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Heidelsteinfeier: Totengedenken und Friedensmahner

Heidelsteinfeier des Rhönklubs in Corona-Zeiten: Mit Abstand und ohne offizielle Einladung kamen nur einige Mitglieder in alter Tradition zum Heidelstein.
Foto: Marion Eckert | Heidelsteinfeier des Rhönklubs in Corona-Zeiten: Mit Abstand und ohne offizielle Einladung kamen nur einige Mitglieder in alter Tradition zum Heidelstein.

Am 28. Oktober 1923 wurde das Ehrenmal des Rhönklubs auf dem Heidelstein eingeweiht. Es sollte eine Gedenkstätte für die Toten des Ersten Weltkrieges werden. Am Rande eines kleinen Felsenmeeres wurde ein steinernes Kreuz auf einem massiven Basaltblock errichtet. Ein weiterer Basaltblock trägt die Inschrift „Den gefallenen Brüdern des Rhönklubs".

Gedenken an Rhönvater Karl Straub

Ein weiterer Basaltblock wurde 1949 dem Gedenken an Rhönvater Karl Straub gewidmet, auf dessen Betreiben die Gedenkstätte errichtet wurde. Alljährlich findet seit der Errichtung des Ehrenmals am dritten Septembersonntag die Heidelsteinfeier des Rhönklubs statt. Sie ist für die Zweigvereine und den Hauptvorstand ein fester Bestandteil im Jahresprogramm.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Totengedenken und die Folgen eines von Deutschland angezettelten Weltkriegs, die Erinnerung an die verlorene Heimat im Osten und an jene Grenze, die mehr als 40 Jahre deutsche Heimat trennte, im Vordergrund. 1991 wurde ein Kreuz aus dem Stahldraht des Grenzzaunes aufgestellt und erinnert an die Überwindung der deutschen Trennung.

Feierstunde für Frieden und Freiheit

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Wesen der Feier vom Totengedenken hin zu einer Feierstunde für Frieden und Freiheit entwickelt. Natürlich hat das Totengedenken nach wie vor seinen Platz und die Kranzniederlegung durch den jeweils amtierenden Rhönklub-Präsidenten und seinen Stellvertreter sind untrennbar mit der Feierstunde verbunden, ebenso wie das Verlesen der Namen verstorbener Rhönklubmitglieder.

Für den Rhönklub-Präsident Jürgen Reinhardt stellte sich die Frage, ob die Inschrift auf dem Basaltblock noch zeitgemäß ist. Eine Ergänzung des Begriffs „Brüder“ durch „Schwestern“ würde in diesem Kontext nicht passen. „Das Ehrenmal wurde nach dem ersten Weltkrieg im Gedenken an die gefallenen Soldaten aufgestellt. Heute ist die Heidelsteinfeier eine Gedenkfeier für unsere Verstorbenen.“

Die Kranzniederlegung ist ein Kernelement der Heidelsteinfeier. Das Bild zeigt den Vizepräsidenten des Rhönklubs, Bernd Günder, und  den Rhönklub-Präsident Jürgen Reinhardt.
Foto: Marion Eckert | Die Kranzniederlegung ist ein Kernelement der Heidelsteinfeier. Das Bild zeigt den Vizepräsidenten des Rhönklubs, Bernd Günder, und den Rhönklub-Präsident Jürgen Reinhardt.

Dass eine Änderung der Inschrift in beispielsweise: „Zum Gedenken an alle verstorbenen Rhönklub-Mitglieder_innen“ nicht nur aufgrund von gendergerechter Sprache eine Herausforderung darstellt liegt auf der Hand. Auch könne eine solche Änderung nicht vom Präsidenten oder dem Hauptvorstand beschlossen werden. Dies bedürfe vielmehr der Diskussion in den Zweigvereinen und unter den Mitgliedern, um die Stimmen der Tradition und der Moderne zu hören und Lösungen zu finden. Es sei kein Projekt, dass in den nächsten Monaten anstehe, aber ein Thema, dem sich der Rhönklub stellen sollte, befand Reinhardt anlässlich der diesjährigen Heidelsteinfeier. Wobei es eine offizielle Heidelsteinfeier in diesem Jahr nicht gab.

Schwere Entscheidung der Absage

„Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Hauptvorstand im Sommer die schwere Entscheidung treffen müssen, die Heidelsteinfeier abzusagen“, erinnerte Reinhardt an die Überlegungen. Auch hierbei ging es um die Frage nach der Tradition. „Uns war allen bewusst, dass wir kein geeignetes Hygienekonzept für das Gebiet um das Ehrenmal des Rhönklubs vorlegen konnten.“ Letztlich wurden der Vizepräsident und der Präsident beauftragt, trotzdem einen Kranz am Ehrenmal niederzulegen. Jürgen Reinhardt und sein Stellvertreter Bernd Günder standen dabei keineswegs alleine am Heidelstein. Auch wenn in der Vereinszeitschrift „Die Rhön wandern und mehr“ die Absage publiziert wurde, ließen es sich eine Reihe von Mitgliedern nicht nehmen, pünktlich um 12 Uhr zum Heidelstein zu kommen.

„Den Gefallenen Brüdern des Rhönklubs“. Ist diese Inschrift am Ehrenmal des Rhönklubs auf dem Heidelstein noch zeitgemäß?
Foto: Marion Eckert | „Den Gefallenen Brüdern des Rhönklubs“. Ist diese Inschrift am Ehrenmal des Rhönklubs auf dem Heidelstein noch zeitgemäß?

Für den Rhönklub-Präsidenten ist dies ein Zeichen, wie die Feier im Bewusstsein der Rhöner Bevölkerung verankert sei. „Für viele Familien, Rhönklubmitglieder und Freunde des Heidelsteins ist der dritte Sonntag im September quasi ein heiliger Tag. An diesem Tag geht man um 12 Uhr zum Ehrenmal des Rhönklubs, um der Verstorbenen zu gedenken. Das nennt man Tradition, Verankerung von Brauchtum.“ Gerade in diesen Pandemiezeiten sei es wichtig, sich einerseits des Lebens, andererseits des Todes zu erinnern. 349 Rhönklubmitglieder haben im vergangenen Jahr ihre letzte Wanderung angetreten. Einzelne Namen verlas der Präsident, bevor der diesjährige Kranz nieder gelegt wurde.  Mit der Kranzniederlegung war diese etwas andere Heidelsteinfeier beendet.

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