Bad Neustadt

Leserforum: Maximale Sorgfalt sieht anders aus

Zum Artikel "Morsche Bäume müssen weichen" vom 18. Januar 2020 erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

Wie dem Artikel „Morsche Bäume müssen weichen“ zu entnehmen war, werden aktuell im Waldstück zwischen der Neurologischen Klinik und der Burgstraße im größeren Umfang auf etwa 4000 Quadratmetern Bäume gefällt.

Sicherlich an der einen oder anderen Stelle notwendig, denn der Klimawandel ist längst auch in Bad Neustadt angekommen und zeigt auch hier bereits seine schlimmen Auswirkungen. Trockenperioden, als auch schwere Stürme in der Region haben zweifelsohne dazu beigetragen, dass Bäume vom Einsturz gefährdet, direkte Anwohner beunruhigt sind und um Abhilfe gebeten haben. Doch nun das blanke Entsetzen!

Es ist davon auszugehen, dass auch der mangelnde Grundwasserspiegel für die schleichende Erkrankung der Bäume (in der Regel Flachwurzler) in diesem Areal ursächlich ist. Inwieweit der latente Wassermangel an den Wurzeln der Bäume mit der enormen Flächenversiegelung am Campusgelände korreliert, bedarf einer näheren Untersuchung, er ist allerdings naheliegend.

Die Behauptung „eines mit maximaler Sorgfalt durchgeführtes Entnehmen abgestorbener Bäume“ ist erstmal kritisch zu hinterfragen – zumal aus Gesprächen mit den Arbeitern zu erkennen war, dass eine Rodung aus arbeitstechnischer Sicht auch an gesunden Bäumen stattfinden muss. Anscheinend wurde die Gefährdung der Anwohnergrundstücke durch einzelne sturmgebeutelte Bäume gleich als Blankoscheck genutzt, das gesamte Waldstück zu roden.

Und das Fällen der Bäume geht unverändert weiter! Interessanterweise hat man sich bei Anwohnern für den entstehenden Lärm, der durch das „schwere Gerät“ beim Fällen einzelner Bäume entsteht, im Vorfeld entschuldigt. Gleichwohl stellt sich mir die Frage, ob eine reine Entschuldigung ausreicht, damit der permanente Verkehrslärm am Campus zukünftig mit nur einzelnen Bäumen „geschluckt“ werden kann.

Mal ganz davon abgesehen, dass dieses Waldstück den Anwohnern nicht nur als Lärmschutz, sondern auch als Sichtschutz gedient hat. Oder wem gefällt es schon, wenn man ab sofort in seinem Wohnzimmer oder Garten wie auf einem Präsentierteller sitzt?

Hunderte jahrzehntealte Bäume wurden kurzerhand handstreichartig gefällt. Es ist mehr als besorgniserregend, wenn gerade im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels seitens der zuständigen Behörden dem Erhalt der Natur auch in unserer Stadt so wenig Bedeutung beigemessen wird. Wo bleibt eigentlich der Aufschrei unserer gewählten grünen Volksvertreter?

Im Gegenteil, es wird seitens der Stadt offensichtlich hart darum gerungen, gerade in diesem Gebiet ein weiteres Bauvorhaben mit enormer Dimension und seinen absehbaren negativen Folgen für Mensch und Natur auf den Weg zu bringen. Da trösten und helfen auch keine sogenannten Ausgleichsflächen, die kilometerweit entfernt sind und Bäume erstmal gepflanzt werden müssen. Im Übrigen ist diese Maßnahme, haben wir ja anlässlich der Bürgerversammlung von unserem Bürgermeister gelernt, ohnehin für das Weltklima bedeutungslos.

Die Aussage, dass das betroffene Areal nach dem „Eingriff“ wieder der Natur überlassen werden soll, ist kein Trost und erscheint völlig unglaubwürdig. Als Bürger der direkt durch die Auswirkungen und Belastungen durch den Campus Betroffenen, der vielen Menschen zur Heilung verhilft, muss ich leider sagen: Der Campus macht mich krank!

Philip Graf
97616 Bad Neustadt

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