehmern verlosen wir am Ende der Sommerserie NES-Euro-Gutscheine. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung des Preises nicht möglich.

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