Bad Neustadt

Rhön-Klinikum Campus: Wie Herzschwäche passgenau versorgt werden soll

Der erste Patient der Region Bayern im Projekt 'sekTOR-HF' erhielt ausführliche Einweisung von Dr. Frank Gietzen (Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie) und Brigitte Gebhard (Netzwerkassistentin)
Foto: Josefine Astl/Rhön-Klinikum Campus | Der erste Patient der Region Bayern im Projekt "sekTOR-HF" erhielt ausführliche Einweisung von Dr. Frank Gietzen (Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie) und Brigitte Gebhard (Netzwerkassistentin)

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzschwäche, schreibt der Rhön-Klinikum Campus in einer Mitteilung. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto eher lässt sich der Krankheitsverlauf aufhalten und die Lebensqualität erhalten. "Dafür müssen Patienten allerdings kontinuierlich betreut und ihre Symptome überwacht werden", wird Prof. Sebastian Kerber, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Campus, zitiert.

Betreuung von bis zu 250 Patienten

Im jetzt begonnenen und durch die Beiträge der gesetzlich Krankenversicherten geförderten Innovationsfondsprojekt "sekTOR-HF" (Transsektorale bedarfsorientierte Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz und Schaffung eines regionalen Vergütungsmodells) sollen mittels telemedizinisch vernetzter Geräte bis zu 250 Patienten mit einer Herzschwäche in ausgewählten Kreisen in Unter- und Oberfranken für zwölf Monate kontinuierlich betreut werden.

Das Ziel laut Campus: unnötige Krankenhausaufenthalte reduzieren und Wiederaufnahmen vermeiden. "Wir wollen die heutige Regelversorgung weiterentwickeln. Dieses innovative Projekt kann einen relevanten Beitrag für eine bessere Versorgung der Herzinsuffizienz-Patienten leisten", sagt Dominik Walter, Leiter des Fachbereiches für Integrierte Gesundheits- und Versorgungsmodelle der Rhön-Klinikum AG. Parallel werde das Konzept in der hessischen Region Marburg-Bienenkopf durchgeführt.

Erster Teilnehmer freut sich auf das Projekt

Mit einem 73-jährigen Mann, der unter einer chronischen Herzmuskelkrankheit leidet, startete der Campus in das Projekt. "Wir freuen uns, Herrn H. als ersten Teilnehmer begrüßen zu dürfen. Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen, auch weitere Patienten mit einer Herzinsuffizienz für dieses Projekt begeistern zu können", so Dr. Frank Gietzen, Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie am Campus.

Wer kann teilnehmen?

Beteiligt seien laut der Mitteilung die Rhön-Klinikum AG und der Bad Neustädter Campus sowie die Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), die als Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte gemeinsam mit den beteiligten Krankenkassen AOK Bayern, DAK-Gesundheit und Techniker Krankenkasse den Selektivvertrag aktiv mitgestaltet haben. Die Versicherten dieser Krankenkassen können sich demnach ab sofort bei teilnehmenden Praxen in das Programm einschreiben lassen. Informationen darüber, ob der jeweilige Haus- oder Facharzt am Projekt teilnimmt, erhalten die Patienten über die regionale Netzwerkstelle oder über die Projekthomepage www.sekTOR-HF.de.

Betreut werden sie dann von am Projekt teilnehmenden Fach- und Hausarztpraxen, aber auch durch den Campus Bad Neustadt. Die Besonderheit: Die Patienten erheben kontinuierlich Gesundheitsdaten wie EKG, Blutdruck, Körpergewicht und Angaben zum subjektiv empfundenen Gesundheitszustand und senden diese über eine App oder ein Web-Portal an eine gemeinsame digitale Austauschplattform, sodass eine engmaschige Kontrolle möglich ist.

App und Portal aus Bad Kissingen entwickelt

Die App sowie das Web-Portal wurden durch das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen entwickelt, welches zudem als regionaler Partner im Projekt fungiert und die datenschutzkonforme Übermittlung der Gesundheitsdaten sicherstellt. Unterstützt werden die Patienten dabei von einer Netzwerkstelle, bestehend aus Fachärzten und Herzinsuffizienz-Krankenpflegenden.

Die hierfür erforderlichen Geräte würden den teilnehmenden Patienten, so der Campus, kostenfrei nach Bedarf zur Verfügung gestellt. Das digitale Monitoring erlaubt es, frühzeitig zu erkennen, ob eine Änderung der Therapie notwendig ist. Dieser Ansatz verhindert, dass erst zunehmende Beschwerden den Patienten zu Haus- oder Facharzt führen. Das Projekt läuft bis zum November 2023.

Das sekTOR-HF-Team am Campus Bad Neustadt (von links) Dr. Sergei Sidorov (Klinikarzt), Brigitte Gebhard (Netzwerkassistentin), erster Patient im Projekt, Prof. Dr. Sebastian Kerber (Chefarzt der Kardiologie I), Laura Benkert (Studienassistentin) sowie Dominik Walter (Projektleiter)
Foto: Josefine Astl/Rhön-Klinikum Campus | Das sekTOR-HF-Team am Campus Bad Neustadt (von links) Dr. Sergei Sidorov (Klinikarzt), Brigitte Gebhard (Netzwerkassistentin), erster Patient im Projekt, Prof. Dr.
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