Bad Neustadt

„Rechtlich Problematisches landet bei mir“

Olga Wilhelm, die neue Leiterin der Abteilung „Kommunale und soziale Angelegenheiten“ am Landratsamt mit ihrem Chef, Landrat Thomas Habermann.
Foto: Ines Renninger | Olga Wilhelm, die neue Leiterin der Abteilung „Kommunale und soziale Angelegenheiten“ am Landratsamt mit ihrem Chef, Landrat Thomas Habermann.

Bad Neustadt Man kann Olga Wilhelm nicht anders als zielstrebig bezeichnen. Als sie mit 17 Jahren von Russland nach Deutschland kam, sprach sie kaum ein Wort Deutsch, mittlerweile, im Alter von 31 Jahren, verrichtet sie als Juristin sprachliche Präzisionsarbeit. Ende Mai trat sie im Landratsamt Rhön-Grabfeld die Nachfolge von Wolfgang Warmuth an. Als Abteilungsleiterin im Ressort „Kommunale und soziale Angelegenheiten“ führt sie rund 60 Mitarbeiter.

Frage: Frau Wilhelm, Sie treten in große Fußstapfen. Nach 38 Jahren im Amt war Ihr Vorgänger Wolfgang Warmuth einer der bekanntesten Mitarbeiter des Landratsamts. Empfinden Sie das als Bürde?

Olga Wilhelm: Erst einmal ist das für mich ein großer Vorteil. Eben weil Herr Warmuth so lange da war, hat er mir eine sehr gut strukturierte Abteilung hinterlassen. Aber es ist natürlich so: Durch die lange Zeit im Amt hat Herr Warmuth unfassbar viel Erfahrung und Wissen ansammeln können. Als junge Juristin komme ich da natürlich erst einmal nicht heran. Trotzdem muss jeder seinen eigenen Weg gehen. Außerdem werde ich von meinen Kollegen und vom Landrat sehr gut unterstützt.

Was führt Sie hierher? An genau diese Stelle im Landratsamt Rhön-Grabfeld?

Wilhelm: Das ist eine lange Geschichte. Ich komme ursprünglich aus Russland und bin 2002 im Alter von 17 Jahren mit meinen Eltern, Spätaussiedlern, nach Deutschland gezogen. Hier habe ich mein Abitur nachgeholt und 2006 in München mit dem Jura-Studium begonnen. Dass ich als Verwaltungsjuristin arbeiten möchte, war eigentlich schnell klar. Aber das mögliche Einsatzfeld ist da ja sehr groß. Am Landratsamt Rhön-Grabfeld habe ich mich letztlich beworben, da mein Lebensgefährte, Benjamin Hamberger, im April letzten Jahres eine Stelle als Notar in Bischofsheim angetreten hat. Da war dann klar, dass ich hier in der Region unterkommen will.

Warum überhaupt Jura und weshalb die Spezialisierung als Verwaltungsjuristin?

Wilhelm: Als wir damals nach Deutschland kamen, kannten wir uns nicht aus. Das ist ein sehr ungutes Gefühl: In ein Land zu kommen und völlig verloren da zu stehen. Ich wollte einfach wissen, wie der Alltag in diesem Land funktioniert und ein Gefühl für das Recht und die Gesetze bekommen. Jura ist ja letztlich im Leben allgegenwärtig. Die Entscheidung für den Bereich Verwaltung fiel letztlich in der Examensvorbereitung.

Dort traf ich auf sehr motivierte wissenschaftliche Mitarbeiter, die diesen Bereich mit so viel Witz und Elan vermittelten, das hat mir einfach Lust auf die Arbeit als Verwaltungsjuristin gemacht.

Vielleicht können Sie kurz Ihr künftiges Aufgabenfeld am Landratsamt skizzieren?

Wilhelm: Ich bin Leiterin der Abteilung „Kommunale und soziale Angelegenheiten“, in der circa 60 Mitarbeiter tätig sind. Die Aufgaben der Abteilung sind sehr vielfältig: Als Rechts- und Kommunalaufsicht beraten wir – meist präventiv – Gemeinden in rechtlichen Angelegenheiten, geben ihnen also Antwort auf die Frage: „Dürfen wir so handeln?“. Ins Aufgabenfeld des Amts für soziale Angelegenheiten fallen Themen wie die Grundsicherung im Alter, Sozialhilfe, Bafög, Wohngeld. Im Amt für Jugend, Familie und Senioren geht es unter anderem um Themen wie Vormund- und Pflegeschaften. Die konkreten Aufgaben meiner Person in dem Zusammenhang? Vielleicht könnte man es so formulieren: Alles, was rechtlich problematisch ist, landet am Ende bei mir.

Was ist das Spannende an Ihren Aufgaben?

Wilhelm: Meine Arbeit ist sehr lebensnah. Man hat den unmittelbaren Kontakt mit Menschen und mit Gemeinden und man bewirkt im örtlich begrenzten Raum tatsächlich etwas und sieht auch unmittelbar den Erfolg dessen, was man macht. Außerdem sind die Aufgaben der Abteilung so unglaublich vielfältig. Die Arbeit wird nie langweilig.

Wo liegen in Ihren Augen die großen Herausforderungen?

Wilhelm: Thematisch gesehen ist das für uns alle die Asylproblematik, auch wenn mittlerweile nicht mehr so viele Flüchtlinge neu ankommen. Die, die bereits da sind, müssen dezentral untergebracht werden. Ihnen muss man helfen, sich zu integrieren und zuallererst die Sprache zu erlernen. Ich spreche da ja aus Erfahrung. Die Sprache ist das A und O. Natürlich spielt da auch meine persönliche Geschichte eine Rolle, wenn ich sage: Ich möchte nicht, dass sich unsere Asylbewerber im Stich gelassen fühlen.

Bei seiner Verabschiedung erklärte Ihr Vorgänger Warmuth, seine Maxime sei immer gewesen, das Menschliche über das Rechtliche zu stellen. Welche Maxime wollen Sie verfolgen?

Wilhelm: Ich formuliere das vielleicht ein bisschen um. Auch ich möchte den Mensch in den Mittelpunkt stellen. Ich möchte allen ratsuchenden Menschen helfen, allerdings im Rahmen des rechtlich möglichen.

Und planen Sie auch, die 38 Jahre in Bad Neustadt voll zu machen?

Wilhelm: Das fragen Sie mich jetzt, wo ich gerade zwei Wochen im Amt bin! (lacht) Prinzipiell ist es bei Verwaltungsjuristen gern gesehen, wenn sie verschiedene Stationen durchlaufen. Wie es bei mir sein wird, kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Ich freue mich erst einmal sehr, hier zu sein.

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