Nordheim

Nordheim: Die Apokalypse im Grünen

Warnschilder sollen Wanderer auf eine neue Gefahr im Wald aufmerksam machen. Revierleiter Andree Link will diese anbringen.
Warnschilder sollen Wanderer auf eine neue Gefahr im Wald aufmerksam machen. Revierleiter Andree Link will diese anbringen. Foto: Eckhard Heise

"Es brennt uns unter den Nägeln, die Bürger über den Zustand des  Waldes zu informieren". Und das taten die Verantwortlichen der Forstbetriebsgemeinschaft Obere Rhön, als sie die Gemeinderäte von Nordheim durch den gemeindlichen Forst führten. Was sie dabei zu hören und zu sehen bekamen, war nicht mehr nur alarmierend, sondern das blanke Horrorszenario.

"Wäre nicht Corona gekommen, würden der Klimawandel und der Wald die Schlagzeilen bestimmen", ist sich Andree Link sicher, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft. An Beispielen, die diese Behauptung untermauerten, fehlte es bei der Exkursion nicht. Zur allgemeinen Situation verwies der Forstmann auf Regionen vor allem im Norden Deutschlands, wo ganze Wälder wie nach einem Kahlschlag verschwunden sind. "Manche Forstverwaltungen haben inzwischen kapituliert, weil sie gegen Trockenschäden und Käferbefall machtlos sind". Einzelne befallene Bäume werden schon gar nicht mehr beseitigt.

Besitzstruktur behindert die durchgängige Bekämpfung

Hinzu komme eine Besitzstruktur, die eine durchgängige Bekämpfung verhindere. Die privaten Waldeigentümer kennen häufig ihren Besitz überhaupt nicht und kümmern sich entsprechend wenig darum, sodass befallene Bäume stehen bleiben. Bürgermeister Thomas Fischer bemerkte bei der Gelegenheit, dass die Gemeinde eine Waldflurbereinigung anstrebe. Bis sie umgesetzt wird, könnten aber durchaus acht Jahre vergehen. Überlegt werde außerdem, so etwas wie eine Schnelleinsatzgruppe mit neuen Mitarbeitern innerhalb der Forstbetriebsgemeinschaft zu bilden.

Schadhafte Rinde signalisiere unter anderem das nahende Ende eines Baumes, bedeutet Forstmann Ottfried Pankratius.
Schadhafte Rinde signalisiere unter anderem das nahende Ende eines Baumes, bedeutet Forstmann Ottfried Pankratius. Foto: Eckhard Heise

Man könne den Besitzern auch nur androhen, die Bäume auf deren Kosten entfernen zu lassen, ergriff Link wieder das Wort. Tatsächlich sei gar nicht das Personal vorhanden, um Worten Taten folgen zu lassen. Der Mangel an Personal sei jetzt schon ein Problem, es werde sich aber in den nächsten Jahren noch erheblich verstärken.

Ein Ende der Trockenheit ist nicht in Sicht

Überlagert werde diese Entwicklung aber natürlich vom Klimawandel. Ein Ende der Trockenheit sei nicht in Sicht. Unter diesen Umständen sehe es um den Wald düster aus. Die Niederschläge der jüngsten Zeit seien die berühmten Tropfen auf dem heißen Stein, fuhr Link fort und kratzte an einer Stelle den Waldboden auf: Schon nach dem Entfernen der Laubschicht war die Erde trocken.

Dass der Boden mit Laub bedeckt ist, sei ein weiteres Indiz dafür, wie es um den Wald bestellt ist, erklärte Link. Zum einen werfen unter dem Trockenstress Bäume ihre Blätter ab, zum anderen werde das Laub des Vorjahres nicht mehr zersetzt, weil es wegen der Trockenheit an Kleininsekten und Bakterien mangele, die diesen Prozess steuern. Bei einem Blick in die Kronen von Buchen war selbst für das Auge des Laien die Herkunft des Blattwerks anhand des an vielen Stellen durchschimmernden Himmels deutlich auszumachen.

Bäume sind Trockenstress ausgeliefert

Die erneute Bucheckern- und Eichelmast sei ein weiteres Indiz für den Trockenstress, unter dem der Wald steht, fuhr Links Mitarbeiter Ottfried Pankratius fort. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb bilden die Bäume Samen und schwächen dabei sich selbst. Die ausgiebigen Masten fördern zwar die Naturverjüngung, die selbständig aufgewachsenen jungen Pflanzen haben aber wegen der Trockenheit große Probleme durchzukommen, zumal sie auch noch ein Leckerbissen für das Rehwild darstellen. Eine intensive Bejagung wäre daher hilfreich für das Wachstum des Nachwuchses. Daher rief Link auch dazu auf, mehr Wild zu essen, um die Jäger zu unterstützen.

"Da war einmal Wald", wurde den Gemeinderäten von Nordheim versichert.
"Da war einmal Wald", wurde den Gemeinderäten von Nordheim versichert. Foto: Eckhard Heise

Damit aber immer noch nicht genug. Link erläuterte eine weitere Erscheinung, die Waldbesitzer zum Handeln zwinge. Die Verkehrssicherungspflicht gerate zunehmend in den Fokus. Zum einen gehen von absterbenden oder kranken Bäumen Gefahren in Form abfallender morscher Äste aus. Zum anderen tritt ein weiterer Schädling vermehrt auf: der Eichenprozessionsspinner. Im Gemeindewald von Nordheim trete er bisher nur stellenweise auf – wie an einem Wanderweg an der Straße nach Neustädtles – und zwinge noch nicht zum Eingreifen. Sofortiges Handeln sei aber erforderlich, wenn eine Population innerhalb bebauter Flächen auftritt. Um auf die beiden Gefahrenquellen aufmerksam zu machen, werde er an verschiedenen Stellen  Warnschilder anbringen.

Seufzend stellte der Bürgermeister abschließend fest, dass die nächsten Jahre nicht einfach werden und schwarze Zahlen durch den Wald wohl nicht mehr produziert werden. "Aber der Wald ist unsere Sparbüchse und größtes Vermögen, das gehegt und gepflegt werden muss".         

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