Unsleben

Gosbert Kergaßner: Der Unslebener "Brückenbauer" feiert 90. Geburtstag

Häufig sieht man Gosbert Kergaßner mit dem Fahrrad seine Runden drehen. Am Mittwoch, 18. November, wird er 90 Jahre alt.
Foto: Johann Böhm | Häufig sieht man Gosbert Kergaßner mit dem Fahrrad seine Runden drehen. Am Mittwoch, 18. November, wird er 90 Jahre alt.

Er will es nicht und er braucht es nicht: Aber am heutigen Mittwoch, 18. November, rückt Gosbert Kergaßner in den Mittelpunkt. Dieser Mann von besonderem Format wird 90 Jahre alt. Er ist mit den Jahren bedächtiger geworden; doch nach wie vor ist er aktiv, ist interessiert und geht mit offenen Sinnen durch die Welt.

Am Geschehen "seines Dorfes" nimmt er - nicht unkritisch, aber wohlwollend - Anteil. Auf seinem Fahrrad sieht man ihn nach wie vor seine "Kontrollfahrten" durchs Dorf machen. Behutsam steuert er seinen Pkw, wenn er in der Kreisstadt oder sonstwo in der Umgebung zu tun hat. Bei seinen Rundgängen und -fahrten durch Unsleben begegnet ihm viel, das unter seiner Obhut als Bürgermeister in der Zeit von 1972 bis 1990 entstanden ist.

Die Hochwasserfreilegung als Jahrhundertwerk

Er schuf in der Ortsdurchfahrt freien Raum dadurch, dass er ein Anwesen beseitigen ließ, das in den Straßenbereich hineinreichte, den Verkehr behinderte und die Sicht auf das Kirchenensemble versperrte. Zusätzlich sorgte er für die Erneuerung der Gehsteige. Er, der in eigenen Angelegenheiten stets auf Ordnung bedacht ist, wollte eine ordentliche Ortsdurchfahrt. Die Elsbrücke, die den Durchlass größerer Hochwässer nicht bewältigte, wurde neu gebaut und mit einer Christopherus-Statue versehen.

Kergaßner wurde geradezu ein "Brückenbauer": er veranlasste den Neubau der Brücken über den Mühlgraben und die Streu und er sorgte für den Neubau der Brücke über die Bahnlinie. Im Umfeld der Kirche wurden die Gaden restauriert, die viel aus der Geschichte des Dorfes erzählen könnten. Ein neues Pfarrhaus wurde gebaut. Mit dem Umbau der Dorfscheuer rettete er ein denkmalgeschütztes Gebäude und schuf Begegnungsräume. Der ganz große Wurf war sicher die Hochwasserfreilegung. Die befreite den Ort von den immer wieder kehrenden Überflutungen durch Streu und Els. Sie war geradezu ein Jahrhundertwerk.

Viel investiert und keine Pfennig Schulden gemacht

Nicht nur das Gesicht Unslebens wurde neu gestaltet. Auch das Innenleben, die sogenannte Innenstruktur, wurde wesentlich verbessert. Die Kanalisation wurde auf Vordermann gebracht. Durch Anschluss an die Mellrichstädter Gruppe wurden die Engpässe, die durch Wassermangel und schlechte Wasserqualität entstanden waren, beseitigt. Das Freizeitangebot fand eine große Bereicherung dadurch, dass die alte Lehmgrube in eine Erholungsanlage umgestaltet wurde.

Der Öffnung des Ortes nach außen dienten der Ausbau der Staatsstraße Richtung Wechterswinkel und der verstärkte Ausbau des Flurweges nach Wollbach. Kergaßner holte eine überörtliche Einrichtung, die Förderschule der Lebenshilfe, nach Unsleben. In den 18 Jahren seines Bürgermeisteramtes tätigte er Investitionen von 12,83 Millionen DM. Trotz dieser Ausgabenfülle - die durch geschickt herausgehandelte Zuschüsse abgefedert wurde - machte er keinen Pfennig neue Schulden. Er hinterließ der Gemeinde einen positiven Kassenstand von über 800 000 DM.

Tod seiner Frau riss ein tiefes Loch in die Familie

Die Gemeinde dankte ihm später für alles mit der Ehrenbürgerwürde. "Drei Perioden - das reicht", sagte sich Gosbert Kergaßner und gab die Bahn frei für einen Nachfolger. Ihn trieb die Lust an der Ausübung eines Amtes, er legte sich Selbstbeschränkung auf. Darin zeigte sich große Souveränität. Und er wusste, dass es nicht nur eine Gemeinde gab, der man Verantwortung schuldet, sondern dass der Mensch in eine Familie hineingeboren ist.

Wie wichtig Familie ist, hat er nicht zuletzt durch einen Verlust erlebt - mitten in seiner Amtszeit starb überraschend seine Frau und riss ein tiefes Loch in das Familienleben. Er spürte, wie der Tod der Mutter auch bei seinen vier Kindern nachhaltige Spuren hinterließ. Das versuchte er auszugleichen. Er sorgte für Zusammenhalt und gegenseitige Stärkung. Diese vermittelte Kraft führte zu einer guten Weiterentwicklung.

Fest zum Geburtstag nur im engen Familienkreis

Neben seinen vier Kindern und Schwiegerkindern hat er neun Enkel und vier Urenkel. Er kennt sie alle gut. Jedes Jahr, mindestens einmal, lädt er alle zu einem Treffen ein. Dieses "Fest" genießen nicht nur die Nachkommen, sondern vor allem der Familienälteste, der Opa Gosbert Kergaßner, der seit Jahren wieder eine treue Partnerin an seiner Seite hat.

"Dein Geburtstag gehört Dir", sagen seine Kinder, "wir wollen ihn mit Dir teilen". In der Krise der Corona-Zeit ist diese Beschränkung auf den engen Familienkreis richtig. Der Jubilar wird deshalb an seinem Ehrentag zu Hause nur bis gegen elf Uhr vormittags telefonisch erreichbar sein.

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