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Nepal einmal ein wenig anders

Die beiden Sälzer Louis und Alexander Schmitt waren vor der Corona-Krise in Nepal. Doch Sightseeing stand nicht auf dem Programm: Beide arbeiteten vielmehr ehrenamtlich.
Alex (links) und Louis  (rechts) mit dem Englischlehrer (Mitte) während der Trinkpause auf der Baustelle (Hintergrund) in Nepal. Die 182 Schulkinder werden noch aktuell in kleinen Blechhütten (rechts im Bild) unterrichtet. Englischunterricht zählt zu den wichtigsten Fächern.
Alex (links) und Louis (rechts) mit dem Englischlehrer (Mitte) während der Trinkpause auf der Baustelle (Hintergrund) in Nepal. Die 182 Schulkinder werden noch aktuell in kleinen Blechhütten (rechts im Bild) unterrichtet. Englischunterricht zählt zu den wichtigsten Fächern. Foto: Louis Schmitt

Wenn man hierzulande das Wort "Nepal" hört, so denken viele unmittelbar an das exotische, in einigen Bereichen noch unentdeckte und ursprüngliche Asien. Auch der Mount Everest und das mit ihm verbundene Himalaya-Gebirge kommen einem dabei sofort in den Sinn. Doch das Land besteht beileibe nicht nur aus Gebirgszügen: von der Gangestiefebene bis hin zur Hochgebirgsregion hat es auch landschaftlich und kulturell viele Facetten zu bieten. Aufgrund der großen Abgeschiedenheit, gerade in den höhergelegenen Regionen, herrscht hier aber noch einiger Nachholbedarf.

Des Weiteren geht der Wiederaufbau der Häuser, die durch das Erdbeben 2015 zerstört wurden, nur sehr schleppend voran. Besonders neue Schulen fehlen hier oder sind von den Schülern nur über erschwerte Wege erreichbar. Wie in dem im Februar veröffentlichen Artikel haben sich die beiden Cousins Louis und Alexander Schmitt mit ihren drei deutschen Freunden Uwe, Dominik und Markus am 15. Februar auf den Weg nach Nepal gemacht, um dort die durch das Erdbeben zerstörten Schulen wieder aufzubauen.

"Chancen kommen, aber sie verweilen nicht"

Dabei waren sie bei der Non-Profit-Organisation "All Hands and Hearts" unentgeltlich tätig. Getreu dem nepalesischen Sprichwort "Chancen kommen, aber sie verweilen nicht", wollten sich die beiden Cousins damit nicht zufrieden geben, sondern aktiv dagegen etwas tun. Alex und Louis haben rund 3000 Euro gesammelt. Vor Ort soll das Geld dort ausgegeben werden, wo es am dringendsten benötigt wird. Dabei hatten sie zudem noch einiges Glück, dass sie wie geplant am 8. März zurück nach Deutschland kamen, bevor die Corona-Krise weltweit so richtig zuschlug.

Doch bevor sie dort richtig loslegen konnten, hieß es erst einmal irgendwie in die Nähe von Sindhuli, genauer gesagt nach Marin, zu kommen, wo der Arbeitseinsatz stattfand. "Schon die Anreise war ein Abenteuer", erinnert sich Louis zurück. Mit dem Flieger ging es für die beiden von Berlin Tegel zuerst einmal nach Neu-Dehli. Von dort aus fuhren die fünf Helfer aus Deutschland mit dem Nachtzug rund 24 Stunden lang bis nach Jainagar an die Grenze von Nepal. Ein abenteuerliches Unterfangen, für Europäer recht ungewohnt. "Die Räumlichkeiten im Zug waren sehr eng, die Leute schliefen auf dem Boden und auf dem Gang", berichtet Alex. Doch sie genossen die Reise, auch die Landschaft war ein echter Hingucker. Nach einigen Problemen mit dem "Visa on Arrival" nach Nepal mussten die Helfer schlussendlich mit einem Jeep rund sechs Stunden lang zu einem anderen Grenzposten fahren, wo man dann letztendlich die Grenze zu Nepal passieren durfte. Weitere sechs Stunden Busfahrt bis zur Stadt Sindhuli schlossen sich an. Bis man ins Camp kam, das rund 135 Kilometer süd-östlich von der Hauptstadt Kathmandu lag, war man dann noch rund zweieinhalb Stunden mit dem Jeep unterwegs.

Arbeitsreiche Zeit in Nepal

Für die fünf Freunde begann nun eine arbeitsreiche Zeit. Um den Alltag zu entschleunigen, verzichteten Alex und Louis auf das Handy und soziale Medien. "So konnten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und das, was wir hier erleben, bewusst reflektieren", sagt Louis. Ihre Mitreisenden machten allerdings zahlreiche Bilder, so dass die Lage vor Ort ausführlich dokumentiert wurde. "Eine Verpflegung an Arbeitstagen und ein Platz zum Campieren wurde uns gestellt", erklärt Alex.

Bevor mit dem Bau der Schule so richtig begonnen werden konnte, wurde das Camp zuvor von Freiwilligen aufgebaut. "Während ihres Aufenthalts im Februar waren rund 60 Freiwillige aus 15 Nationen, von Deutschland über die USA bis nach Australien, Südamerika, Spanien und Frankreich vor Ort. Wir konnten uns super mit ihnen arrangieren und knüpften durch ihre offene und freundliche Art neue Kontakte", so Louis.

Tagesablauf war genau vorgegeben

Der Tagesablauf war dabei genau vorgegeben. Um 6 Uhr gab es Frühstück, um 7.30 Uhr begann die Arbeit. Nach einer Stunde Mittagspause ging die Arbeit bis 16 Uhr weiter. Um 18 Uhr schloss sich dann eine allabendliche Besprechung an, um 18.30 Uhr war Abendessenszeit. Dann standen nur noch wenige Stunden zur freien Verfügung, bis es dann um 21 Uhr hieß: "Lichter aus". Der Stromgenerator wurde abgeschaltet und die Nachtruhe begann. "Die Richtlinien für das Gemeinwohl mit der Zielsetzung des Projektes waren hier recht konsequent angesetzt", sagt Alex.

Backsteine werden vorbereitet für die Weiterverarbeitung beim Mauern der Gebäude. Im Hintergrund arbeiten die Volunteers am Fundament des Toilettengebäudes. Das Schulprojekt mit dem Wiederaufbau von vier Schulgebäuden und den Toilettenräumen startete im November 2019 und sollte voraussichtlich im Mai 2020 beendet werden, was allerdings wegen der Corona-Krise nicht mehr möglich war.
Backsteine werden vorbereitet für die Weiterverarbeitung beim Mauern der Gebäude. Im Hintergrund arbeiten die Volunteers am Fundament des Toilettengebäudes. Das Schulprojekt mit dem Wiederaufbau von vier Schulgebäuden und den Toilettenräumen startete im November 2019 und sollte voraussichtlich im Mai 2020 beendet werden, was allerdings wegen der Corona-Krise nicht mehr möglich war. Foto: Louis Schmitt

Auf der Baustelle sind insgesamt vier neue Schulgebäude mit Sanitäreinrichtungen geplant, 182 Kinder sollen hier später unterrichtet werden können. "Die Organisation, bei der wir unentgeltlich tätig waren, hat in der Region bisher schon 22 Schulen nach dem Erdbeben 2015 errichtet. Die Infrastruktur wird so verbessert und die Kinder bekommen Zugang zu Bildung. Diese Ziele waren uns sehr wichtig", sind sich Louis und Alex einig. Das Wetter vor Ort sei in den drei Wochen sehr sonnenreich gewesen, allerdings zogen zwei Mal auch teils extreme Unwetter auf, so dass an diesen Tagen nicht gearbeitet werden konnte. Viel ging auf der Baustelle von Hand. So hieß es Backsteine schleppen, Beton mischen, Stahlstreben legen und Löcher buddeln. "Aber für uns war das kein Problem, wir wussten ja, was auf uns zukommt", so Alex. Auch wenn die Nepalesen doch recht zurückhaltend und fast schüchtern waren – hilfsbereit waren sie immer, sagen die beiden. "Das Lebensmotto in Nepal ist ein anderes: Dort arbeitet man, um zu überleben, nicht des Geldes wegen", vergleicht Louis das dortige Leben mit dem in Deutschland. Beiden fiel außerdem auf, dass das Leben dort einfacher gestaltet ist als hierzulande und die Menschen in Nepal auch mit Kleinigkeiten glücklich und zufrieden sind.

Viel Englisch in der Schule

Doch trotz aller Widrigkeiten ist den Eltern in Nepal wichtig, dass ihre Kinder eine ordentliche schulische Bildung erhalten. "In der Schule wird viel Englisch gelernt", haben die beiden beobachtet. Für sie war der Aufenthalt in Nepal eine wichtige Erfahrung. "Das eigentliche Handeln hinterfragt man dabei, wenn man auch mit wenig Besitz zurechtkommen kann. Dies haben die Nepalesen tagtäglich widergespiegelt. Außerdem konnten wir den Menschen vor Ort helfen, so dass sich der Urlaub, den wir für den Arbeitseinsatz genommen haben, allemal gelohnt hat."

Die beiden bedauern ein wenig, dass sie sich nur drei Wochen Zeit nehmen konnten. "Vor Ort waren einige Freiwillige, die drei oder sechs Monate dort waren. Bei einem so langen Aufenthalt bekommt man natürlich noch einmal einen anderen Einblick in die Verhältnisse. Wenn man mit dem ganzen Ablauf vertraut ist, kann man auch Teamleader werden und so seine speziellen Fähigkeiten noch besser einbringen", sagt Louis. "Dennoch konnten wir in der kurzen Zeit viel bewirken und jeder Handgriff hat den Wiederaufbau der Schule vorangebracht", sagen beide. Ihnen ist es wichtig zu betonen, dass die Spendengelder unter Berücksichtigung vieler Aspekte genau dort sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden, wo die Spendengeber es gewünscht haben.

Welche Projekte die beiden vor Ort schon umgesetzt haben und wie die Rückreise während der beginnenden Corona-Krise verlaufen ist, lesen Sie in einem weiteren Bericht.

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