Oberelsbach

Kernzonen in der Rhön sind ein Dorado für seltene Käfer-Arten

Totes Holz in den Kernzonen  des Biosphärenreservats Rhön bietet zahllosen Käfer- und Pilzarten einen Lebensraum.
Foto: Tobias Gerlach | Totes Holz in den Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön bietet zahllosen Käfer- und Pilzarten einen Lebensraum.

Dass es den Wäldern in der Rhön nach den Dürre- und Hitzesommern der vergangenen beiden Jahre nicht gut geht, bleibt mittlerweile auch weniger aufmerksamen Beobachtern in Wald und Flur nicht mehr verborgen. Den Fichten machen die Borkenkäfer „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ schwer zu schaffen, die Kiefern leiden unter „Prachtkäfern“ und „Triebsterben“, und selbst die Rotbuche – die natürliche Baumart der Rhön schlechthin – leidet vielerorts unter dem Trockenstress, heißt es in einer Pressemitteilung. Doch leiden derzeit nicht nur Wirtschaftswälder, auch die Situation in den bewaldeten Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön ist vielerorts sehr angespannt.

Diese Situation war ein Anlass für die bayerische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön in Oberelsbach und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bad Neustadt,  gemeinsam alle Kommunen zu einem Informationsaustausch einzuladen, die im Jahr 2013 gemeindliche Waldflächen als Kernzonen in das Biosphärenreservat Rhön eingebracht hatten.

Wer brachte Flächen ein

Tobias Gerlach von der Verwaltungsstelle erläutertet, dass 14 Städte und Gemeinden von Fladungen im Norden bis Hammelburg im Süden sowie die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld seinerzeit insgesamt über 700 Hektar Wald für Kernzonen eingebracht hätten. Dies sei knapp ein Fünftel der gesamten Kernzonenfläche von 3900 Hektar. Die Spanne reiche von nur gut einem Hektar bis über 130 Hektar je Kommune. Die restlichen überwiegenden Kernzonenflächen hätten der Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland mit ihren Staats- beziehungsweise Bundes-Wäldern eingebracht, so Gerlach.

Gerlach richtete den Blick auf den Zweck der Kernzonen: sie dienten nicht nur der Erholung und Umweltbildung, sondern insbesondere als regionale Referenzflächen natürlicher Waldprozesse. Über lange Zeiträume wolle man beobachten, wie sich die Baumartenzusammensetzung, der Holzzuwachs, der Totholzanteil und mit diesen Faktoren die Tier-, Pflanzen- und Pilzarten veränderten.

775 Käfer-Arten

Bereits die ersten Untersuchungsergebnisse belegten, dass die äußerst vielseitigen Kernzonen aufgrund teilweise früherer naturnaher Bewirtschaftung und nunmehriger ungestörter Entwicklung ein Hotspot der Artenvielfalt seien. Bisher wurden beispielsweise bereits 775 Käfer-Arten nachgewiesen, von denen 394 Arten auf Totholz angewiesen und 140 Rote Liste-Arten seien, heißt es in der Pressemitteilung weiter. 

„In den Kernzonen konnten damit bereits über zehn Prozent der in Deutschland vorkommenden Käferarten nachgewiesen werden, obwohl die Kernzonen gerade einmal nur 0,0001Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ausmachen“, stellte Gerlach begeistert fest. Aber auch erste Auswirkungen des Klimawandels ließen sich feststellen. So seien immer mehr wärmeliebende Arten auch in den höheren Lagen zu beobachten. Auf der anderen Seite drohe ein Verlust an Arten, die an kühlere Bedingungen angepasst seien.

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