Mellrichstadt

Mellrichstadt: "Corona"-Faschingsorden per Greifzange im Drive-in

Mellrichstadts Bürgermeister Michael Kraus (links) überreichte beim Drive-in im Namen der MKG Mellrichstadt Orden an Mitglieder der MKG-Garden.
Foto: Brigitte Gbureck | Mellrichstadts Bürgermeister Michael Kraus (links) überreichte beim Drive-in im Namen der MKG Mellrichstadt Orden an Mitglieder der MKG-Garden.

Ralf "Hött" Heuss, seines Zeichens 2. Präsident der Mellrichstädter Karnevalsgesellschaft (MKG), hatte die zündende Idee oder die "göttliche Eingebung", wie er es scherzhaft nannte. Und zwar, den diesjährigen MKG-Orden coronakonform in einem "Drive-in" zu verleihen. Dazu hatten die Verantwortlichen vor dem Eingang zu ihrer Halle ein Zelt aufgebaut, an dem die Ordensempfänger vorfahren und ihren "Corona"-Orden in Empfang nehmen konnten, der ihnen von Bürgermeister Michael Kraus höchstpersönlich mit einer Greifzange zugereicht wurde.

Ordensempfänger waren die Purzel-, Kinder-, Junioren- und großen Garden sowie die MKG-Damen, alle Elfer und Helfer und aktiven Vereinsmitglieder. Zeitlich abgestimmt fuhr jede Gruppe über den Hohlweg kommend vor und wurde neben dem Orden von den Trainerinnen aus der Stadtkasse mit Gummibärchen oder - wenn sie über 15 Jahre alt waren - mit einer FFP2-Maske beschenkt.

Ein Rathausstürmchen in diesem Jahr

Klammheimlich und weitgehend ohne Publikum ging am 27. Januar der Rathaussturm - eigentlich war es ein Stürmchen - über die Bühne und wurde über die virtuelle Schiene Facebook und Instagram verbreitet. Präsident Volker Gue, diesmal ohne das sonstige Gefolge, lieferte sich mit Bürgermeister Michael Kraus - für diesen war es seine Premiere - das übliche Geplänkel, um am Ende doch den Rathausschlüssel zu ergattern.

Volker Gue, 1. Präsident der Mellrichstädter Karnevalsgesellschaft (links), überreichte den diesjährigen Corona-Faschingsorden der MKG an Bürgermeister Michael Kraus.
Foto: Brigitte Gbureck | Volker Gue, 1. Präsident der Mellrichstädter Karnevalsgesellschaft (links), überreichte den diesjährigen Corona-Faschingsorden der MKG an Bürgermeister Michael Kraus.

Volker Gue und sein Vize Thomas Dietz plauderten nebenher ein wenig aus dem Nähkästchen. In schweren Zeiten müssten alle zusammenhalten, waren sich beide einig. Schwierig sei die Zeit besonders für die Kinder, da sie kein Training hätten. Im Moment fänden auch keinerlei Präsenzveranstaltungen statt. Diese "Ordensverleihung" mit eigenem Hygienekonzept sei vom Landratsamt genehmigt worden.

Rückblick auf eine noch "normale" Session

Die Session 2019/2020 lief noch normal, zeigte Thomas Dietz im Rückblick auf. Beim Herbstball am 15. Dezember 2019 wurde mit Kathrin und Holger Krieg das Prinzenpaar vorgestellt. Der Rathaussturm fand letztmalig mit Bürgermeister Eberhard Streit statt. Es folgten die beiden Prunksitzungen, die Narrennachwuchssitzung, die Seniorensitzung, der Altweiberfasching und als Höhepunkt am Faschingswochenende der eigene Umzug.

Die Garden würden in der Regel im April/Mai bis zur Sommerpause mit dem Training beginnen, im November würden die Schautänze dann stehen, im Dezember der Gardetanz. Nach der Weihnachtszeit steht der Fasching im Fokus. Gespräche mit den Gastvereinen stehen an, Bestuhlungspläne sind zu erstellen, das Aktive Mellrichstadt (AM) übernimmt den Kartenvorverkauf. Zwischen den Feiertagen erfolgt der Bühnenaufbau in der Oskar-Herbig-Halle, wo dann auch die Proben komplett laufen.

Wie sieht der normale Ablauf aus?

Nach Neujahr wird der Belegungsplan für die Halle erstellt. Das Technikteam kommt zum Zug, fast jeden Abend trainieren Garden, Männerballett und MKG-Damen. Mit der Generalprobe nach dem Rathaussturm kann die erste Prunksitzung kommen. Gewachsene Strukturen sind von Vorteil, vieles läuft von alleine. Sobald das Prinzenpaar feststeht, geht es an den Wagenbau. Im letzten Jahr um diese Zeit sei die Umzugsplanung schon gelaufen, verriet Thomas Dietz. Ab Anfang Januar trifft sich die Vorstandschaft jeden Montag die ganze Faschingszeit hindurch, wirft Volker Gue ein. Am Aschermittwoch wird das Resümee gezogen und das Augenmerk darauf gelenkt, was verbessert werden kann. Und dann geht es schon Richtung Sommerfest.

Thomas Dietz bekennt, dass er als klassischer "Vollblut"-Faschingstyp acht Wochen Vollgas gibt und es dann langsamer angehen lässt. Vorstand und Elferräte hätten immer etwas zu tun. Von vier Faschingswagen ist man inzwischen auf zwei umgestiegen, die im Sommer gebaut werden. Dazu wurden 700 Quadratmeter Hof gepflastert. Wichtig sei das Miteinander, betont er. Faszinierend sei, dass im Verein der Spagat zwischen dem jüngsten Dreijährigen bis zum betagten Toni Grönen mit 90 Jahren gelingt.

Hoffnung zerschlug sich

Am Aschermittwoch 2020 wurde noch aufgeräumt und der Hering gegessen - und dann schlug Corona zu. In kleinen Einheiten konnten in der Folgezeit Reparaturen durchgeführt werden. Das Sicherheitskonzept musste überarbeitet werden, immer neue Regelungen und Verpflichtungen waren zu beachten. Es stand die Überlegung im Raum, in der Session 2020/2021 einen Tanz oder eine kleine Veranstaltung, vielleicht auf dem Marktplatz, abzuhalten, dabei schwang die Hoffnung mit, den Rathaussturm zu machen. Aber das war nicht umsetzbar.

Auch der Kinderfasching spukte noch im Hinterkopf. Volker Gue hat derweil die Hoffnung, dass sie im nächsten Jahr wieder Fasching genießen und zelebrieren können. Im Moment sei alles runtergefahren, nicht einmal ein Prinzenpaar gibt es. Sie würden versuchen, die Mitglieder zu motivieren und hoffen, dass bald geordnete Zeiten kommen.

Festgerüst steht, ist aber flexibel

Der Terminplan von Thomas Dietz läuft drei Jahre voraus. Gedanklich hat er Gästeeinladungen, Absprachen und Sitzungen bereits für drei bis vier Jahre auf dem Schirm. Auch für das kommende Jahr steht der "normale" Plan schon. Was genehmigt wird, werde man sehen. Für dieses Jahr stand eigentlich noch auf der Agenda, die Lebenshilfe, die 50. Jubiläum feierte und mit der immer eine gemeinsame Sitzung abgehalten wurde, mit einzubauen. Das wäre der erste Festakt der Lebenshilfe gewesen. Vielleicht klappt es im nächsten Jahr, das Festgerüst steht, sie seien aber auch flexibel, betonte Thomas Dietz.

Zum Umzug meinte er: "Wenn ich ihn organisiert hab und er steht, braucht mich am (Faschings-)Sonntag keiner was fragen, ich kann dann nichts mehr lösen." Aber professionell wie er ist, hat er bis dahin eh alles gelöst. Wie seine Frau Petra verriet, hatten sie am Abend, als Fastnacht in Franken übertragen wurde, einen "Fastnachtsschoppen" getrunken. Das nennt man Vollblut-Narren.

So sieht der diesjährige Corona-Faschingsorden aus, den MKG-Präsident Volker Gue in Händen hält.
Foto: Brigitte Gbureck  | So sieht der diesjährige Corona-Faschingsorden aus, den MKG-Präsident Volker Gue in Händen hält.
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