Hohenroth

Gastkommentar: Was Kulturtreibenden in der Krise wirklich fehlt

Thomas Eckert, Musiklehrer und ehemaliger Leiter der Kulturagentur in Rhön-Grabfeld, hat einen speziellen Blick auf die momentane Krise. Lesen Sie, welchen.
Thomas Eckert war zwischenzeitlich Leiter der Kulturagentur Rhön-Grabfeld. 
Thomas Eckert war zwischenzeitlich Leiter der Kulturagentur Rhön-Grabfeld.  Foto: Fred Rautenberg

Bestimmt erging es in den vergangenen Coronawochen vielen Menschen so, dass sie beinahe täglich Zeit übrighatten und sich fragten, wie das zustande kam. Einsteins Relativitätstheorie hilft genauso wenig wie die Annahme, man würde sein Tagespensum besser organisieren und so die Alltagsaufgaben schneller erledigen. Allmählich aber wird es klar, dass es an der morgendlichen Zeitungslektüre liegt, die die Zeiteinsparung mit sich bringt.

Pandemie und die Wissenschaft muss man auch verstehen können

Schon wenn man die neueste Ausgabe aus dem Postkasten holt, spürt man an der Dicke der Zeitung, dass offenbar weniger gewichtige Nachrichten zu vermelden sind. Gut, die neuesten Pandemiemeldungen, Wirtschaftsnachrichten und die weisen Aussagen der Wissenschaftler und Politiker brauchen seine Zeit, bis man alles gelesen und verstanden hat.

Der Sportteil ist so mager, weil die Partie Stockheim I/Bastheim II/Ostheim II/Willmars I gegen Oberelsbach II/Ober-Unterwaldbehrungen II oder das Topduell der Bayern weder stattfinden noch für erhellende Vorberichte sowie tragische Nachbetrachtungen taugen. Über die alten Skandale hat man sich schon zu früheren Zeiten ausgiebig aufgeregt.

Stadtratsnamen auswendig lernen als Zeitvertreib

Dramatisch wird es aber, wenn man den Lokalteil studiert. Gut, man kann die Namen der neuen Stadt-und Gemeinderäte auswendig lernen und den Bildern zuordnen, die hervorragenden Landschaftsbilder ausschneiden und im Sommer, wenn wir wieder dürfen, erwandern.

Was aber wirklich fehlt, sind Berichte über unser Zusammenleben, Traditionen und Kultur. Jetzt merkt man, dass die Maibaumaufstellung nicht nur das Hinstellen des Baumes ist. Es ist ein erstes Treffen von Freunden und Bekannten unter freiem Himmel mit guter Unterhaltung und Musik in den Dörfern und Städten. Kein Osterkonzert, auf das sich Sänger und Musikanten gewissenhaft vorbereitet haben und die Zuhörer erfreuen. Es fehlen die Berichte über Gastspiele von Künstlern in der Stadthalle, in Wechterswinkel und all den anderen Orten, in denen Kunst und Kultur und Unterhaltung stattfindet. Kein Frühlingsmarkt für junge Pflanzen und neue Gestaltungsideen, kein Jubiläumsfest der örtlichen Vereine, kein Hockese und Kurkonzert.

Es fehlt das gesellige Zusammenleben

So wird klar, was da fehlt. Geselliges Zusammenleben, Gutes für Geist und Seele, Inspiration durch Kunst und Kultur sind tatsächlich - Zitat Bundespräsident Walter Steinmeier - "so wichtig wie Lebensmittel". Es ist gut, dass die Bevölkerung bislang diese Reduktion der Kultur so geduldig hingenommen hat. Das wird auch noch eine Zeit dauern, bis wir wieder zur Normalität zurückkommen. Ein kleiner Lichtblick ist ja schon zu sehen.

Nehmen wir uns also die Zeit und freuen uns schon jetzt auf die vielen kulturellen Veranstaltungen, die wir dann wieder besuchen und mit unserem Besuch die Kulturtreibenden unterstützen können. Momentan ist noch Kulturfasten angesagt. Dass unser soziales Zusammenleben noch funktioniert, konnte man am Montag im Mellrichstädter Lokalteil der Main-Post lesen: Die verlustig gegangene Mistgabel wurde gefunden und kann abgeholt werden!

Bx (Bleibt xund)!

Thomas Eckert
Musiklehrer und Kulturtreibender

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Hohenroth
  • Berichte
  • Bäume
  • Kloster Wechterswinkel
  • Krisen
  • Kurkonzerte
  • Musiklehrer
  • Skandale und Affären
  • Städte
  • Tragik
  • Wirtschaftsnachrichten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!