Bad Königshofen

Rollendes Klassenzimmer: Fahrradtour von Heilbronn nach Berlin

Das rollende Klassenzimmer mit Initiator Ortwin Czarnowski, Begleitpersonen und Bagage-Fahrzeug machte in Bad Königshofen Station und begrüßte Bürgermeister Thomas Helbling (links). Übernachtet wurde im Haus St. Michael.
Das rollende Klassenzimmer mit Initiator Ortwin Czarnowski, Begleitpersonen und Bagage-Fahrzeug machte in Bad Königshofen Station und begrüßte Bürgermeister Thomas Helbling (links). Übernachtet wurde im Haus St. Michael. Foto: Regina Vossenkaul

Eine Fahrradtour von Leingarten bei Heilbronn über Bad Königshofen, Erfurt, Halle, Wittenberg und Potsdam nach Berlin absolviert in diesen Tagen eine Jugendgruppe unter dem Motto "Rollendes Klassenzimmer". Initiator Ortwin Czarnowski war selbst Lehrer und ist schon lange im Ruhestand. Trotzdem ist es ihm ein Anliegen, 30 Jahre Wiedervereinigung, 75 Jahre nach Kriegsende und den Klimaschutz ins Bewusstsein der Jugendlichen zu bringen.

Am 25. Juli ging die erste Etappe bis nach Tauberbischofsheim, dann folgten rund 100 Kilometer bis Bad Königshofen, wo die Schüler mit ihren Begleitpersonen im Haus St. Michael übernachteten.  "Es ist so ruhig hier, wir haben wunderbar geschlafen", war vom Leiter der Tour zu hören. "Eine Stadt zum Wiederkommen" nannte er Bad Königshofen, obwohl sie in der FrankenTherme abends nicht mehr  schwimmen durften, weil die Einlasszeit schon vorbei war. Am Montagmorgen machten sich nach einigen erklärenden Worten des Bürgermeisters Thomas Helbling alle auf den Weg nach Ilmenau.

Geschichte erleben

Grüße vom Bürgermeister Harry Mergel aus Heilbronn und vom Baden-Württembergischen Innenminister Thomas Strobl hatte Czarnowski mitgebracht, dazu eine Flasche Wein. Er erläuterte seine Intentionen für diese Fahrradtour: "Geschichte und Natur hautnah erleben, umweltfreundliches Verhalten vermitteln, Konzentration fördern, Verkehrs- und Fahrsicherheit einüben, die Fitness trainieren, und – gerade in Zeiten des social distancing – Achtsamkeit und Respekt vorleben."

75 Jahre Frieden und Freiheit sind für ihn nicht selbstverständlich. Unterricht in Geschichte, Biologie und Gesundheitswesen unterwegs, "dort, wo Geschichte passiert ist" sei sehr wichtig und sicher für alle Teilnehmer unvergesslich. Die Jugendlichen lernen, sich gut zu ernähren, morgens zu frühstücken, damit sie Kraft für die nächste Etappe haben, und sie erfahren, wie wichtig Bewegung ist, um gesund zu bleiben. "Corona ist kein Zufall", meint Czarnowski. "Artenschutz, Klimaschutz und der Schutz der eigenen Gesundheit sind eng miteinander verbunden."

Er war Radrennfahrer

Zwischendurch gibt es Informationen über die Geschichte der Gegend, durch die sie gerade fahren. Auch Helbling erwähnte, wie sehr die Stadt Bad Königshofen unter der Teilung gelitten hat und wie sehr sie von der Wiedervereinigung profitierte. Arbeitsplätze entstanden, die Bevölkerung stieg nach dem Fall der Mauer kurzzeitig enorm an. Er berichtete, dass hier eine alte Festungsstadt sei und ging auf die erneuerbaren Energien und das Nahwärmenetz ein.

Für die jungen Teilnehmer ist jetzt normalerweise Unterrichtszeit, sie haben sich für zehn Tage davon befreien lassen. Sie stammen aus verschiedenen Schulen im Umkreis von Heilbronn und kennen sich nicht alle. Die Jüngsten sind zehn Jahre alt. Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Olympischen Gesellschaft.  Czarnowski hat dorthin gute Beziehungen, denn als Radrennfahrer feierte er viele Erfolge, nahm in seiner Jugend selbst an den Olympischen Spielen in Mexiko teil und war Mitglied der bundesdeutschen Nationalmannschaft.

Ziel ist das Brandenburger Tor

Er war kurz vor dem Mauerbau 1960 als 19-Jähriger mit seiner Mutter und seinem Bruder aus der DDR in den Westen geflohen, sein Rennrad hatte er mitgenommen. Im Alter von 28 Jahren beendete er seine sportliche Laufbahn, studierte Sport und Technik und wurde schließlich Lehrer. In diesen Tagen feiert er seinen 80. Geburtstag. Das "rollende Klassenzimmer" organisiert er seit vielen Jahren und ist immer noch begeistert dabei.

Ziel ist Berlin, Brandenburger Tor, am 1. August, bis zum 4. August ist ein Aufenthalt in der Hauptstadt geplant. Dann geht es per Bahn zurück nach Hause.   

 

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