Filke

Otto Landgraf: Was man in 54 Jahren Gemeinderatsarbeit alles erlebt

54 Jahre lang arbeitete Otto Landgraf im Gemeinderat von Filke und Willmars mit. Was ihn all die  Jahre motiviert hat und warum es eigentlich sogar 60 Jahre hätten sein können.
Nach 54 Jahren im Gemeinderat von Filke und Willmars wurde Otto Landgraf verabschiedet. Große Veränderungen hat er in seiner Amtszeit erlebt und dennoch immer Freude an seiner Aufgabe gehabt.
Nach 54 Jahren im Gemeinderat von Filke und Willmars wurde Otto Landgraf verabschiedet. Große Veränderungen hat er in seiner Amtszeit erlebt und dennoch immer Freude an seiner Aufgabe gehabt. Foto: Peter Federlein

1966 wurde Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler gewählt und Franz Josef Strauß zum Bundesfinanzminister ernannt. Auch im beschaulichen Filke, damals noch eigenständig, wurde gewählt. In den neuen Gemeinderat zog der 30-jährige Otto Landgraf ein. So weit, so gewöhnlich. Doch jetzt kommt das Außergewöhnliche. Otto Landgraf wurde auch bei der folgenden Kommunalwahl wiedergewählt. Und wiedergewählt. Und wiedergewählt. Vor wenigen Tagen erst wurde er, der in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag feiern kann, aus dem Gemeindegremium Willmars (Filke wurde 1972 dem Ort eingegliedert) verabschiedet. Damit kann Otto Landgraf - man rechne und staune - auf eine Amtszeit von stolzen 54 Jahren zurückblicken. So etwas dürfte es in der Kommunalpolitik nur selten geben, in Rhön-Grabfeld jedenfalls ist es sicher einmalig.

Mehr als fünf Jahrzehnte ununterbrochen im Gemeinderat mitzuarbeiten, das ist schon etwas Besonderes. Wäre es nach Otto Landgraf gegangen, hätte seine Amtszeit gut und gerne aber auch 60 Jahre andauern können. Wenn ihm nicht sein Geburtsdatum einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte: "Eigentlich wollte ich schon 1960 kandidieren. Aber man durfte damals erst mit 25 Jahren gewählt werden. Und so hat mir leider ein halbes Jahr gefehlt, ich musste also noch sechs Jahre warten", erzählt Otto Landgraf bei einem Telefongespräch.

Eingemeindung und VG-Beitritt als große Veränderungen

1966 dann aber klappte es und Otto Landgraf zog in den Gemeinderat von Filke ein. Der Ort war damals noch eigenständig. Die Zusammenarbeit dem damaligen Bürgermeister Otto Lörzer und den anderen Räten sei von Anfang an sehr vertrauensvoll gewesen, erinnert er sich.

1971 folgte mit der Eingemeindung von Filke nach Willmars die erste große Veränderung in der Gemeinderatszeit von Otto Landgraf. Aus dem Filkerser Gemeinderat ging es 1972 für Otto Lörzer und Otto Landgraf "hinüber" in das Willmarser Gemeindegremium. 1978 schloss sich der Ort Willmars der Verwaltungsgemeinschaft Ostheim an. Wie hat Otto Landgraf diese einschneidenden Veränderungen erlebt? "Ach, das war eigentlich alles ganz normal und man hatte sich schnell daran gewöhnt", sagt er. 

Mit 65 Jahren wurde Otto Landgraf zweiter Bürgermeister

Viele Projekte hat Otto Landgraf in seiner Gemeinderatszeit angestoßen und begleitet. Besonders gerne erinnert er sich an die Neugestaltung des Spielplatzes in Filke, des Friedhofes und des Parkplatzes neben der Kirche. Immer habe man sich auf die Filkerser und Willmarser verlassen können,  dafür ist Landgraf dankbar: "Es war immer viel Eigenleistung bei den Projekten dabei, zum Beispiel auch beim erst kürzlich erfolgten Neubau des Feuerwehrhauses Filke".

Von 1996 bis 2002 wirkte Otto Landgraf als 3. Bürgermeister von Willmars. Wenn andere ihr Rentendasein genießen, dann geht es für Otto Landgraf offenbar erst richtig los. So wurde er 2002 im Alter von 65 Jahren zum zweiten Bürgermeister gewählt und blieb es bis zu seiner Verabschiedung. "Ich hab' mir gedacht, als Rentner hab ich ja jetzt mehr Zeit, da möchte ich mich noch stärker einbringen", begründet Otto Landgraf.

"Sechs Bürgermeister habe ich verschlissen."
Otto Landgraf, langjähriger Gemeinderat von Filke und Willmars
Diese von Konrad Albert gefertigte Karikatur von sich selbst erhielt Otto Landgraf (rechts) 2013 bei der närrischen Weinprobe in Willmars. Mit im Archivbild sind die Gemeinderäte Christian Lamm  (2. von links) und Ulrike Emmert (2. von rechts) sowie Bürgermeister Reimund Voß (links).
Diese von Konrad Albert gefertigte Karikatur von sich selbst erhielt Otto Landgraf (rechts) 2013 bei der närrischen Weinprobe in Willmars. Mit im Archivbild sind die Gemeinderäte Christian Lamm (2. von links) und Ulrike Emmert (2. von rechts) sowie Bürgermeister Reimund Voß (links). Foto: Hagen-Wehrhahn

Die Entscheidung nie bereut

Viel hat sich verändert in den letzten 54 Jahren, auch in technischer Hinsicht. "Anfangs noch mit Steno und Schreibmaschine, ist die Arbeit mit dem Computer für uns Ältere schon nicht so einfach", gibt Otto Landgraf zu. Eine Statistik über die Anzahl der Gemeinderatssitzungen in dieser langen Zeit hat Otto Landgraf nicht geführt. Es dürften einige hundert gewesen sein. Mitgezählt hat er allerdings bei den jeweiligen Ortsoberhäuptern: "Sechs Bürgermeister habe ich insgesamt verschlissen. Mit allen habe ich gerne zusammen gearbeitet. Vor allem auch mit Reimund Voß, dem amtierenden Bürgermeister", resümiert Landgraf.

Bereut hat er seinen Eintritt in den Gemeinderat nie.  Landgraf: "Natürlich gab es immer mal das ein oder andere, was nicht so schön war. Manches war auch schwer. Aber insgesamt kann ich sagen, dass es mir immer Spaß gemacht hat, mich für die Gemeinde zu engagieren. Dies war natürlich nur möglich, weil meine Familie mich immer unterstützt hat. Ohne eine so starke Frau wie meine Leni im Rücken geht das nicht". Umso schöner, wenn das Engagement auch von höherer Stelle honoriert wird: Vor einigen Jahren erhielt Otto Landgraf aus der Hand des damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein die bayerische Medaille für besondere Verdienste in Silber, worauf Landgraf sehr stolz ist. 

"Ich habe schon im Scherz zu meiner Frau gesagt, dass ich mir jetzt einen neuen Job suchen muss."
Otto Landgraf nach seiner Verabschiedung aus dem Gemeinderat

Vor wenigen Tagen wurde Otto Landgraf zwar verabschiedet aus dem Willmarser Gemeinderat. Dies bedeutet für den fitten Senior aber nicht, dass er die Hände in den Schoß legen wird. In vielen anderen örtlichen Vereinen und Gruppierungen, in denen er sich ebenfalls bereits lange engagiert, möchte er weiterhin mitwirken, denn "ich kann es einfach nicht lassen", wie er mit einem Lachen verrät.

Die Freude daran, etwas für die Gemeinschaft zu schaffen und mitzuwirken, hat ihn schon bei seiner ersten Kandidatur motiviert und trieb ihn all die Jahre seines Wirkens an. "Ich habe es immer gerne gemacht. Im Scherz hab' ich schon zu meiner Frau gesagt, dass ich mir nach der Verabschiedung aus dem Gemeinderat nun einen neuen Job suchen muss", meint Otto Landgraf und lacht.

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