Mellrichstadt

Kein Aufreger: Peter Klier und sein Jesuskind am Bushäuschen

In Retzbach in Main-Spessart sorgt eine Krippenszene mit Schaufensterpuppen an einer Haltestelle für Diskussion. Der Künstler Peter Klier hatte 2019 schon eine ähnliche Idee.
Peter Klier hat schon 2019 die Weihnachtskrippe für seinen Altstadtkalender an die Bushaltestelle an der Streu verlegt. Eine ähnliche Modernisierung sorgt gerade in Main-Spessart für Aufregung.
Foto: Peter Klier | Peter Klier hat schon 2019 die Weihnachtskrippe für seinen Altstadtkalender an die Bushaltestelle an der Streu verlegt. Eine ähnliche Modernisierung sorgt gerade in Main-Spessart für Aufregung.

Eine Bushaltestelle und zwei Schaufensterpuppen statt eines Stalls, Hirten und des Engels: Eine moderne Krippenszene, die das Geschehen von Bethlehem in die Jetzt-Zeit versetzt, sorgt im Winzer-Örtchen Retzbach (Lkr. Main-Spessart) derzeit für Diskussionen.

Die moderne Variante einer Krippe in der Wallfahrtskirche Maria im Grünen Tal ruft Kritiker auf den Plan, findet aber auch Unterstützer. In ganz Unterfranken wird die Idee des Retzbacher Pfarrvikars Thomas Wollbeck nach Pro und Contra beurteilt. Auch in Mellrichstadt ist das Thema aufgeschlagen, und zwar auf ganz besondere Weise. "Als ich das Bild der Krippe in der Wahlfahrtskirche sah, bin ich sofort hellhörig geworden", erzählt Peter Klier. Als Künstler des Mellrichstädter Altstadt-Kalenders, dessen "Altstadt-Zauber"-Bilder als Dauerausstellung im Schloss Wolzogen in Mühlfeld zu sehen sind, ist er beileibe kein Unbekannter.     

Kalenderbild mit gleicher Botschaft

"Ich habe mich gleich an meine eigene Krippen-Darstellung erinnert, die das Dezember-Bild im Kalender 2019 war", erklärt Klier gegenüber dieser Reaktion. Tatsächlich ist die Szene aus dem Stall von Bethlehem tatsächlich nach Mellrichstadt versetzt. Eine junge Frau im winterlichen Schal sitzt auf der Bank einer hölzernen Bushaltestelle. Sie hält ein kleines Kind in der Hand. Ein Mann mit Rucksack steht neben ihr, hält eine Einkaufstüte fest und blickt freudig-aufgeregt auf das Kind. Am Bildrand kommt ein Wachmann auf die beiden zu, in der Hand trägt er eine Wolldecke. Im Hintergrund erkennt man die Mellrichstädter Stadtpfarrkirche. Die Perspektive verrät, dass es sich um die Haltestelle nahe der Streubrücke handeln muss.   

Jesu Geburt in heutiger Zeit 

Auch Peter Klier hat die Geburtsszene Jesu in die Gegenwart versetzt. "So könnte sich heute Jesu Geburt abspielen", hatte Peter Klier bei der Idee für sein Kalenderblatt gedacht. Und ähnlich denken auch die Retzbacher Verantwortlichen bei der Gestaltung ihres lebensgroßen Krippen-Arrangements. Frappant ist die Tatsache, dass beide Darstellungen auf eine Haltestelle setzen. "Bei uns gab es damals nur Zustimmung. Interessant, wie offen man doch hier ist", lobt Peter Klier seine Mellrichstädter und Rhön-Grabfelder, die ihm sehr ans Herz gewachsen sind.   

Blick auf die 'moderne Krippenszene' in der Wallfahrtskirche Maria im Grünen Tal im Zellinger Ortsteil Retzbach.
Foto: Silvia Gralla | Blick auf die "moderne Krippenszene" in der Wallfahrtskirche Maria im Grünen Tal im Zellinger Ortsteil Retzbach.

Mit Bekannten und Freunden hatte er seinerzeit schon seine ungewöhnliche Krippendarstellung diskutiert und nur Zustimmung erfahren. Das biblische Geschehen in die Gegenwart zu versetzen und auch in die eigene Umgebung, das ist eigentlich schon immer praktiziert worden, wenn man sich Krippen-Modelle aus aller Welt betrachtet. Diesen Gedanken hat Klier auch schon mit anderen Werken weiterverfolgt. In seinen Bibel-Bildern, die auch schon im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg zu sehen waren, hat er Szenen des Alten und des Neuen Testaments in die Gegenwart und in die Landschaft der Rhön übertragen. Kliers Paradies liegt demnach zwischen Heidelstein, Kreuzberg und Wasserkuppe.  

Schaffenskraft ist ungebremst

Der ehemalige Leiter der Berufsschule in Mellrichstadt feierte erst im vergangenen Jahr seinen 80. Geburtstag. Nicht nur mit dem Altstadt-Kalender, den es auch in einer Ostheimer Variant gibt, hat sich der Pädagoge einen Namen gemacht. Auch seine Kunstausstellung "Bilder - Skulpturen - Objekte" ist Jahr für Jahr ein Besuchermagnet.

Die Schaffenskraft von Peter Klier ist ungebremst. 2019, wo dieses Bild entstand, feierte der Mellrichstädter seinen 80. Geburtstag
Foto: Simone Stock | Die Schaffenskraft von Peter Klier ist ungebremst. 2019, wo dieses Bild entstand, feierte der Mellrichstädter seinen 80. Geburtstag

Seit seiner Pensionierung 1998 ist die Kreativität noch stärker aus Peter Klier herausgesprudelt. Rund 900 Bilder hat der einstige Leiter der Berufsschule Mellrichstadt seither gemalt, großformatige Wandbilder ebenso wie kleine Zeichnungen mit liebevollen Details in einer selbst entworfenen komplizierten Mischtechnik aus Aquarell, Acryl und Bleistiftzeichnung, die seine Arbeiten so unverwechselbar machen.

Schon 15 Bildbände herausgebracht

Insgesamt 15 Bildbände hat der Künstler herausgebracht, internationale Ausstellungen mit Bilderzyklen haben ihm viel Anerkennung gebracht. Peter Klier hat seine Werke unter anderem in Österreich, Japan und den USA gezeigt. „Höhepunkt war die große Ausstellung während der Bayreuther Festspiele 2008 in der Villa Wahnfried“, sagt der Mellrichstädter. Dazu ist der Bildband „Wagnerlaweia“ mit 68 Karikaturen zu den Musikdramen von Richard Wagner erschienen. Für den Opernfreund mehr Vergnügen denn Arbeit.

Auf jeden Fall ist der Streit um die Retzbacher Krippe Anlass, Peter Kliers farbenfrohe Kunst erneut zu genießen. Auch wenn dort Humor aus allen Ecken blitzt. Eine ernste Grundierung ist nie zu übersehen. 

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