Bastheim

Interkommunale Zusammenarbeit beim Wasserleitungsbau

Arbeiter aus Bastheim, Frickenhausen und Unsleben beim Einbau der neuen Wasserleitung auf einem Teilstück zwischen Frickenhausen und Wechterswinkel.
Arbeiter aus Bastheim, Frickenhausen und Unsleben beim Einbau der neuen Wasserleitung auf einem Teilstück zwischen Frickenhausen und Wechterswinkel. Foto: Klaus-Dieter Hahn

Interkommunale Zusammenarbeit – ein Zauberwort aktuell unter den Kommunalpolitikern. Damit wollen Städte und Gemeinden den heutigen und künftigen Herausforderungen in Zeiten steigender Kosten begegnen. Gelungene Beispiele für interkommunale Zusammenarbeit sind z.B. die vielen Allianzen in unserer Region, der gemeinsame Datenschutzbeauftragte im Landkreis oder auch der gemeinschaftliche Bauhof einiger Gemeinden der VG Bad Neustadt. Auch in kleinen Projekten arbeitet man im Landkreis gut zusammen.

Verderben da viele Köche den Brei, wenn drei Gemeinden in Gemeinschaftsarbeit eine Wasserleitung über mehrere hundert Meter verlegen? "Nein – keinesfalls. Im Gegenteil – es klappt hundertprozentig", so das Fazit von Bastheims Bauhofleiter und Wasserwart Roland Ortloff, der zusammen mit seinen Kollegen aus dem eigenen Bauhof, den Gemeindearbeitern von Unsleben und Wassermeister a.D. Artur Omert aus Frickenhausen dafür gesorgt hat, dass die alte Wasserleitung nach Wechterswinkel und Unsleben von der neuen Wegtrasse der Staatstsraße 2292 zwischen Bündkreuzung und Frickenhausen nicht beeinträchtigt wird.

Alte Wasserleitung wurde stillgelegt

Die alte, noch aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts stammende Wasserleitung aus eisenummantelten  Rohren musste auf einer Länge von 300 Metern stillgelegt und durch eine moderne PVC-Leitung ersetzt werden, die die Arbeiter auch noch auf eine neue, von der ST 2292 unberührten Trasse im Frickenbach-Tal umverlegten. Die Wasserleitung dient zwar schon lange nicht mehr der Trinkwasserversorgung, hat aber schon noch ihre Bedeutung für Frickenhausen, Unsleben und Wechterswinkel. Während mit dem Nass aus der sogenannten Petersbrunnenquelle ein Teich vor den Toren Frickenhausens gespeist wird, dient es in Unsleben dem dortigen Brandschutz. In Wechterswinkel nutzen nicht nur Landwirte und die dortigen Ortsbewohner das feuchte Element, um ihre Gärten und Felder zu bewässern. Gerade angesichts der Trockenheit in den letzten Jahren ist man in allen Ortschaften heilfroh und dankbar, dass das Wasser noch zur Verfügung steht. Die nun angefallenen Kosten für das Umverlegen der Wasserleitung werden anteilig auf alle beteiligten Kommunen umgelegt.

Vor hundert Jahren wurden die Gemeinden Unsleben, Wechterswinkel und Wollbach mit Trinkwasser aus Frickenhausen versorgt. Einen schriftlichen Beweis dafür gibt es in Form eines "Beschlusses" des damals königlichen Bezirksamtes Neustadt a.d. Saale  vom 2. Juni 1909, der vom ehemaligen Bastheimer Lehrer Erich Spieß "übersetzt" wurde. Insgesamt 3,6 Sekundenliter durften die drei Gemeinden damals aufgrund dieses Beschlusses aus der Petersbrunnenquelle im Frickenbach-Tal nach Maßgabe des vom königlichen Wasserversorgungsbüro München ausgearbeiteten Detailprojektes ableiten. Allerdings hatten die Gemeinden den dortigen Wiesenbesitzern, die ihre Wiesen deshalb nicht mehr bewässern konnten, als Ausgleich "eine Entschädigung von 50 Pf. pro Dezimale zu leisten". Außerdem erhielt der Wechterswinkler Mühlenbesitzer Theodor Dietz eine einmalige Entschädigung von 400 M. Schließlich durfte die Rohrlegung durch die im Frickenbachgrund gelegenen Wiesen erst "außerhalb der Vegetationszeit, d.i. nach der Grummeternte" vorgenommen werden.

Brunnen lieferten kein reines Trinkwasser

Anlass für diesen Beschluss waren Untersuchungsergebnisse, wonach "die Brunnen Unsleben kein reines Trinkwasser" lieferten. Verhandlungen mit der Gemeinde Heustreu über einen Anschluss an deren Wasserleitungsanlage waren am Widerstand der Heustreuer gescheitert. Das Genehmigungsverfahren, das im Jahr 1908 "bereits dem Abschluss nahe war, wurde unterbrochen durch die erklärte Geneigtheit der Gemeinde Wollbach und später Wechterswinkel, sich dem Unternehmen anzuschließen".  

Ein gutes Team bildeten die Mitarbeiter aus drei Gemeinden. Stehend von links: Artur Omert (Frickenhausen),Kurt Fuchs und Christian Schmitt (beide Bastheim) sowie Uwe Storch und Andreas Weber (beide Unsleben). Kniend von links: Roland Ortloff und Alexander Fritze (beide Bastheim).
Ein gutes Team bildeten die Mitarbeiter aus drei Gemeinden. Stehend von links: Artur Omert (Frickenhausen),Kurt Fuchs und Christian Schmitt (beide Bastheim) sowie Uwe Storch und Andreas Weber (beide Unsleben). Kniend von links: Roland Ortloff und Alexander Fritze (beide Bastheim). Foto: Klaus-Dieter Hahn

Festgestellt wurde, dass die Wiesen im Bereich der Petersbrunnenquelle durch die Quellfassung und die genehmigte Ableitung einen erheblichen Schaden erleiden . Aus "Wasserwiesen" werden Trockenwiesen, deren Wert weit unter dem von Wasserwiesen lag. Daher wurden auch entsprechende Entschädigungssätze - verursacht durch die unterschiedlich ertragreichen Heuernten – errechnet. So gelangt z.B. ein Gutachten zu dem Ergebnis, dass "diese Wiesen durch den Mangel der Wässerung  an ihrem Wert um 1/5 sinken und der den Besitzern hierbei erwachsene Schaden auf 50 Pf. pro Dezimale anzuschlagen sei".

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