Herschfeld

Im gemeinsamen Glauben verbunden bleiben

Pater Lawrence verlässt die Pfarreiengemeinschaft St. Martin, Brend und kehrt nach Indien zurück . Warum er in den sechseinhalb Jahren seines Wirkens "einer von uns" geworden ist.
Nach sechseinhalb Jahren seelsorgerischen Wirkens in der Pfarreiengemeinschaft St. Martin, Brend, wurde Pater Lawrence Seluvappan in sein Heimatkloster der Karmeliten nach Indien zurückberufen. In einem feierlichen Festgottesdienst in Herschfeld wurde er verabschiedet. Von links: Pfarrer Hans Beetz, Günter Henneberger (Sprecher der Pfarreiengemeinschaft St. Martin, Brend), Pater Lawrence, Diakon Thomas Volkmuth und Pfarrer Thomas Keßler.
Foto: Peter Hüllmantel | Nach sechseinhalb Jahren seelsorgerischen Wirkens in der Pfarreiengemeinschaft St. Martin, Brend, wurde Pater Lawrence Seluvappan in sein Heimatkloster der Karmeliten nach Indien zurückberufen.

"Ich war gerne hier, ich war hier zuhause", sagte Pater Lawrence Seluvappan. Nach sechseinhalb Jahren seelsorgerischen Wirkens in der Pfarreiengemeinschaft St. Martin, Brend, rief ihn sein Orden der Karmeliten zurück in sein Heimatkloster nach Indien. Der feierliche Abschieds-Gottesdienst in der Pfarrkirche in Herschfeld stand ganz im Zeichen der Dankbarkeit und der guten Wünsche für den 60-jährigen Kaplan.

"Wir haben dich gerne bei uns gehabt und sind dankbar für dein Wirken in der Seelsorge", sagte Pfarrer Thomas Keßler.  Die freundliche, zugewandte Art von Pater Lawrence werde vielen Gemeindemitgliedern fehlen. Pater Lawrence ist ein Ordensmann. Und, da bezog Keßler Stellung, "wir dürfen Ordenschristen nicht in erster Linie als Lückenfüller für die personellen Löcher in unserem Bistum und in der ganzen deutschen Kirche verstehen. Wir dürfen dankbar sein für die Solidarität der katholischen Kirche in Indien, in ganz Asien und Afrika, die uns jetzt hilft." Für Keßler ein Beweis, "dass wir als katholische Christen miteinander weltweit verwoben sind und Mission längst keine Einbahnstraße mehr ist".

Das geht an die katholische Substanz

Mit Blick auf den Priestermangel sieht Keßler eine Verpflichtung, "gegenüber der Weltkirche und ihrer Zentrale in Rom deutlich zu machen, dass mit dem Rückgang an Priestern bei uns auch die Sakramente als ein Wesensmerkmal der Kirche weniger gefeiert werden können und sich viele Priester ausgebrannt fühlen." Auf Dauer geht das an "unsere katholische Substanz. Da gehören die Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Dienst in die offene Diskussion – und das nicht nur in Leserbriefen, sondern auch in der Kirchenleitung."

Wieder zu Pater Lawrence zugewandt, sagte Keßler: "Du gehörst zum Orden der Karmeliten, der die Nachfolge Jesu in Gemeinschaft leben will. Mit eurer Spiritualität seid ihr wichtig in den Gemeinden. Durch euer Dasein in Klöstern, unter anderem in Rödelmaier, gebt ihr ein stilles Zeugnis von Gott, der mitten unter uns ist." Er wünschte Pater Lawrence auf seinem weiteren Weg mit seiner Ordensgemeinschaft "Gottes liebenden Blick und seinen Segen".

Beliebter Seelsorger und Wegbegleiter

"Wir verlieren mit Ihnen einen beliebten Seelsorger und Wegbegleiter in frohen und schweren Stunden", sagte Günter Henneberger als Sprecher für die Pfarreiengemeinschaft St. Martin, Brend (Brendlorenzen, Dürrnhof, Herschfeld, Lebenhan, Rödelmaier). Er habe sich bei seiner Rede von einigen Gedanken von Mitgliedern der Pfarreiengemeinschaft, besonders von Peter Heinrich (St. Nikolaus, Herschfeld), inspirieren lassen, ergänzte er. "Pater Lawrence hat sich auf uns und auf unsere Ihnen zunächst wohl fremde Lebensart eingelassen." Das sei am Anfang sicher nicht leicht gewesen. Dass Pater Lawrence mit auf Wallfahrten ging, sich sportlich betätigte, an Fasching Witze erzählte (dieses Jahr sogar mit einer kleinen Narrenkappe) – "das alles hat uns gut gefallen." Er besaß auch einen guten Draht zu den Kindern, für die er immer "ein gutes Wort oder auch mal eine Tafel Schokolade hatte". Günter Henneberger: "Sie sind uns immer mehr ans Herz gewachsen und einer von uns geworden." 

Er sagte Dank für die treue Pflichterfüllung, für die Impulse, die Pater Lawrence z. B. in den Predigten gegeben habe, für seine mit Zurückhaltung gepaarte Offenheit und Hilfsbereitschaft, für den immer wieder durchblitzenden Humor. Kurzum, für die Bereicherung, "die Sie in das Leben unserer fünf Gemeinden gebracht haben". Als Geschenk überreichte Henneberger einen Umschlag mit Geld. Der auf dem Umschlag gemalte Regenbogen verbindet Indien und Deutschland und soll ausdrücken, "dass wir miteinander verbunden sind und bleiben – im gemeinsamen Glauben, im Gebet füreinander und in vielen Erinnerungen". Er sprach zudem die Hoffnung aus, dass trotz der großen Entfernung der Kontakt nicht abreißen wird.

Bislang fremde kirchliche Traditionen kennengelernt

Pater Lawrence hat sich sehr gut aufgenommen gefühlt. "Ich war glücklich, mit euch arbeiten zu können", sagte er zu Pfarrer Hans Beetz, der sich inzwischen im Ruhestand befindet, aber zur Freude aller den Gottesdienst mit zelebrierte, und zu Diakon Thomas Volkmuth. Die direkte seelsorgerische Tätigkeit habe ihm am Herzen gelegen, er habe viele Menschen kennengelernt. Und auch kirchliche Traditionen, die ihm vorher fremd waren, wie die Sternsingeraktion und den Blasiussegen. Weltliche Veranstaltungen wie Maibaum-Aufstellungen, den Herschfeld-Lauf, den Rhöner Kuppenritt und vieles mehr hat er genossen. Pater Lawrence' abschließende Worte "Ich freue mich sehr, dass ich nach Hause fliegen darf", aber im gleichen Atemzug "Es tut mir wirklich leid, euch zu verlassen", zeigten deutlich, dass er mit einem lachenden und weinenden Auge geht. Für die feierliche, würdige Umrahmung des Gottesdienstes sorgten, da das gemeinsame Singen ja nicht erlaubt ist, Wolfgang Heuring (Organist), Carola Kroczek (Violine) und Marius Pöhnlein (Gesang).

Klappergrüße und eine Gemeinschaftsdecke

Die Kirchengemeinde St. Ägidius Rödelmaier hatte vor geraumer Zeit Pater Lawrence in einem Gottesdienst verabschiedet – mit Klappergrüßen und einer Gemeinschaftsdecke. Dabei dankte ihm Carola Kroczek vom Pfarrgemeinderat für sein engagiertes Wirken und die segensreiche Zeit. Sie überreichte zusammen mit der Vorsitzenden Andrea Nöth als besonderes Geschenk eine gestrickte Decke und ein Kissen. Beide Stücke bestehen aus über 80 bunten Flecken in quadratischer Form, die von vielen Gemeindemitgliedern zu Hause gestrickt und anschließend von Andrea Nöth zusammengesetzt wurden. Dieses Gemeinschaftswerk soll für Pater Lawrence eine bleibende Erinnerung an die Jahre in Rödelmaier sein.

Mit einem besonderen Geschenk, einer gestrickten Decke, wurde Pater Lawrence bei seinem Abschiedsgottesdienst von der Pfarrgemeinde Rödelmaier überrascht.
Foto: Marius Wolfrom | Mit einem besonderen Geschenk, einer gestrickten Decke, wurde Pater Lawrence bei seinem Abschiedsgottesdienst von der Pfarrgemeinde Rödelmaier überrascht.

Nach Dankesworten für die politische Gemeinde durch Bürgermeister Michael Pöhnlein, der auch an viele schöne gesellige Zusammenkünfte erinnerte, wurde Pater Lawrence nach draußen vor die Kirche gebeten, wo die Ministranten ihre Glück- und Segenswünsche für die Zukunft vortrugen. Dabei sorgten die Ministranten mit ihren "Klapperern", die normalerweise nur an den Kartagen zum Einsatz kommen, für lautstarke Zwischentöne und übergaben Blumen sowie als kleines Geschenk ein vorgezogenes Osternest. Pater Lawrence bedankte sich ergriffen am Ende des Gottesdienstes, der durch die Sologesänge von Marius Pöhnlein und das "Ave Maria" von Lorena Müller musikalisch und gesanglich aufgewertet wurde.

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