Trappstadt

Hanf statt Mais für die Biogasanlage

Feinkörniges Saatgut: Die von Kornelia Marzini in Veitshöchheim zusammengestellte 'Hanfmischung', hier gezeigt von Michaela Stäblein, musste einen Zulassungsprozess durchlaufen.
Foto: Regina Vossenkaul | Feinkörniges Saatgut: Die von Kornelia Marzini in Veitshöchheim zusammengestellte "Hanfmischung", hier gezeigt von Michaela Stäblein, musste einen Zulassungsprozess durchlaufen.

Ein vielversprechendes Pilotprojekt startete am Dienstag auf einem an den Weißbach in Trappstadt angrenzenden Acker.

Eine neu entwickelte Pflanzenmischung wurde ausgesät und alle Beteiligten warten gespannt darauf, ob das Ergebnis den Erwartungen entspricht. Die von Kornelia Marzini von der Landesanstalt für Wein und Gartenpflege Veitshöchheim, Abteilung Landespflege, konzipierte „Hanfmischung“ soll anstelle von Mais die Biomasse für die Biogasanlagen liefern, den Boden vor Erosion schützen und eine abwechslungsreiche Bienenweide darstellen.

Der Hanf und die Bürokratie

Wie BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel vor Ort informierte, hat es Verzögerungen gegeben, weil die Saatgutmischung zunächst die bürokratischen Hürden nehmen musste. Er versicherte außerdem, dass die in der Mischung enthaltenen Hanfpflanzen keinerlei THC enthalten, also keine Rauschgiftwirkung haben, sonst hätte man keine Zulassung bekommen.

Jetzt ist alles genehmigt und die Aussaat konnte beginnen. Die Federführung und Finanzierung des Saatguts hat die „Bioenergie Bad Königshofen GmbH & Co. KG“ übernommen, Betreiber der dortigen Biogasanlage, an der 37 Landwirte beteiligt sind.

Bodenerosion verhindern

Einer davon ist Klaus Gerstner, auf dessen Grund die erste Aussaat vorgenommen wurde. Er stellt dafür einen 1,5 Hektar großen Acker zur Verfügung, der bei Starkregen erosionsgefährdet ist. Der Boden soll nicht in den Weißbach abgeschwemmt werden, außerdem ist das Projekt ein Beitrag zu mehr Biodiversität (Artenvielfalt) und zum Schutz des Grundwassers, wie die Landwirte und Felix Schmidl, Projektleiter der Initiative „boden:ständig“ bestätigten.

Die Pflanzenmischung braucht zwar etwas Dünger im Frühjahr in Form von Gärsubstrat aus der Biogasanlage, der weitere Pflanzenschutz mit Spritzmitteln entfällt. Allerdings ist die Methanausbeute geringer (50 bis 60 Prozent im Vergleich zum Mais), deshalb brauche man für den gleichen Ertrag eine größere Fläche.

Auch gut für die Bienen

„Das nehmen wir in Kauf“, sagten die Landwirte, denn die Vorteile liegen auf der Hand. Dazu zählt auch die Nahrung für die Bienen, die normalerweise nach dem Verblühen des Rapses in einer artenarmen Flur teilweise sogar gefüttert werden müssen, bis die Sommerblüher endlich soweit sind.

Die Pflanzenmischung schließt diese Lücke, hat Kornelia Marzini in mehreren Vorträgen berichtet. Sie ist gespannt, wie sich die erste großflächige Aussaat ihrer Hanfmischung bewährt und wird mehrmals die Entwicklung dokumentieren.

Fünf Jahre oder länger bleibt die Fläche nach einmaliger Aussaat bewachsen, solange muss der Bauer nur düngen und ernten. Auf kleinen Probeflächen wurden 2014 im ersten Jahr 130 dt/ha Biomasse geerntet, im trockenen Jahr 2015 (2. Jahr nach Aussaat) waren es 56 dt/ha, im dritten Jahr 87 dt/ ha.

Zum Verfüttern ist die Mischung allerdings wegen des enthaltenen Rainfarns nicht geeignet. „Als Imker freue ich mich auf die Blütenvielfalt“, sagte Arnold Russwurm, der sich gemeinsam mit seinem Sohn Josef Russwurm schon einen Standort für die Bienenkästen ausgesucht hat.

Ideal für die Bienen

Im Schilf am Weißbach sind die Bienen dann ganz nah an der Blütenvielfalt und haben ausreichend fließendes Wasser zum Trinken. „Den Bienen fehlen diese großen, zusammenhängenden Flächen mit einer Blütenvielfalt, die sich in der Qualität des Honigs widerspiegeln wird“, sagte der Imker.

Wildbienen und andere Insekten profitieren ebenfalls und locken die Fledermäuse und Vögel wie Feldlärche, Grauammer und Schafstelze an. Es entsteht außerdem eine Deckfläche für Wild (Fasan, Rebhuhn, Hase), auch im Winter.

Zehn Kilo Saatgut pro Hektar

Der Schlepper, den Johannes Gerstner bediente, war für besonders feines Saatgut eingestellt, der Samen wurde nur einmal gewalzt, weil Lichtkeimer enthalten sind.

Gebraucht werden zehn Kilo Saatgut pro Hektar, die Kosten dafür liegen bei 400 Euro je Hektar. Noch kostspieliger ist die Aussaat der „durchwachsenen Silphie“, die im Wasserschutzgebiet Großeibstadt ausgebracht wird und dort zum Schutz des Grundwassers beitragen soll.

Dort kostet die Saat, die im ersten Jahr als Untersaat beim Mais eingebracht wird und ab dem zweiten Jahr hochwächst, für einen Hektar 1800 Euro. An den Kosten beteiligt sich dort der Wasserzweckverband.

Kritik am Gesetzgeber meldete der BBV-Kreisobmann an. In den Aussaat-Mischungen, die innerhalb der Greening-Vorschriften verwendet werden dürfen, sind die Blühmischungen nicht vorgesehen, das sollte schnellstens nachgeholt werden.

Leuchtturmprojekt für Bayern

Das Pilotprojekt sei ein „Leuchtturmprojekt für ganz Bayern“, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Insgesamt wird die neue Blühmischung auf rund 25 Hektar entlang von Weißbach und Haubach ausgesät.

Im Beisein von Imker Arnold Russwurm, Felix Schmidl und Michaela Stäblein vom Projekt boden:ständig, BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel, Jungimker Josef Russwurm, Landwirt Klaus Gerstner und (auf dem Schlepper) Landwirt Johannes Gerstner, startete das Projekt.
Foto: Vossenkaul | Im Beisein von Imker Arnold Russwurm, Felix Schmidl und Michaela Stäblein vom Projekt boden:ständig, BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel, Jungimker Josef Russwurm, Landwirt Klaus Gerstner und (auf dem Schlepper) Landwirt ...
Die Säcke persönlich abgeholt: Das Saatgut für das Pilotprojekt wurde aus Zeitgründen mit einem Privatauto ins Grabfeld transportiert, BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel lädt es aus. Pro Hektar werden etwa zehn Kilo Saatgut gebraucht.
Foto: Vossenkaul | Die Säcke persönlich abgeholt: Das Saatgut für das Pilotprojekt wurde aus Zeitgründen mit einem Privatauto ins Grabfeld transportiert, BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel lädt es aus.
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