Langenleiten

Rhöner Kunst für Schmalkaldens Stolz

Mit kritischem Blick: Klaus Metz wie auch sein Martin Luther begutachten Philipp Melanchthon, bevor die beiden überlebensgroßen Figuren zum Gießen in die Nähe von Landshut transportiert werden.
Foto: Thomas Pfeuffer | Mit kritischem Blick: Klaus Metz wie auch sein Martin Luther begutachten Philipp Melanchthon, bevor die beiden überlebensgroßen Figuren zum Gießen in die Nähe von Landshut transportiert werden.

Schmalkalden ist nicht nur eine sehr aufstrebende Stadt im Nachbarlandkreis. Schmalkalden hat auch eine große Vergangenheit, auf die man im Süden Thüringens sehr stolz ist und die man nicht nur mit dem Erhalt der historischen Bausubstanz, sondern auch mit moderner Kunst herausstellen möchte.

Die Luther-Dekade und die Landesgartenschau in diesem Jahr nahmen die Verantwortlichen der Stadt und ihres Kunstvereins zum Anlass, mit Unterstützung der Sparkasse und der Sparkassenkulturstiftung einmal mehr die frühere Bedeutung der Stadt mit einem Kunstwerk zu dokumentieren. Der Auftrag dafür ging nach Langenleiten.

So sitzt jetzt Prominenz auf einer Bank im Atelier von Klaus Metz. In Überlebensgröße, mehr als 300 Kilogramm schwer richtet da Martin Luther – leicht erkennbar am runden Kopf, am markanten Kinn, an der Kopfbedeckung und an einer Bibel auf den Knien – seinen gestrengen Blick auf Philipp Melanchthon mit der markanten Stirn. Bei den beiden Figuren handelt es sich um fertige „Gipspositive“, wie der Künstler erläutert.

Sie warten hier auf den Abtransport in Richtung Landshut. Dort gibt es noch eine der wenigen Kunstgießereien, wo nach aufwändigen Vorbereitungen mit Silikon-Negativ, Wachsausgießen und weiteren Schritten nach wochenlanger intensiver Arbeit die beiden großen Reformatoren als Bronzefiguren gegossen werden.

Doch schon vor dem immer mit großer Spannung erwarteten Gießen der Plastiken steht ein enormer Arbeitsaufwand. Knapp eineinhalb Jahre, so Metz, habe er seit den ersten Entwürfen an den Figuren gearbeitet. Als Vorlage habe er Bilder von Lucas Cranach und Albrecht Dürer genutzt und für sich auch die spezifischen Haltungen und Gesten, die die beiden großen Reformatoren kennzeichnen, entwickelt. Den Rest der Körper hat der Künstler eher schlicht gehalten, um den Blick des Betrachters auf das Gesicht und die Hände zu lenken.

Entscheidend für Metz ist, wie er betont, stets der Gesamteindruck der Figur. Verändere man die Kopfhaltung, müsse man auch die Handhaltung ändern, um dieses richtige Gesamtbild zu erhalten, versucht er sich an der schwierigen Erklärung für seine Gestaltung der Figuren.

Während die beiden Reformatoren jetzt auf den Abtransport warten, wartet der Langenleitener Bildhauer auf Nachricht aus der Gießerei. Dort wird dieser Tage eine Figur gegossen, die die Skulpturengruppe – sozusagen ökumenisch – komplettiert. Es handelt sich um eine Darstellung der Heiligen Elisabeth von Thüringen, die Metz bereits im vergangenen Jahr erarbeitet hat. Gelingt der Guss der Darstellung der zarten, jungen Frau mit der Haube, dem langen Gewand und einer Rose in der Hand, benötigt der Künstler noch einige Tage, um den Rohguss endgültig zu bearbeiten und die Figur fertigzustellen.

Ab Ende April soll die ganze Gruppe während der Landesgartenschau in Schmalkalden an deren Eingang zu sehen sein, bevor sie dann für eineinhalb Jahre an verschiedenen „Luther-Orten“ in Thüringen ausgestellt wird. 2017 schließlich soll sie ihren endgültigen Platz vor dem Hessenhof in Schmalkalden finden.

Dieser Ort, der einstige Amtssitz der Landgrafen von Thüringen und ab 1360 der Landgrafen von Hessen, hatte für die drei Dargestellten eine besondere Bedeutung, was nun wieder Grund ist, ihre Skulpturen genau hier aufzustellen. 1227 nahm hier die später heiliggesprochene Elisabeth von Thüringen Abschied von ihrem Mann, von Landgraf Ludwig IV., den sie nie wieder sehen sollte.

Zudem diente der Hessenhof während des Fürstentags des Schmalkaldischen Bundes 1537 als Verhandlungsstätte von 42 protestantischen Theologen mit Luther und Melanchthon an der Spitze. Die sollen sich hier heftige Dispute geliefert haben – unter anderem über die als „Schmalkaldischen Artikel“ bekannt gewordenen Glaubenssätze von Luther.

Niedergeschlagen: Die dritte Figur der Skulpturengruppe für Schmalkalden zeigt die Heilige Elisabeth im Abschiedsschmerz.
| Niedergeschlagen: Die dritte Figur der Skulpturengruppe für Schmalkalden zeigt die Heilige Elisabeth im Abschiedsschmerz.
(huGO-ID: 27619043)   FOTO:?Pfeuffer
| (huGO-ID: 27619043) FOTO:?Pfeuffer
(huGO-ID: 27618948)   FOTO:?Pfeuffer
| (huGO-ID: 27618948) FOTO:?Pfeuffer
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Langenleiten
Thomas Pfeuffer
Albrecht Dürer
Bildhauer
Elisabeth von Thüringen
Landgräfinnen und Landgrafen
Martin Luther
Philipp Melanchthon
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)