Bad Königshofen

Königshofen: Borkenkäfer frisst dickes Minus in die Forstkasse

Stadtförster Herbert Gessner rechnet mit einem Minus von rund 100 000 Euro. Waldlehrpfad am Sambachshof soll binnen drei Jahren saniert werden.
Rund 700 Festmeter Fichtenholz, das im Sommer wegen Borkenkäferbefalls eilends aus dem Wald geschafft werden musste, lagert an einem Wirtschaftsweg hinter der Biogasanlage. Stadtförster Herbert Gessner (rechts) rechnet damit, dass das lange so bleiben wird.
Foto: Michael Petzold | Rund 700 Festmeter Fichtenholz, das im Sommer wegen Borkenkäferbefalls eilends aus dem Wald geschafft werden musste, lagert an einem Wirtschaftsweg hinter der Biogasanlage.

Alle Planung wird zur Makulatur, wenn sich die Grundlagen und Rahmenbedingungen drastisch ändern. Diese Erfahrung mussten die Forstleute im Stadtwald heuer machen, auch wenn die Entwicklung nicht ganz überraschend kam. Nach zwölf Jahren mit Gewinn, der auch mal sechsstellig ausfiel, rauscht der Betrieb heuer ins Minus.  Mit gut 100 000 Euro Verlust rechnet Stadtförster Herbert Gessner bis Ende diesen Jahres. Die Mitglieder des Ausschusses für Land und Forstwirtschaft des Stadtrates nahmen die Hiobsbotschaft mit Fassung auf. Hatte sich doch schon im Frühjahr mit der massenhaften Vermehrung des Borkenkäfers und der Schwammspinner-Plage  abgezeichnet, dass es kein gutes Jahr werden würde.

88 Prozent des eingeschlagenen Holzes war vom Käfer befallen  

Von den 5413,1 Festmetern Holz, die bis jetzt heuer eingeschlagen wurden, waren 4769,5 Festmeter auf den Käferbefall zurückzuführen. Das sind 88 Prozent. Noch immer liegen große Mengen des Fichtenholzes am Wirtschaftsweg in Richtung Althausen hinter der Bio-Gasanlage. Weit genug weg, damit Borkenkäfer nicht mehr in den Wald zurückfliegen können. Dort türmen sich die Stämme allein zu gut 700 Festmeter auf. Holz, das etwa zur Produktion von Spanplatten Verwendung findet, von dem der Markt aber derzeit regelrecht überschwemmt ist, was zu Preiseinbrüchen von 30 Prozent und mehr geführt hat. Immerhin wurde der Transport aus dem Wald staatlicherseits bezuschusst.  20 000 Euro flossen so in die städtische Forstkasse, kommendes Jahr sollen diese Zuschüsse erst bei 50 000 Euro gedeckelt werden. 

Es bleibt nicht aus, dass aufgrund der zum Teil dramatischen Situation bei den Fichten und in zunehmendem Maße auch bei den Kiefern, andere waldpflegerische Maßnehmen auf die lange Bank geschoben werden müssen, wie etwa die Durchforstung junger Bestände. Da soll im nächsten Jahr vieles nachgeholt werden, wenn nicht wieder der Borkenkäfer alles über den Haufen wirft. Bleibt die gegenwärtige feuchte und eher milde Witterung mit gelegentlichem Frost erhalten, dann besteht aber Hoffnung, dass im kommende  Jahr - mehr Niederschläge vorausgesetzt -  alles im ruhigeren Fahrwasser läuft. Gessner bedankte sich bei der Stadt und dem Ausschuss für die gute Zusammenarbeit und Bürgermeister Thomas Helbing ging auf den Waldumbau in den vergangenen Jahren ein.

Es muss noch viel mehr regnen, um das Trockenjahr 2018 zu kompensieren 

Am Sambachshof soll, dieses Mal in einem feuchten Gebiet Richtung Sulzfelder Gemarkung, ein weiteres Biotop entstehen. Und das quasi zum Nulltarif. Wie Herbert Gessner erklärte, ist der Naturpark Haßberge auf der Suche nach ökologischen Maßnahmen, die zu 100 Prozent gefördert werden. Da musste der Ausschuss nicht lange überlegen, der Maßnahme zuzustimmen. Dringend sanierungsbedürftig ist auch Waldlehrpfad für Kinder am Sambachshof. Dazu will man sich aber drei Jahre Zeit lassen, aber kurzfristig dafür sorgen, dass die Wege auch für Rollstuhlfahrer wieder besser passierbar sind.  

Sollte es mehr regnen, werden auch wieder mehr Pflanzen gesetzt 

Sollte es mehr regnen, könnten auch wieder deutlich mehr Pflanzen gesetzt werden, als die rund 50 000 in diesem Jahr, in dem es die anhaltenden Trockenheit ratsam erscheinen ließ, sich Zurückhaltung aufzuerlegen, wie Gessner weiter erläuterte. Der Förster machte darauf aufmerksam, dass Nachbesserungen in Wiederaufforstungsflächen auch gefördert werden. Mancherorts waren bis zu 50 Prozent der jungen Pflanzen vertrocknet. 

Vom großen Kahlfraß durch die Schwammspinner sind die Königshöfer Eichenwälder verschont geblieben. Forstdirektor Wilhelm Schmalen führt das auf den Frosteinbruch im Frühjahr zurück, der dazu geführt hat, dass die Eichen später ausgetrieben haben und die Schwammspinner-Raupen ihr bevorzugtes Futter nicht fanden. Im kommenden Jahr jedenfalls müsste in keinem der Standorte im Königshöfer Wald gegen den Schwammspinner vorgegangen werden.         

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