Sandberg

"Natur unvergesslich": Demenzprojekt der Gemeinde Sandberg gestartet

Die Gemeinde Sandberg bekommt im Rahmen der bundesweiten 'Allianz für Menschen mit Demenz' eine  dreijährigen Projektförderung. Zum Projektstart stellten Bürgermeisterin Sonja Reubelt und Martina Heinrich das Projekt und sein Logo vor.
Foto: Marion Eckert | Die Gemeinde Sandberg bekommt im Rahmen der bundesweiten "Allianz für Menschen mit Demenz" eine dreijährigen Projektförderung.

"Natur unvergesslich" – ein schöner und einprägsamer Begriff, der Assoziationen zu Naturnähe und wertvollen Lebenserinnerungen weckt. Das Logo, von Anna Heinrich (Schönau) entworfen, ist ebenso gestaltet, zwei Personen, eine jüngere und ältere reichen sich die Hand. Oder sind es zwei Bäume?

Der Titel "Natur unvergesslich" gehört zu dem Projekt  "Rhöner Walderleben für Menschen mit Demenz", für das sich die Gemeinde Sandberg im Rahmen der bundesweiten "Allianz für Menschen mit Demenz" im August 2020 bewarb und den Zuschlag erhielt.  Für drei Jahre wird das Projekt vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben mit jeweils 10 000 Euro jährlich, also insgesamt 30 000 Euro gefördert. Die Gemeinde Sandberg geht von Projektkosten in Höhe von etwa 37 000 Euro aus.  

Strahlkraft für die ganze Region

Martina Heinrich aus Schönau wurde als Koordination und Projektmanagerin von der Gemeinde Sandberg eingestellt. Doch es ist kein reines Sandberger Projekt, betonte Bürgermeisterin Sonja Reubelt. "Es ist ein Projekt für den gesamten Landkreis, für die Nachbarlandkreise, für die gesamte Region."

Sabine Nasner "Fachkraft für die Walddörfer Senioren" ist auf den Projektaufruf aufmerksam geworden.  Voraussetzung, sich daran zu beteiligen, waren Kooperationspartner, mit denen im Bereich Demenz neue, bisher nicht dagewesene Ideen entwickelt werden. "Wir hatten nur eine Woche Vorlauf für die Bewerbung" erinnert sich Reubelt. Schnell nahm Nasner mit Martina Heinrich Kontakt auf, die ehrenamtlich die Selbsthilfegruppe "Vergiss-Mein-nicht" für Angehörige und die Gruppe "Die Spurensucher" für Betroffene anbietet und sich aufgrund ihrer eigenen familiären Geschichte seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt.

Gemeinsame Waldspaziergänge 

Von Nasners Idee Waldspaziergänge für Menschen mit Demenz anzubieten, waren Martina Heinrich und ihr Mann, Förster Michael Heinrich, sofort überzeugt. "Bei Waldspaziergängen können demente Menschen ihren Bewegungsdrang ausleben. Das Laufen vermittelt dabei ein Stück Selbstbestimmung, die durch die Krankheit in anderen Dingen oft nicht mehr möglich ist", erklärt Martina Heinrich.  "Das Naturerleben bietet ein niederschwelliges Angebot für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen, aber auch für andere Senioren und Interessierte." Es sei auch ein idealer Einstieg für Menschen, die befürchten von einer Demenz betroffen zu sein oder gerade diese Diagnose bekommen haben. Am Beginn der Erkrankung gebe es oft viel Unsicherheit und viele Fragen. Beim Spazierengehen können in einer angenehmen Umgebung Gespräche geführt und Informationen gegeben werden.

Angedacht ist nicht eine Art Pflegeentlastungstag, sondern gemeinsame Stunden für Angehörige und Demenzkranke in einer angenehmen Umgebung. Für  Angehörige könne das bedeuten, dass sie ihrerseits Fragen stellen und Informationen bekommen können, beispielsweise über  Biographiearbeit. "Manchmal tut es auch einfach nur gut, sich mit einer neutralen Person über den Betreuungsalltag austauschen zu können und so die eigenen Kräfte zu stärken." Auch Tabus rund um das Thema Demenz können bearbeitet und abgebaut werden. "Das ermutigt, sich dem Thema zu stellen und kann eine Verbesserung der Lebenssituation aller Beteiligten bewirken."

Wechselnde Themen

Vorgesehen sei, die Waldspaziergänge unter wechselnde Themen zu stellen. Beispielsweise können aus Fundstücken nach dem Spaziergang kleine Kunstwerke gefertigt werden, oder Kräuter und Pflanzen werden bestimmt. "Düfte, Geräusche und haptische Eindrücke, die der Wald bietet, sind unabhängig von kognitiven Leistungen erlebbar und deshalb gerade für demente Menschen wichtig." Als weitere Kooperationspartner konnten hierfür der Rhönklub-Zweigverein Walddörfer mit seiner Vorsitzenden Kathi Cavallo, der Christliche Caritasverein Sandberg sowie Bildhauer Klaus Metz aus Langenleiten gewonnen werden. Außerdem sind die Caritas-Fachstelle für pflegende Angehörige, Martina Heinrichs Selbsthilfegruppen sowie Förster Michael Heinrich offizielle Kooperationspartner.

Neben dem Schwerpunkt Naturerlebnis soll im Landkreis ein Netzwerk aufgebaut werden, das alle Akteure im Bereich Demenz für Angehörige und Betroffene leichter erreichbar macht. Dazu gehört der Aufbau einer Homepage, was derzeit im Rahmen eines Azubiprojekts des Fördervereins für regionale Entwicklung geschieht, und mit  Informationen über bestehende Hilfs- und Informationsangebote, Veranstaltungen und Informationen zum Thema Demenz bestückt wird.

Weitere Projektpartner sollen gewonnen werden, um in Zusammenarbeit mit dem Pflegestützpunkt, den Beratungsstellen und allen, die sich im Landkreis Rhön-Grabfeld dem Thema Demenz widmen, weitere Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu entwickeln.

Der erste Waldspaziergang, an dem nicht nur Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen teilnehmen sollen, ist für Mittwoch, 1. April, von 10 bis 11:30 Uhr in Sandberg vorgesehen. Anmeldung und weitere Information unter Tel.: (0151) 44282280 oder per Mail: natur-unvergesslich@sandberg-rhoen.de Die künftigen Waldspaziergänge sollen nicht nur in Sandbergs Umfeld sondern an wechselnden Orten im Landkreis stattfinden.
mec
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