Bad Neustadt

Kommentar: Impfportal: Viel Lärm um ein paar Klicks

Stellt die Anmeldung im bayerischen Impfportal für viele wirklich eine unüberwindbare Hürde dar? Unser Autor meint, dass es notfalls auch gemeinsam zu schaffen sei.
Über das Onlineportal des Bayerischen Impfzentrums können sich seit kurzem alle Impfwilligen für die spätere Impfung registrieren. 
Foto: Björn Hein | Über das Onlineportal des Bayerischen Impfzentrums können sich seit kurzem alle Impfwilligen für die spätere Impfung registrieren. 

Man kann es nie allen recht machen. Diese universelle Redewendung trifft auf viele Lebensbereiche zu, so auch zum aktuellen Dauerbrenner-Thema, die Anmeldung im bayerischen Impfportal.

Seit der vergangenen Woche ist es mit einigen Mausklicks möglich, sich bequem vom heimischen Computer aus online für einen Impftermin gegen das Coronavirus anzumelden, wann auch immer er sein wird. Der Aufschrei war gleich groß, wie kompliziert die Anmeldung sei. Zugegeben: Es mag, und das ist offenbar nun auch bis nach München durchgedrungen, Verbesserungspotenzial geben, was die für die Registrierung nötige E-Mail-Adresse angeht. Bislang, und das ist übrigens gängige Praxis im Internet im Hinblick auf das Anlegen von Benutzerkonten, kann eine E-Mail-Adresse nur für eine einzige Impfanmeldung genutzt werden. Jede weitere Anmeldung des Partners oder von Verwandten benötigt aus Gründen der Datensicherheit eine eigene Adresse.

Aber ist es der Bevölkerung im 21. Jahrhundert wirklich nicht zuzumuten, gegebenenfalls innerhalb von weniger Minuten eine neue E-Mail-Adresse anzulegen? Oder den Arbeitgeber zu bitten, seine dienstliche Adresse nutzen zu dürfen? Natürlich ist es möglich und wahrscheinlich, dass sich ältere Menschen mit der Bedienung des Onlineportals schwerer tun als Menschen, die tagtäglich im Internet unterwegs sind, womöglich gar mit diesem aufgewachsen sind. Aber findet sich für diese Menschen wirklich keine Hilfe von Verwandten oder Freunden, die einem bei der Anmeldung unter die Arme greifen können? Gerade zu Beginn der Corona-Krise hörte man doch vielerorts von einem gestärkten Zusammengehörigkeitsgefühl, was beispielsweise das Übernehmen von Wocheneinkäufen für Risikogruppen angeht. Das könnte man auch jetzt (wieder) zeigen.

Als letzten "Rettungsanker" gibt es ja zurecht immer noch die Möglichkeit, sich telefonisch direkt im Rhön-Grabfelder Impfzentrum anzumelden. Man sollte sich aber vorher fragen, ob man diesen Anker wirklich benutzen muss und vorher alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat oder, ob man die zuletzt stark beanspruchten Telefonleitungen für diejenigen Impfwilligen offen hält, die sie wirklich benötigen. Ob das für die gesamten zwei Drittel der Rhön-Grabfelder zutrifft, die zuletzt laut Landratsamt die telefonische Anmeldung der Online-Variante vorgezogen haben, scheint fraglich. Zumal sich daraus kein Vorteil hinsichtlich eines schnelleren Impftermins ergibt.

Ein Blick nach Hessen zeigt, dass wir in Bayern auf höherem Niveau jammern. Dort kann man sich zwar mittlerweile online registrieren, aber einen Termin erhält man (bislang) nur per Telefon. Hat man es nach unzähligen Besetzt-Versuchen geschafft, endlich durchzukommen, bleibt man noch für etwa 15 Minuten in der Warteschleife - um dann zu erfahren, dass derzeit leider kein Impftermin frei ist und man es nochmals versuchen soll.

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