Bad Neustadt

Als die Bälle noch durch den Kurpark rollten

2003 wurde die Minigolf-Anlage im Kurpark abgebaut. Warum die Planungen für eine neue Bahn scheiterten und welche Ideen Familie Griebel für die Zukunft des Sports in Bad Neustadt hat.
Bis 2003 konnte im Bad Neustädter Kurpark Minigolf gespielt werden, wie unser Archivfoto zeigt. Dann wurde die Anlage abgebaut. Die Errichtung einer neuen Minigolf-Bahn, für die sich die Freien Wähler stark machten, scheiterte 2005. Erst 15 Jahre später kam das Thema Minigolf in Bad Neustadt wieder auf.
Foto: Brigitte Chellouche | Bis 2003 konnte im Bad Neustädter Kurpark Minigolf gespielt werden, wie unser Archivfoto zeigt. Dann wurde die Anlage abgebaut.

"Pfanni Knödel - stets frisch - mit Verbrauchsdatum", so warb eine Anzeige in der Rhön- und Saalepost vom 14. Juni 1963. Frisch war auch die Attraktion, die im darüber platzierten Bericht stolz als neuer Anziehungspunkt im Kurpark angepriesen wurde: Eine Minigolf-Sportanlage, von welchen es damals in ganz Deutschland nur rund 100 gab. Ihr Verbrauchsdatum aber sollte die Anlage - im Gegensatz zu den angepriesenen Knödeln - erst 40 Jahre später erreichen. 2003 wurde sie geschlossen, die Planungen für die Errichtung einer neuen Minigolfbahn scheiterten 2005. Das Thema geriet in Vergessenheit, bis Familie Griebel in diesem Sommer mit ihrer mobilen Minigolf-Anlage beim Neuschter Sommerfleck einen neuen Versuch wagte.

In der Rhön- und Saalepost vom 14. Juni 1963 wurde die Minigolf-Anlage als neue Attraktion im Kurpark angepriesen. Die Anlage war damals so frisch wie die in der darunter platzierten Anzeige beworbenen Pfanni Knödel, ihr Verbrauchsdatum erreichte sie 40 Jahre später und wurde abgebaut.
Foto: Repro Kristina Kunzmann | In der Rhön- und Saalepost vom 14. Juni 1963 wurde die Minigolf-Anlage als neue Attraktion im Kurpark angepriesen.

Mit der Minigolfanlage neben dem Schwanenteich im Kurpark plante die Kurverwaltung 1963 laut Bericht, eine "weitere erholsame Betätigungsmöglichkeit als Bereicherung des Kurprogramms". Der körperliche Kraftaufwand sei hierbei nicht so erheblich wie bei anderen Sportarten und die Dauer des Trainings könne auf die jeweilige körperliche Konstitution des Einzelnen abgestimmt werden, hieß es damals.

Bahn existierte fast 40 Jahre

Beinahe vier Jahrzehnte lang tat die Anlage ihren Dienst und brachte Einheimischen und Kurgästen das auch als "Golf des schmalen Geldbeutels" bezeichnete Minigolf näher. Im Jahr 2003 schließlich kamen mehrere Probleme zusammen, die das Ende der Anlage einläuteten. Ein starkes Hochwasser im Januar ließ die Saale und den Mühlbach über die Ufer treten. Da die Anlage ohnehin bereits in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig war, hätte sich laut Jörg Rieger (damaliger Heilbad-Geschäftsführer) eine Investition oder Renovierung nicht mehr gelohnt.

Außerdem habe sich das Freizeitverhalten der Menschen sehr verändert, es gebe einfach zu viele andere Angebote, gab Rieger zu bedenken. Und so verkündete er in der Jahreshauptversammlung des Kur- und Verkehrsvereins im Mai 2003, dass die Minigolf-Anlage und auch der Tennisplatz im Kurpark abgebaut werden. Das Aus kam damals überraschend, hatte es doch noch im Dezember 2002 Gespräche über eine Sanierung gegeben.

"Wir halten den Teich für das Gesamtbild des Kurparks für wichtiger. Wir haben Prioritäten gesetzt."
Jörg Rieger, damaliger Heilbad-Geschäftsführer, 2003 zur Schließung der Tennis- und Minigolfanlagen im Kurpark

Freie Wähler um Bernhard Mosandl wünschen sich eine neue Anlage

Die hohen veranschlagten Kosten von rund 100 000 Euro für die Herrichtung von Gebäude und Sportanlagen führten dann jedoch zum Aus der Anlagen für Minigolf und Tennis. Folglich kündigte die Heilbad Bad Neustadt GmbH den Vertrag mit der letzten Betreiberin Margit Kromer, die freigewordene Fläche wurde dem Kurpark zugeführt.

Bernhard Mosandl, damals Kurdirektor von Bad Neustadt und für die Freien Wähler im Stadtrat, äußerte laut der Berichterstattung zwar sein Bedauern über die Entscheidung. Dennoch könne er die finanziellen Gründe nachvollziehen. Das Thema Minigolf jedoch schien ihn nicht loszulassen. Im September 2004 legte er mit seiner Freie-Wähler-Stadtratsfraktion dem Bauausschuss einen Antrag auf Errichtung einer neuen Minigolfanlage vor, die von der Kurverwaltung mitbetreut werden könnte. Die Freien Wähler stellten sich diese als Anziehungspunkt für Minigolf-Turniere und -meisterschaften vor, was aus ihrer Sicht wiederum die Übernachtungszahlen hätte steigern können.

In der Luitpoldaue (Archivfoto) sollte 2005 ein neuer Minigolf-Platz errichtet werden. Dies wurde jedoch nie verwirklicht.
Foto: Brigitte Chellouche | In der Luitpoldaue (Archivfoto) sollte 2005 ein neuer Minigolf-Platz errichtet werden. Dies wurde jedoch nie verwirklicht.

Überlegungen sorgten für Diskussionen mit den Anwohnern

Allerdings wollten sie die Anlage nicht im Kurpark, sondern in der Mühlbacher Luitpoldaue entstehen lassen. Und zwar zwischen Löhriether Graben und Flutgraben und mit einem mobilen Kassenhäuschen, um die Hochwassergefahr zu minimieren. Im Antrag vorgeschlagen wurde eine Anlage mit wenig Wartungsaufwand und Kosten von etwa 65 000 Euro. Bandenwerbung an jedem der Hindernisse könne zur Finanzierung beitragen, meinten die Freien Wähler.

"Mit dem Abbau der Minigolf-Anlage war mir sofort bewusst, dass künftig etwas fehlen wird im Bereich Tourismus und Freizeit."
Bernhard Mosandl, ehemaliger Bad Neustädter Kurdirektor und Freie-Wähler-Stadtrat

"Mit dem Abbau der Minigolf-Anlage war mir sofort bewusst, dass künftig etwas fehlen wird im Bereich Tourismus und Freizeit", erinnert sich Bernhard Mosandl 17 Jahre später auf Nachfrage. Deren Hauptziel sei gewesen, das Kurviertel zu beleben und aufzuwerten. "In der Luitpoldaue wurde gerade das Tretbecken gebaut, die Infrastruktur war also da. Das Haus am Park hatte sich bereit erklärt, die Schlägerausgabe zu übernehmen. Im Gegenzug hätten die Leute dort vielleicht noch etwas gegessen oder getrunken. Toiletten wären im Haus am Park nutzbar gewesen oder eben im Mühlbacher Bürgerhaus."

Lärmbelästigung, Toilettenfrage und Wasserschutz als größte Bedenken

Heftigen Gegenwind erfuhren die Überlegungen dann aber in der Mühlbacher Bürgerversammlung im März 2005, geht aus einem Zeitungsbericht hervor. Vor allem die fehlenden Sanitäranlagen bereiteten den Anwohnern Sorgen, jene im Mühlbacher Bürgerhaus seien zu weit weg. "Die gehen dann halt einfach in die Büsche", äußerte ein Mühlbacher seine Befürchtung. Außerdem wolle man im Wasserschutzgebiet keine Minigolf-Bahn haben, auch gebe es zu wenig Parkmöglichkeiten. Des Weiteren waren Lärmbelästigung und eine mögliche Verschmutzung des Geländes die größten Kritikpunkte, erinnert sich Mosandl.

"Die gehen dann halt einfach in die Büsche."
Ein Mühlbacher 2005 bei der Diskussion über eine neue Minigolfanlage in der Luitpoldaue

Der damalige Bad Neustädter Bürgermeister Bruno Altrichter verteidigte eine solche Anlage als "attraktive Möglichkeit zur Freizeitgestaltung". Bernhard Mosandl meinte, man wolle mit der Anlage den Stadtteil voranbringen. Doch die Bürger ließen sich nicht umstimmen: "Schade war das schon. Aber gegen Nachbars Stimme kann man eben nichts ausrichten", sagt Mosandl heute. Und so wurde der Antrag auf die Errichtung einer neuen Minigolf-Anlage nie im Stadtrat gestellt.

"Meiner Meinung nach ist Minigolf auch heute noch modern. Da kann der Opa mit dem Enkel spielen - völlig altersunabhängig. Der Bedarf ist auf jeden Fall da und es lohnt sich, eine solche zu betreiben. Deshalb finde ich auch die Idee von Familie Griebel mit der mobilen Minigolfanlage sinnvoll", lobt Mosandl.

Am 26. Juni 2020 eröffnete Familie Griebel ihren Sommerfleck mit Minigolf-Bahn. In unserem Archivfoto probiert Bürgermeister Michael Werner die Minigolf-Bahnen aus. Veranstalter Manfred Griebel (Zweiter von links) möchte das Thema Minigolf in Bad Neustadt weiter verfolgen.
Foto: Stefan Kritzer | Am 26. Juni 2020 eröffnete Familie Griebel ihren Sommerfleck mit Minigolf-Bahn. In unserem Archivfoto probiert Bürgermeister Michael Werner die Minigolf-Bahnen aus.

Renaissance des Minigolf in Bad Neustadt soll weitergehen

Die Betreiber sind mit ihrem Sommerfleck am Festplatz, der neben der mobilen Minigolfanlage einen Biergarten beinhaltet, sehr zufrieden: "Es läuft sehr gut und wird super angenommen. Umso erfreulicher, da wir das Angebot ja quasi aus dem Boden gestampft haben. Die Leute bleiben lange sitzen. Ziel von Stadt, Landkreis und uns als Betreibern war es immer, etwas für Familien zu bieten. Mit dem Sommerfleck funktioniert das hervorragend", bilanziert Manfred Griebel rund sechs Wochen nach der Eröffnung.

Bis in den Oktober hinein solle die Bahn auf jeden Fall stehen bleiben, auch ein Spätsommer-/Herbst-Programm sei bereits in Planung, man wolle dabei noch etwas Wärme und Musik in den Sommerfleck bringen. "Vielleicht wird bis dahin ja endlich der Bahnrekord geknackt. Der steht immer noch bei 34 - und das seit Anfang Juli", erzählt Griebel und lacht dabei.

Auch in Zukunft möchte die Familie Griebel dem Minigolf in der "Stadt mit Herz" einen festen Platz bewahren, versichert Manfred Griebel. Planungen und Ideen habe man bereits viele, auch in Richtung einer fest installierten Bahn gehen die Gedankenspiele. Auf der Suche nach einem Ort hierfür sei man bereits. "Wir werden das Thema Minigolf auf keinen Fall aussetzen. Es wird weitergehen, egal ob mit einer mobilen oder fest installierten Anlage. Denn das Interesse an dieser Sportart, das war und ist noch immer da", sagt Griebel. Man darf also gespannt sein, wo in Zukunft in Bad Neustadt Minigolf gespielt werden wird. Rollen werden die Bälle auf jeden Fall.

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