Sulzfeld

Glücksbringer in Schwarz im Prüfungsstress

Kaminkehrer-Azubi Steven Ludwig beim Prüfen der Heizungsanlage in der Sulzfelder Turn- und Festhalle. Seine Berufswahl hat er bis heute nicht bereut. „Ich lerne jeden Tag neue Leute kennen und trage Verantwortung“, so der 19-jährige angehende Kaminkehrergeselle aus Lohr.
Foto: Alfred Kordwig | Kaminkehrer-Azubi Steven Ludwig beim Prüfen der Heizungsanlage in der Sulzfelder Turn- und Festhalle. Seine Berufswahl hat er bis heute nicht bereut.

Ausgerechnet in der heißesten Woche des Jahres mussten die 17 Kaminkehrerlehrlinge nach ihrer dreijährigen Ausbildung ran: In Sulzfeld im Grabfeld absolvierten sie nach dreijähriger Ausbildung den praktischen Teil ihrer Gesellenprüfung.

Dass die Prüfung für die 17 jungen Leute, darunter zwei Frauen, nicht vollends zur Qual geriet, dafür war von der Prüfungsleitung vorgesorgt worden: Auf die Dächer mussten die angehenden Kaminkehrergesellen aus Sicherheitsgründen nicht steigen, um bei schweißtreibenden Temperaturen von dort aus mit ihren Kehrbesen die Kamine zu reinigen.

Mit Kaminreinigung nicht getan

Große Teile der Prüfung fanden deshalb auch nicht unter freiem Himmel statt, sondern in mehreren ausgesuchten Heizungskellern der Grabfeldgemeinde. Denn zu den Hauptaufgaben eines Schornsteinfegers gehört schon lange nicht mehr nur das Reinigen und Kehren von Schornsteinen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt heute vielmehr auf der regelmäßigen Kontrolle von Feuerstätten aller Art, angefangen bei Öl- und Gas-Heizungen über Pelletanlagen bis hin zu Kaminöfen. In jüngerer Zeit dazugekommen ist neben der Überprüfung von Rauchmeldeanlagen auch die energietechnische Bewertung eines Gebäudes samt Ausstellung eines Energieausweises, wofür allerdings die Meisterprüfung Voraussetzung ist.

Vielfältige Aufgaben

„Die Aufgaben eines Kaminkehrers sind heute deutlich vielfältiger als in früheren Jahren“, weiß Harald Schuldes. Der ortsansässige Kaminkehrermeister mit eigenem Kehrbezirk war Leiter der Gesellenprüfung in Sulzfeld, bei der jeweils drei Azubis einen ganzen Tag lang ihre erworbenen Fertigkeiten unter Beweis stellen mussten. Einer von ihnen war Steven Ludwig aus Lohr am Main. Der 19-jährige Auszubildende hatte die Aufgabe, unter den strengen Augen von Schuldes und den Prüfern Andreas Reder und Marco Reusch die komplexe Heizungsanlage der Sulzfelder Turn- und Festhalle zu kontrollieren. Dass er sich vor drei Jahren für den Beruf des Kaminkehrers entschied, hat er bis heute nicht bereut. „Die Arbeit macht mir viel Freude“, sagt der angehende Kaminkehrergeselle, der an seinem Job besonders die vielen Kundenkontakte, die ständige Bewegung und auch die Verantwortung, die er zu tragen hat, schätzt.

Gute Berufsaussichten

Auch die Berufsaussichten sind gut. Wer einmal den Gesellenbrief in der Tasche hat, wird gute Chancen haben, nach der Meisterprüfung einen eigenen Kehrbezirk zu bekommen. Kaminkehrermeister Harald Schuldes kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Allerdings bestehen nicht alle auf Anhieb die anspruchsvolle Gesellenprüfung. „Die Durchfallquote liegt bei fünf bis 15 Prozent“, so der Sulzfelder Kaminkehrermeister, der auch bei den weiteren Prüfungsteilen in der kommenden Woche als Leiter mit von der Partie sein wird: bei der schriftlichen Prüfung in Rottendorf diese Woche und den abschließenden Fachgesprächen.

Als Glücksboten unterwegs

Nach bestandener Prüfung werden die frisch gebackenen Kaminkehrergesellen nicht nur als Kontrolleure von Heizungen und Schornsteinen unterwegs sein. Seit jeher gelten sie auch als Glücksboten und sind deshalb hin und wieder auch in dieser Mission unterwegs, zum Beispiel am Neujahrstag. Warum das so ist? Harald Schuldes hat eine Vermutung: „Im Mittelalter fingen Häuser viel leichter Feuer als das heute der Fall ist. Durch seine Arbeit schützte der Schornsteinfeger das Heim und galt somit als Glücksbringer.“

Die Drei von der Prüfstelle: Gesellenvertreter Andreas Reder aus Zellingen (von links), Bezirkskaminkehrermeister Marco Reusch aus Wasserlosen und der Bezirkskaminkehrermeister und Prüfungsvorsitzende Harald Schuldes aus Sulzfeld gehörten zum vielköpfigen Prüferteam, das in der vergangenen Woche die praktischen Kenntnisse der 17 Kaminkehrerlehrlinge auf Herz und Nieren prüfte.
Foto: Alfred Kordwig | Die Drei von der Prüfstelle: Gesellenvertreter Andreas Reder aus Zellingen (von links), Bezirkskaminkehrermeister Marco Reusch aus Wasserlosen und der Bezirkskaminkehrermeister und Prüfungsvorsitzende Harald Schuldes ...
Auch Frauen unter den wollen Kaminkehrer werden: Magdalena Rummey aus Altenmünster bei Stadtlauringen ist eine von zwei weiblichen Lehrlingen, die in Sulzfeld ihre praktische Gesellenprüfung ablegten. Mit im Bild Kaminkehrerlehrling Sven Müller aus Kleinostheim.
Foto: Alfred Kordwig | Auch Frauen unter den wollen Kaminkehrer werden: Magdalena Rummey aus Altenmünster bei Stadtlauringen ist eine von zwei weiblichen Lehrlingen, die in Sulzfeld ihre praktische Gesellenprüfung ablegten.
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