Bad Neustadt

Pupsende Bakterien und Kühe mit Atemschutz

Vom Abfall zum wertvollen Rohstoff: Professor Frank Scholwin erklärte in der Kinderuni, wie aus einer Bananenschale, die man in die Biomülltonne wirft, in einer Biogasanlage (Modell) Biogas entstehen kann, mit dem man dann auch Luftballons füllen kann.
Foto: Kunzmann | Vom Abfall zum wertvollen Rohstoff: Professor Frank Scholwin erklärte in der Kinderuni, wie aus einer Bananenschale, die man in die Biomülltonne wirft, in einer Biogasanlage (Modell) Biogas entstehen kann, mit dem ...

„Wow, das sieht ja aus wie flüssige Schokolade“, bemerkte ein Mädchen mit Blick auf ein Foto, das Professor Frank Scholwin aus Weimar den Jungstudenten bei seiner Kinderuni-Vorlesung zum Thema „Wie wird aus einer Bananenschale vom Küchentisch Licht oder Fahrzeugkraftstoff“ zeigte.

Was tatsächlich beinahe aussah wie die süße Köstlichkeit, war natürlich keine Schokolade, sondern „pürierter Biomüll“, wie er in einer Biogasanlage entsteht. Deren Funktionsweise erklärte der Referent den Kindern in seinem Vortrag, in den sie, wie bei der Kinderuni üblich, aktiv eingebunden waren.

Anhand vieler Bilder erläuterte Scholwin, der in Weimar ein eigenes Institut für Biogas betreibt, den jungen Studenten die Möglichkeiten, Strom, Wärme und Fahrzeugkraftstoff aus fossilen und erneuerbaren Energiequellen zu produzieren.

Doch wie genau wird denn aus der Bananenschale eigentlich Biogas? Darüber wussten viele Jungstudenten erstaunlich gut Bescheid: „Na ja, ich glaube, da werden so spezielle Stoffe aus der Schale herausgezogen und mit Bakterien dann das Gas erzeugt“, meinte ein Junge, und ein anderer ergänzte, dass die Bakterien sozusagen „furzen“ und damit das Gas freisetzen würden. Scholwin, der vom Vorwissen der Kinder beeindruckt war, erklärte, dass die „fröhlichen“ Bakterien oder auch Mikroorganismen, die in der Biogasanlage „leben“, einen Teil der Banane oder des Biomülls, der in großen Haufen gesammelt werde, „fressen“ und anschließend das Biogas ausstoßen würden. „In einer Biogasanlage können beispielsweise aus einer Banane oder drei ihrer Schalen neun Liter Biogas entstehen, mit dessen Strom man eine Energiesparlampe neun Stunden lang betreiben kann“, beeindruckte der Referent seine jungen Zuhörer sichtlich.

„Wieso betreibt man denn eigentlich Biogasanlagen statt mit Bioabfällen nicht mit Kühen, wenn die beim Pupsen doch Methan – also Biogas - produzieren?“, wollte eine Jungstudentin wissen, woraufhin Scholwin erklärte, dass dies nicht gehe, da es für die Kuh tödlich sei, das von ihr ausgestoßene Methan einzuatmen.

„Man könnte der Kuh einfach eine Atemschutzmaske überziehen oder sie sozusagen in der Mitte 'abbinden', damit sie das Methan nicht einatmet“, empfahl ein Junge. Da dies aber zugegebenermaßen der Kuh vermutlich nicht sehr gefallen würde und auch relativ schwierig zu verwirklichen sei, wie der Referent anmerkte, werde man wohl auch in Zukunft auf andere Stoffe zum „Füttern“ der Biogasanlage zurückgreifen müssen. Dies dürfte auch keinerlei Problem darstellen, bietet die Natur doch auch wirklich reichlich davon.

Am Samstag, 20. Juni, bietet die Kinderuni eine Exkursion ins Steigerwaldzentrum an, zu der man sich ab sofort bei Petra Bieber oder Kai Uwe Tapken und zu den üblichen Öffnungszeiten im Büro der Volkshochschule, Tel. (0 97 71) 9 10 64 00, anmelden kann.

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