Bad Königshofen

Sambachshof als Zufluchtsort für elektrosensible Menschen?

Der Verein „Weiße Zone“ würde das Vhs-Bildungshaus kaufen, um dort eine Wohn- und Erholungsstätte für elektrosensible Menschen einzurichten. Hier diskutierten (von links) Kassiererin Helga Werner, stellvertretender Bürgermeister Philipp Sebald und Vorsitzender Klaus Schuhmacher.
| Der Verein „Weiße Zone“ würde das Vhs-Bildungshaus kaufen, um dort eine Wohn- und Erholungsstätte für elektrosensible Menschen einzurichten.

Der Verein „Weiße Zone Rhön e. V.“ will die Verwirklichung seines Konzepts nicht aufgeben. Er wirft erneut seinen Hut in den Ring angesichts der Tatsache, dass der Verkauf des Sambachshofs und der Vhs-Bildungsstätte, die als „ein Gesamtpaket“ übernommen werden sollen, an den derzeitigen Interessenten noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Am 23. Mai hatte die Vorstandschaft eine endgültige, schriftliche Absage erhalten, in der es hieß, man habe sich für einen anderen Bewerber entschieden. Der Verein signalisierte am Donnerstag bei einem Treffen vor Ort, dass er nach wie vor an dem Projekt interessiert ist.

Mutig neue Wege beschreiten

„Man kann die vergangenen Zeiten nicht wieder auferstehen lassen, sondern sollte mutig auf neuen Wegen vorangehen“, sagte der Vereinsvorsitzende Klaus Schuhmacher bei einem Ortstermin, an dem auch stellvertretender Bürgermeister Philipp Sebald teilnahm, der die Sichtweise der Stadt erläuterte.

Ein Gaststättenbetrieb wie in früheren Zeiten werde es in der Waldgaststätte nicht mehr geben können, meint Schuhmacher. Für den Verein „Weiße Zone“, der ständig auf der Suche nach strahlungsarmen Gebieten ist, in denen sich elektrosensible Menschen beschwerdefrei aufhalten können, wäre die Vhs-Bildungsstätte ideal. Durch ein „Probewohnen“ im August 2014, das der Besitzer der Immobilie, der Bayerische Volkshochschulverband, gestattet hatte, hatten die Planer die Bestätigung erhalten, dass der Sambachshof nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Und dies, obwohl es an bestimmten Ecken auf dem Gesamtareal und auch im Märchenpark in der Nähe Handyempfang gibt.

Der Aufenthalt im strahlungsarmen Gebiet in frischer Waldluft tat den elf Teilnehmern so gut, dass nach zwei Tagen der Akklimatisierung ihre unterschiedlichen Symptome wie Bluthochdruck, Schwindel, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen weg waren, wie Helga Werner, Kassiererin des Vereins, berichtete. „Die Leute haben sich so wohl gefühlt, sie kamen krank an und konnten nach einigen Tagen wieder lachen.“

Ferien für Großstädter

Sie waren wieder einsatzfähig und hatten viele gute Ideen, wie sie eine Wohnstätte für besonders sensible Menschen mit Leben erfüllen könnten. Die Dauerbewohner könnten Ferienaufenthalte für Großstädter organisieren, für die zwei oder drei Wochen ohne Dauerbeschuss durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung eine echte Erholung wäre, man könnte abschirmende Bekleidung und Vorhänge herstellen, Seminare und Workshops veranstalten, einen Hausgarten anlegen und vieles mehr. „Das wäre ein richtig gutes und zukunftsorientiertes Projekt, das die umliegenden Ortschaften und den Märchenpark nicht beeinträchtigen würde“, sagt Werner.

Schuhmacher ergänzt, dass ihn jede Woche Menschen anrufen auf der Suche nach einem strahlungsarmen Gebiet, in dem sie gesundheitlich wieder auf die Beine kommen können.

„Es handelt sich um erkrankte Menschen, die man nicht einfach als Kollateralschäden aus unserem digitalen Overkill ad acta legen kann – und es werden immer mehr“, bemerkt der Vorsitzende, der die Aufrüstung der Mobilfunkanbieter, der WLAN-Stationen und Funktechniken in vielen Bereichen bis hin zum Babyfon mit Sorge betrachtet. Der Verein versucht auch im Biosphärenreservat Rhön eine „weiße Zone“ einzurichten.

Was die „Weiße Zone“ braucht, ist eine Garantie, dass in der Umgebung kein Funkmast mehr gebaut wird, dessen Strahlung (beträgt 120 Grad) auf das Sambach-Gebiet gerichtet ist. Mit dem momentanen Zustand könne man leben, bekundeten die Vereinsvertreter. Wie Sebald bestätigte, soll bis Oktober eine Glasfaser-Leitung strahlungsfreien Zugang zu Telefon und Internet ermöglichen.

Die Stadt wolle jedoch kein Geld mehr in den Sambachshof investieren, allerdings wurde schon der Bungalow neben dem Vhs-Bildungszentrum abgerissen, weil er von Schimmelbildung betroffen war.

Zwei Beinahe-Abschlüsse

Seit 31. Oktober 2013 steht das ehemalige Vhs-Heim leer und wird von einem Hausmeister betreut. Zwei „Beinahe-Abschlüsse“ für den Verkauf des gesamten Ensembles liegen hinter der Stadt, die derzeitigen Verhandlungen mit einem Interessenten ziehen sich dahin. Der Zustand der unbewohnten Häuser wird immer schlechter.

„Wir könnten hier ein Vorzeigeprojekt aufziehen“, sagte Schuhmacher, der Verein sei immer noch interessiert. Das Konzept hatte er schon mal im Stadtrat vorgetragen, konnte aber die Anwesenden wohl nicht überzeugen. Immerhin sei damals die Entscheidung zugunsten eines anderen Bewerbers einstimmig gefallen, erinnerte Sebald. Man müsse zugunsten der Stadtentwicklung entscheiden, die jetzigen Verhandlungen seien noch nicht beendet.

Kein guter Zustand: Als „wirtschaftlichen Totalschaden“ und abrissreif, weil die Sanierung teurer wäre als ein Neubau, wurde die ehemalige Gastwirtschaft am Sambachshof von einem Bau-Fachmann bezeichnet. Gastronomie wird es dort so schnell nicht mehr geben.
Foto: Fotos (2): Regina Vossenkaul | Kein guter Zustand: Als „wirtschaftlichen Totalschaden“ und abrissreif, weil die Sanierung teurer wäre als ein Neubau, wurde die ehemalige Gastwirtschaft am Sambachshof von einem Bau-Fachmann bezeichnet.
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