Bad Neustadt

Gibt es Gluthitze an den Hundstagen?

Schon bald wird der Mähdrescher kommen.
Schon bald wird der Mähdrescher kommen. Foto: Bernd Heim

Der kalendarische Sommerbeginn am 20. Juni präsentierte sich ja nicht allzu sommerlich mit viel Gewölk. Und bekanntlich werden ja seitdem ganz allmählich nicht bloß wieder die Nächte länger bzw. die Tage kürzer. Hoch "Utz" brachte sonnige Sommertage, dann Tief "Sylvia" schwül-warmes Wetter. Viele Menschen fragen sich nun, wie das Wetter im Juli wird.

Im römischen Kalender wurde dieser Monat nach dem Feldherrn und Staatsmann Gajus Julius Cäsar benannt. Unsere Vorfahren nannten diesen zusammen mit dem August gewöhnlich wärmsten Jahresmonat "Heumond", vor allem wegen der Heumahd und der Ernte der ersten Feldfrüchte. Die mittelalterlichen Kalendermacher ließen die Beobachtungen von Bauern, Schäfern, Förstern und Schiffsleuten, die durch ihre Berufsarbeit besonders vom Wetter abhängig waren und das ja heute noch immer sind, nach damaliger Sitte recht einprägsam in Versform in ihre Kalendarien einfließen. Als sogenannte Bauernregeln spiegeln diese Jahrhunderte alte Witterungs- und Naturerfahrungen wider.

In unserer Gegenwart aber müssen die Wirkungen des sich gegenwärtig vollziehenden Klimawandels mit all seinen  Wetterkapriolen und -extremen berücksichtigt werden, die es nach Meinung der Klimaforscher statistisch ja viel häufiger geben wird. Gerade das Juliwetter war immens wichtig für die Ernte. Und so lauten gängige Wettersprüche: "Juli heiß lohnt Müh' und Schweiß",  "Was Juli und August nicht kochen, kann der September nicht braten", "Juli - Sonnenbrand, gut für Leut' und Land" sowie "So selten wie ein Kopf ohne Nagel, so selten ein Juli ohne Hagel", sprich eine hohe Gewitterhäufigkeit.

Viele Rosen, scharfes Wintertosen

Des Weiteren soll sich nach den jahrhundertealten Bauernregeln vom Juliwetter auch auf die Witterung im kommenden Herbst und Winter schließen lassen. Nicht von ungefähr sagten daher die Altvorderen:  "Wenn großblumig im Juli wir Disteln erblicken, will Gott gar guten Herbst uns schicken", bzw. "Bringt uns der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut" und "Juli schön und klar, gibt ein gutes Jahr", jedoch "Viele Rosen - scharfes Wintertosen" und  "Macht der Juli uns heiß, bringt der Winter viel Eis".

Besonders beliebt waren einst die Lostagsregeln. Diese bezogen sich auf bestimmte Namenstage von katholischen Kirchenheiligen, an denen das Los, also das künftige Wetterschicksal, angeblich bestimmt würde. Als die bedeutendsten Lostage im Juli gelten der Tag "Mariae Heimsuchung" (2. Juli) und der "Jakobitag" (25. Juli). Die alte Bauernregel für den 2. Juli lautet: "Mariä Heimsuch' wird's bestellt, wie's Wetter sich 40 Tage hält." Für den 3. Juli, den Tag des Heiligen Thomas, soll gelten: „Thomastag heiß lohnt Müh' und Schweiß". Der  8. Juli ist der Tag des Heiligen Kilian, des Frankenapostels und Schutzpatron der Tüncher und Weißbinder (Böttcher), und der zeigt auch den Beginn der Getreideernte an, denn: "Kilian, der heilige Mann, stellt die ersten Schnitter an", bzw. "Bald nach dem Tag des Kilian, schneidet das Korn dann jedermann".

Die Ameisen und ihre Haufen

Die alte Wetterregel für den Tag der Heiligen Margarete (20. Juli), Patronin der Feldfrüchte, lautet: "Bringt Margarete Regen statt Sonnenschein, so kommt das Korn schlecht herein."  Und für den 23. Juli soll gelten: "Klar muss Apollinaris (der Tag  wurde nach dem katholischen Kirchenheiligen Apollinaris von Ravenna benannt) sein, soll sich der Bauer freu'n." Am 25. Juni, Tag des Heiligen Jakobus sowie dem 26. Juli, dem Tag der Heiligen Anna, begann im Mittelalter die Haupterntezeit und es galt: "Sankt Jakob und Sankt Anna nehmen hinweg alle Not, bringen Kartoffeln und frisch' Brot" sowie "Ist Sankt Anna klar und rein, wird bald das Korn geborgen sein". Auch prognostizierte man: "Jakobi hell und warm, macht im Winter den Ofen arm", "Ist's heiß am Jakobitag, bringt der Winter große Plag'" und  "Jakobi klar und rein, wird's Christfest kalt und frostig sein". Des Weiteren war gängiger Erfahrungswert:  "Baut im Juli die Ameis' groß den Hauf', folgt ein strenger Winter drauf."

Am Monatsende beginnen  die so genannten "Hundstage", die vom 23 Juli bis zum 23. August dauern. Während dieses Zeitraums geht der hellste Stern im Sternbild Großer Hund, Sirius, mit der Sonne auf und unter. Und diese Wochen bringen in ganz Mitteleuropa meist das heißeste Wetter des Jahres: "Hundstage hell und klar, zeigen an ein gutes Jahr, doch wenn Regen sie bereiten, kommen nicht die besten Zeiten." Des Weiteren gibt es diesen Wetterspruch: "Trübe Aussicht an den Hundstagen,trübe Aussicht das restliche Jahr."

Der Hundertjährige Kalender

Schenkt man den Aussagen des Hundertjährigen Kalenders Glauben, soll es ja vom 1. bis 5. Juli unbeständiges Wetter mit Regen geben, vom 6. bis 13. Juli vorwiegend sonnenscheinreich, windig und trocken sein sowie ab da bis zum Monatsende schwül-warme und sonnige  Witterung vorherrschen. Schauen wir doch einmal, welche Trefferquote die alten Wetterprognosen haben werden. Am Monatsende werden wir ja wieder schlauer sein.

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