BAD RODACH

Immer unter Strom

(nö) Die Idee an sich ist so neu nicht: Quer durch Deutschland fahren, von Sylt bis zur Zugspitze. Heinz Grüne tut dies gerade. Mittlerweile befindet er sich schon im Schwäbischen, nach acht Tagen auf der harten Sitzbank seines Elektro-Motorrads. Genau das ist das Neue an Grünes Tour: Er fährt ausschließlich mit Strom.

Eigentlich wollte der passionierte Motorradfahrer auch durch die Rhön kurven. Aber diese Hügel hätten ihm zu viel Saft gekostet. Saft, den er täglich mindestens dreimal aus der Steckdose ziehen muss für sein Fortkommen. „Tja, in den Bergen tauchen Kapazitätsprobleme auf. Das habe ich am Rennsteig gemerkt. Deshalb musste ich mich auch an der Werra um die Rhön herumschlängeln“, erzählt Grüne. Zwischen Meiningen, Hildburghausen und Bad Rodach hat er die bayerische E-Mobilitätsstadt Bad Neustadt gleichsam außen vor gelassen.

Schnell kommt der 55-jährige Psychologe aus Köln auf den Reichweiten-Schwindel der E-Mobilitätsindustrie zu sprechen. „Sobald du etwas mehr Stoff gibst oder – wie in den Bergen – geben musst, lässt du unheimlich Energie liegen“, weiß Grüne jetzt. Die Linie von Reichweite in Bezug auf Geschwindigkeit oder Steigung werde immer kürzer, je höher diese beiden Faktoren werden. Deshalb hat sich Grüne für die Tour, die er auch „Deutschland per Steckdose“ nennt, sein 125er Leichtkraftrad mit 14 PS als Mokick herunterdrosseln lassen. So bringt er mit seiner Akku-Kapazität und Geschwindigkeiten zwischen 25 und 30 km/h durchschnittlich 50 Kilometer auf den Weg. „Ich tanke meist dort, wo ich selbst auch auftanken kann, also in Wirtschaften oder Imbissbuden!“ Das sei völlig problemlos. Zumal er ein 20-Meter-Verlängerungskabel quasi als Nabelschnur dabei hat. Die Menschen seien stark interessiert an seinem Gefährt und geben bereitwillig ihre Steckdose frei. „Dass ich aber meine Batterie für etwa 25 bis 30 Cent bei ihnen auflade, das wissen die allerwenigsten. Ich gebe meist einen Euro als Trinkgeld dazu.“ Offizielle E-Mobilzapfsäulen, wie es sie in Bad Neustadt gibt, hat er auf seinem Weg kaum gesehen: „Die Dichte dafür ist geringer als die von einarmigen Zahnärzten!“ Ein absoluter Vorteil ist für ihn die Langsamkeit des Reisens. „So kommst du hautnah mit den Menschen in Kontakt. Das ist wirklich eine Chance für die E-Mobilität“, urteilt er. Obwohl er auf den Landstraßen in Thüringen und Franken unliebsame Begegnungen mit Rasern hatte: „Als ob du zum Abschuss freigegeben bist.“

Derlei Zeitgenossen zeigt er aber an Ampeln, was in seinem E-Bike steckt. Auf den ersten 30 Metern hat selbst ein Porsche keine Chance gegen das E-Drehmoment. „Da muss ich ab und an die E-Sau rauslassen!

ONLINE-TIPP

Mehr Infos und Bilder unter www.dpsteckdose.de

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