Rappershausen

Ist die Rußrindenkrankheit eine Gefahr für Baum und Mensch?

Waldbauer Edgar Günther aus Rappershausen vor einem von der Pilzkrankheit völlig zerstörten Baum.  Da die Pilzsporen auch dem Menschen gefährlich werden können, ist die Arbeit in befallenen Gebieten nur mit entsprechender Schutzausrüstung erlaubt.
Waldbauer Edgar Günther aus Rappershausen vor einem von der Pilzkrankheit völlig zerstörten Baum. Da die Pilzsporen auch dem Menschen gefährlich werden können, ist die Arbeit in befallenen Gebieten nur mit entsprechender Schutzausrüstung erlaubt. Foto: Wolfgang Ruck

Die Forstfläche von Edgar Günther liegt in der Rappershäuser Gemarkung "Behrunger Holz" unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen. Schon von weitem lassen sich abgestorbene und vertrocknete Baumkronen erkennen. Beim ersten Blick könnte man meinen es handle sich hier um Schäden, die durch Trockenheit und Hitze verursacht wurden. Betrachtet man die Bäume genauer, erkennt man die kleinen ausgetriebenen Ästchen am Stamm - sogenannte Wasserreißer. Hinzu kommt, dass die Rinde aufgeplatzt ist und abblättert. An diesen Stellen erkennt man schwarze rußähnliche Pusteln, die der Krankheit ihren Namen verleihen.

Völlig neues Schadbild an den Bäumen

Edgar Günther war sich beim ersten Anblick der Symptome nicht sicher, um welche Krankheit es sich hier handelt. Das Schadbild war jedenfalls völlig neu und ungewöhnlich. Erst eine Untersuchung im Labor der Bayerischen Landesanstalt für Pflanzenbau in Freising lieferte den Beweis: Hier handelt es sich eindeutig um die Rußrindenkrankheit.

Schwarze, rußähnliche Pusteln bilden sich am Stamm und die Rinde platzt auf. Ein eindeutiger Hinweis: Dieser Baum ist von der Rußrindenkrankheit befallen.
Schwarze, rußähnliche Pusteln bilden sich am Stamm und die Rinde platzt auf. Ein eindeutiger Hinweis: Dieser Baum ist von der Rußrindenkrankheit befallen. Foto: Wolfgang Ruck

Die Pilzsporen werden vorwiegend über den Wind verbreitet. Edgar Günther erklärt, dass die Krankheit auch die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen kann. Durch das Einatmen der Pilzsporen können Atemnot, Reizhusten bis hin zur Lungenentzündung verursacht werden. Die zuständige forstliche Berufsgenossenschaft schreibt deshalb das Tragen einer entsprechenden Schutzausrüstung vor für Personen, die in befallenen Waldgebieten arbeiten. Dazu zähle auch das Benutzen einer Mund-Nasenmaske. Für Personen, die sich nur sporadisch und kurzzeitig im Wald aufhalten - wie beispielsweise Spaziergänger oder Pilzsammler - bestehe aber keine Gefahr, so der Waldbauer.

Vornehmlich Ahorn betroffen

Die starken Winde der vergangenen Wochen dürften die Ausbreitung des Pilzes in den Wäldern der Region gefördert haben. Vornehmlich seien Ahorn-Baumarten betroffen. Auf der Fläche von Edgar Günther im "Behrunger Holz"  wurde das Bergahorn komplett zerstört.  Gerade diese  Baumart habe man in den vergangenen Jahren verstärkt angepflanzt, weil sie mit Trockenheit und Hitze gut klar komme. Den wirtschaftlichen Schaden bezeichnet Günther als immens.

Bei Rappershausen wurde bereits befallenes Holz aufgesägt. Es wartet nun auf den Abtransport.
Bei Rappershausen wurde bereits befallenes Holz aufgesägt. Es wartet nun auf den Abtransport. Foto: Wolfgang Ruck

Vor gut zehn Jahren sei die Krankheit erstmalig in Baden-Württemberg festgestellt worden. Nach und nach habe sie sich auf fast alle Bundesländer ausgebreitet. Nun scheint auch das hiesige Gebiet mit der Infektionswelle erreicht worden zu sein. Edgar Günther: "Es tut in der Seele weh, den Wald sterben zu sehen!" Dabei spielt er nicht nur auf diese neuartige Pilzkrankheit an. Trockenheit, Hitzeperioden und Borkenkäferbefall haben in den vergangenen Jahren eh schon dazu geführt, dass die  Nerven der Waldbauern blank liegen.

Hart von den Launen der Natur betroffen

Bleibt zu hoffen, dass sich die Situation nicht weiter zuspitzt in den heimischen Wäldern und ab und zu ein Regenschauer für gewisse Entspannung in den stark gebeutelten Forstflächen sorgt. Wohl kaum ein anderer "grüner Wirtschaftszweig" sei derzeit so hart von den Launen der Natur betroffen wie die Waldbewirtschaftung, sagt Günther.

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