Sandberg

Parkplatz statt "Rhön-Schdegge": Abriss der Metzgerei Söder

Derzeit wird die ehemalige Metzgerei Söder in Sandberg abgerissen. Die Gemeinde hat das Anwesen gekauft. Auf dem Grundstück werden Parkplätze entstehen.
Foto: Marion Eckert | Derzeit wird die ehemalige Metzgerei Söder in Sandberg abgerissen. Die Gemeinde hat das Anwesen gekauft. Auf dem Grundstück werden Parkplätze entstehen.

Wo einst die Sandberger Salami-Spezialität „Rhön-Schdegge“ erfunden und hergestellt wurde, werden bald Parkplätze entstehen. Die Gemeinde Sandberg kaufte die seit Jahren leerstehende Metzgerei Söder. Derzeit wird das Gebäude abgerissen. Über die Initiative "Innen statt außen" vom Amt für Ländliche Entwicklung wird das Projekt großzügig unterstützt und gefördert.

Da das Anwesen schon seit vielen Jahren leer stand und demzufolge auch nicht mehr gepflegt wurde und keine Nachnutzung in Sicht war, kam Bürgermeisterin Sonja Reubelt auf die Idee, auf diesem Grundstück Parkplätze zu schaffen. Die ehemalige Metzgerei liegt in unmittelbarer Nähe von Kirche und Pfarrscheune.

Mit der Maßnahme werden zwei Probleme gleichzeitig gelöst

Bei größeren Veranstaltungen gebe es durchaus Parkprobleme, auch wenn der Dorfanger im Grunde sehr breit angelegt ist. Die Gottesdienstbesucher oder Gäste von Veranstaltungen seien dann gezwungen, entlang der Straße oder auf dem Dorfanger zu parken. Für Verkehrsteilnehmer entstehe dann schnell eine unübersichtliche Situation in dem Straßendorf.

"Wir haben in Sandberg ein Parkproblem bei Gottesdiensten und Veranstaltungen in der Pfarrscheune", fasste die Bürgermeisterin die Problematik zusammen und begründete die Notwendigkeit, Parkflächen zu schaffen. Das Grundstück der ehemaligen Metzgerei habe eine hervorragende zentrale Lage und sei bestens für das Vorhaben geeignet. "Wir beheben mit der Lösung gleich mehrere Probleme. Wir beseitigen einen Leerstand und bekommen Parkflächen", betonte Reubelt.

"Rhön-Schdegge" waren eine echte Sandberger Spezialität

Auch wenn die Metzgerei schon seit 2009 geschlossen ist. Mit dem Abriss des Gebäudes geht die Ära nun endgültig zu Ende. Ein großes Porzellanschwein stand auf dem Giebel des Daches und erinnerte auch nach zehn Jahren noch an die Metzgerei. „Das Porzellanschwein haben wir vor dem Abriss herunter genommen“, schmunzelte Reubelt. Vielleicht finde es auf dem künftigen Parkplatz ein Plätzchen in Erinnerung die ehemalige Metzgerei. Denn Werner Söder hatte als Metzger einen hervorragenden Ruf. Er verstand sein Handwerk, ging keine Kompromisse bei der Qualität ein und hob sich mit seinen Produkten von industrieller Massenproduktion deutlich ab.

Die Wurstspezialität "Rhön-Schdegge"  war ein Hit, der in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Grünlandprojekt stand, dessen Initiator der Bayerische Bauernverband war. Söder schloss ich 2006 der Initiative an, die es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hatte, das vom Aussterben bedrohte Gelbvieh, eine Urrasse die in der Bayerischen Rhön beheimatet war, zu erhalten und zu vermarkten.

Metzgerei schloss 2009

Zur Vermarktungsstrategie gehörte eine sinnvolle Verwertung und Vermarktung nicht edler Teile und Alttiere. Daraus entstand unter anderem der "Rhön-Schdegge", eine Rindersalami in Wanderstockform, die in Bio-Qualität hergestellt wurde. Söder musste 2009 seinen Betrieb aus familiären und wirtschaftlichen Gründen schließen, es fand sich kein Nachfolger und spätere Versuche den traditionsbewussten Betrieb erneut mit Leben zu erfüllen, scheiterten.

Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss erinnern an vergangene Zeiten, als hier die beliebten „Rhön-Schdegge“ verkauft wurden.
Foto: Marion Eckert | Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss erinnern an vergangene Zeiten, als hier die beliebten „Rhön-Schdegge“ verkauft wurden.

So sehr die Bürgermeisterin bedauert, dass der traditionsreiche Betrieb in Sandberg nicht mehr existiert, als Bürgermeisterin sah sie sich in der Verantwortung, für den Leerstand eine Lösung zu finden. Über das Amt für Ländliche Entwicklung und Förderinitiative "Innen statt außen" bot sich eine Möglichkeit für eine neue Nutzungsmöglichkeit.

Bürger sollen in die Planungen einbezogen werden

Der Abriss des Anwesens kostet etwa 49 000 Euro und wird mit 90 Prozent gefördert ebenso wie auch der Erwerb des Gebäudes. Die Planung der künftigen Anlage und die Gestaltung der Parkfläche werden ebenfalls mit 90 Prozent gefördert. Bürgermeisterin Reubelt zeigt sich sehr froh, dass die Gemeinde Sandberg damit also für das gesamte Vorhaben eine 90-prozentige Förderung bekommt. Für die Außenanlage liege noch keine Kostenschätzung oder -berechnung vor.  

„Die Planung der Neugestaltung sollte eigentlich nach dem Abriss zusammen mit dem Arbeitskreis beziehungsweise den Bürgern losgehen“, sagte Reubelt. Hierfür sei bereits Miriam Glanz, Landschaftsarchitektin aus Leutershausen, beauftragt. Doch aufgrund der aktuellen Situation stehe noch nicht fest, wie die Bürger, insbesondere auch die Nachbarn, in die Planungen einbezogen werden können.

„Ich befürchte, dass ein Treffen coronabedingt erst im Frühjahr möglich sein wird. Eine Beteiligung halte ich aber weiterhin für zwingend erforderlich.“ Ob die Parkflächen im kommenden Jahr auch schon gebaut werden können, müsse abgewartet werden. Planung, Ausschreibung und Realisierung in nächsten Jahr beschreibt Reubelt als den Idealfall.

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