Mellrichstadt

Mit Toni Grönen wurde ein Mellrichstädter Urgestein 90 Jahre alt

Toni Grönen feierte seinen 90. Geburtstag, wozu ihm Bürgermeister Michael Kraus seitens der Stadt und des Stadtrates gratulierte.
Foto: Brigitte Gbureck | Toni Grönen feierte seinen 90. Geburtstag, wozu ihm Bürgermeister Michael Kraus seitens der Stadt und des Stadtrates gratulierte.

Am 21. Januar 1931 kam er als Sohn des Ehepaares Franz und Sophie Grönen in Mellrichstadt zur Welt: Toni Grönen, ein echtes Mellrichstädter Urgestein. Mit zur Familie gehörten noch die ältere Schwester Anni und die jüngere Inge. In Mellrichstadt ging er in die Volksschule und in Bad Neustadt in die Mittelschule. Von Frühjahr bis Herbst waren die Schüler oft mit vielen Jugendlichen als fahrendes Volk unterwegs und belegten die Zeltlager. Meist waren es Ministranten, die den damaligen Kaplan Karl Dietz als Vorbild hatten.

Das Kriegsende hat Toni Grönen in schlimmer Erinnerung. Vom Zuchthaus Untermaßfeld kommend, fuhr er mit 60 Jugendlichen unter Begleitung von SS-Angehörigen Richtung Nürnberg. Aber schon am Reuthof wurde der Tross gestoppt und alle Jugendlichen aus dem Raum Mellrichstadt zurück nach Mellrichstadt geschickt, wo sie neue Aufgaben bekamen. Toni Grönen wurde zum Lazarett geschickt, er musste Verbandsmaterial holen und zum Eisteich fahren. Dort standen vier SS-Angehörige, den Deserteuren wurden die Augen mit den Binden zugebunden. Anschließend wurden sie erschossen.

Den Beruf des Schreiners und Designers erlernt

Sein Großvater hat ihn später zu Adam Hohmann geschickt, der beim heutigen Pfarrhaus seine Schreinerei hatte. Dort hat er den Beruf des Schreiners und Designers für Furnier erlernt. Als er 1950 im Tanzlokal von Oelschlägel (heute Holzwurm) Hans Weihrauch begegnete, war das der Auftakt zu einer Beschäftigung als Betriebsschreiner in dessen Firma. Irgendwie hat er dort auch zur Familie gehört. Seine spätere Ehefrau Hedwig hat insgesamt 16 Kinder als Tagesmutter großgezogen. Bis zu ihrem Tod wurde sie immer noch als "Tante Hedy" angesprochen.

Im Beschussbunker der Firma Weihrauch besuchte ihn eines Tages Alex Werner, der ihm vorschlug, für das Rote Kreuz zu fahren. Daraus wurde 1972 eine hauptamtliche Position beim BRK. Ehrenamtlich war er 47 Jahre bei dieser Institution tätig gewesen, zunächst als Ersthelfer. Mit Erich Schmitt, Schulrektor in Ostheim, hatte er in den Schulen Erste-Hilfe-Kurse durchgeführt. Die Wache war zuerst bei Dr. Eger am Marktplatz (heute Malergeschäft Fritz Büchs) untergebracht. Viele Auszeichnungen hat er von dieser Hilfsorganisation erhalten: das Ehrenzeichen am Bande, mehrere Auszeichnungen in Gold für besondere Dienste und den großen Verdienstorden. 1994 ging der Jubilar dann in den Ruhestand.

Ehefrau beim Kirchweihtanz kennengelernt

Beim Kirchweihtanz in Hendungen hatte er seine Hedwig kennengelernt, wo er mit der Stadtkapelle zum Tanz aufgespielt hat. "Wir kommen morgen mal bei dir vorbei", versprach Hedwig und kam tatsächlich am nächsten Tag mit einer Freundin per Fahrrad nach Mellrichstadt. Das gipfelte am 5. Januar 1954 in der Hochzeit in Hendungen. Daraus sind dann über 65 Ehejahre geworden. 1960 kam Sohn Hans-Werner auf die Welt, der gleich nach der Geburt verstorben ist. 1961 kamen Sohn Jürgen, der heute in Overath bei Köln wohnt, und 1964 Sohn Klaus, der mit seiner Partnerin in Würzburg lebt, hinzu. Sechs Enkelkinder und ein Urenkel gehören mittlerweile zur Familie. Vor einem Jahr ist Ehefrau Hedwig gestorben, seitdem lebt Toni Grönen allein im Haus, unterstützt von zwei hilfsbereiten Zugehfrauen.

Toni Grönen und seine Frau waren sehr gesellig. Beredtes Zeugnis davon geben die vielen Mitgliedschaften mit Auszeichnungen in Vereinen. Seit 1972 ist er Mitglied im Schützenverein, bekam die Auszeichnung Schützenbund in Gold und hat beim Bau der Halle mitgeholfen. Er und seine Hedwig haben dort die Gastronomie geführt. Seit 1954 ist er Mitglied im Obst- und Gartenbauverein, 20 Jahre gehörte er der Feuerwehr an und wurde für besondere Verdienste ausgezeichnet. Mit Musik ist er groß geworden, hat mit sieben Jahren bei "Papa Troll" das Geige spielen gelernt. Was lag näher, als sich dem Sängerverein anzuschließen, hier erhielt er die goldene Ehrennadel. 1941 war er Mitglied im Fanfarenzug und hat 1946 die Stadtkapelle mitbegründet, die unter Max Herbert geführt wurde. Als Kolpingmitglied, geehrt mit der goldenen Ehrennadel, ist er 1946 nach Köln gefahren und hat beim Ausgraben des Kolpinggrabes in der Menoritenkirche mitgeholfen. Durch den Sängerverein ist er auch zur MKG gekommen, deren Ehren-Elferrat er ist und den "Till von Franken" bekam. Durch Klaus Seemann kam er zu den Segelfliegern.

Feier zum Geburtstag wird verschoben

Und auch der Schutz- und Polizeihundeverein (heute Hundefreunde) zählt ihn zu seinen Mitgliedern und verlieh ihm das Ehrenzeichen in Gold. Gerne denkt er auch an ein Großereignis jüngerer Zeit zurück, als die BR-Radltour in Mellrichstadt ihren fulminanten Abschluss fand. Damals sind auch ein Sohn mit seiner Frau mitgeradelt und Hedwig und Toni Grönen haben sie zusammen mit Tausenden Schaulustigen freudig mit einem Plakat empfangen.

Man könnte Toni Grönen noch lange zuhören, der so viele Geschichten zu erzählen weiß und in Erinnerungen schwelgt. Mit seinen 90 Jahren kann er auf ein reichhaltiges und erfülltes Leben zurückblicken. Die Feier zu seinem 90. Geburtstag muss er wegen der aktuellen Corona-Lage verschieben und verspricht seinen eingeladenen Gästen, "es dann mal wie die Queen in England" zu machen und vielleicht im Sommer zu feiern.

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