Bad Neustadt

Kein Freund medizinischer Sektorengrenzen

Professor Bernd Griewing (Mitte) erläuterte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (rechts) die Baustelle des Rhön-Klinikum Campus. Links stellvertretende Bürgermeisterin Rita Rösch, im Hintergrund Konzerngründer Eugen Münch.
Foto: Hubert Herbert | Professor Bernd Griewing (Mitte) erläuterte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (rechts) die Baustelle des Rhön-Klinikum Campus. Links stellvertretende Bürgermeisterin Rita Rösch, im Hintergrund Konzerngründer Eugen Münch.

Zustimmendes Kopfnicken und Gemurmel gab es öfter, als Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Baustelle des Rhön-Klinikum Campus in Bad Neustadt besuchte. Kein Wunder, das was er dort über allgemeinen Anforderungen an den Gesundheitsmarkt in der Bundesrepublik sagte, war zum großen Teil deckungsgleich mit dem, was die Rhön-Klinikum AG mit dem Campus-Konzept an ihrem Stammsitz gerade auf die Beine stellt.

Vorstandsvorsitzender Stephan Holzinger umschreibt das mit Auflösung der Sektorengrenzen beispielsweise zwischen stationär und ambulant. Und mit dem Einsatz der Digitalisierung und von kognitiven Systemen. Daraus ergibt sich aus seiner Sicht unter anderem auch die Notwendigkeit Studiengänge zu reformieren. Er sprach unter anderem von neuen Typen von Absolventen, die an den Schaltstellen von Digitalisierung und Medizin gebraucht werden.

Verzahnung

Genau dieser Gedanke der Verzahnung von ambulant und stationär sei wichtig für Sicherung der künftige medizinische Versorgung im ländlichen Raum, sagte der Gesundheitsminister. Damit die zukünftige Versorgung bezahlbar bleibt, gibt es aus der Sicht des Gesundheitsministers nur die Möglichkeit, medizinische Spitzenleistungen zu Mannschaftsleistungen zu machen.

Das, so erklärt er, werde durch Vernetzung von einzelnen Medizinern und Kliniken möglich. Dabei sei die die Digitalisierung ein ganz entscheidendes Instrument. Dass dabei der Mensch als Behandelnder oder Pfleger ersetzt werden könnte, bezeichnete der Minister als Unsinn. Im Gegenteil, wenn Arbeit von Technik abgenommen werde, bleibe mehr Zeit für Ärzte und Pfleger, um sich direkt mit den Patienten zu beschäftigen.

Denn eines ist für Gröhe klar. Im Mittelpunkt steht der Mensch. Der müsse sich wohlfühlen, auch wenn vieles elektronisch erledigt wird. „Nicht die Algorithmen entscheiden, sondern der Arzt im Gespräch mit dem Patienten“, betonte er. Deshalb müssten Ärzte nicht nur technisch ausgebildet werden, sondern es müsse noch größerer Wert darauf gelegt werden, sie zu befähigen, auf Patienten einzugehen.

Keine Chance für Einzelklinik

Für die Stand-Alone-Klinik ohne Vernetzung sieht Gröhe keine Zukunft, egal ob die von er öffentlichen Hand oder privat geführt wird. Durch die Vernetzung untereinander, wie sie das Rhön-Klinikum betreibt, sieht Gröhe die Chance, die Spitzenmedizin von Maximalversorgern in die Fläche zu bringen. „Mit der Telemedizin ist Enormes möglich“, sagte der Gesundheitsminister. Weite Wege zu Krankenhäusern mit Maximalversorgung seien so vor allem für alte Menschen vermeidbar, die oft mehrere Krankheiten hätten.

Staatssekretärin Dorothee Bär, stellte fest, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung wegen einiger Widerstände spät dran sei. Gerade deswegen sei es von großem Vorteil, dass der Bundesgesundheitsminister so starkes Interesse an der Digitalisierung der Medizin habe und sie vorantreibe.

win-win-Situation

Das Vollversorgungsmodell, wie es es das Campus-Konzept des Rhön-Klinikums als Pilotprojekt in Bad Neustadt auf die Beine stellt, mit der Versorgung bis in den häuslichen Bereich und der Vernetzung mit den Rettungsdiensten, bezeichnete Professor Bernd Griewing, Vorstand Medizin, als win-win-Situation für alle am Projekte beteiligten. Er geht davon aus, dass bei der Eröffnung des neuen Campus Ende 2018 von den derzeit rund 40 Facharztsitzen im Landkreis 30 am neuen Standort vertreten sein werden.

Wie Griewing dem Minister weiter erläuterte sind am Standort Bad Neustadt derzeit rund 2700 Mitarbeiter beschäftigt, die bei einer Kapazität von 1915 Betten pro Jahr rund 800 000 Patienten versorgen. Das habe von der Größe durchaus Uni-Klinik-Charakter.

Bitte um Hilfe

Griewing bat den Minister aber auch um Hilfe. „Wir fühlen uns oft von den Auflagen der Kostenträger gequält. Da wünschen wir uns eine faire Behandlung.“ außerdem bat er Gröhe um seine Hilfe beim Abbau manch politischer Hürde, die der erwünschten Verzahnung der unterschiedlichen Medizinbereiche entgegen stehe.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Bad Neustadt
Hubert Herbert
Bundesgesundheitsminister
Digitalisierung
Dorothee Bär
Hermann Gröhe
RHÖN-KLINIKUM Bad Neustadt
Rhön-Klinikum-Campus
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)