KREUZBERG

Satter Alphornsound am Kreuzberg

Volle Konzentration: Alphornbläser am Kreuzberg.
| Volle Konzentration: Alphornbläser am Kreuzberg.

„Das Alphorn passt perfekt in die Rhöner Bergwelt“, darüber waren sich die Alphornbläser, die zum ersten Rhöner Alphornbläsertreffen in die Rhön gekommen waren, einig. „Der Kreuzberg ist ein kleiner Viertausender – geviertelt halt“, lachte einer der bärtigen Musiker und fügte in herrlichstem Schwizerdütsch an: „Ihr wollt halt auch Berge haben.“

„Es ist wunderschön hier. Das Grün der Berge begeistert mich“, sagte eine in Schweizer Tracht gewandete junge Frau mit dem Alphorn im Arm. Alphornblasen ist keine Männerdomäne, ob im Dirndl, in Tracht, in kurzer Lederhose oder im Vereins-T-Shirt, die Frauen waren selbstbewusst und charmant mit von der Partie. Zufrieden strahlten auch Ingrid Schubert und Priska Kolbeck von den Alphornbläsern Schwarze Berge. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Rhöner Alphornbläser fand dieses erste Rhöner Alphornbläsertreffen statt.

„Wenn es unseren Gästen gefällt, dann ist alles bestens“, waren sich die Schubert und Kolbeck einig. Dass es den Gästen gefiel, stand außer Frage – sowohl die Alphornbläser wie auch die Zuhörer, die sich schon am frühen Morgen auf dem Gipfelplateau hinter der Kreuzigungsgruppe auf dem Kreuzberg versammelt hatten, waren voll des Lobes. Herrlicher Sonnenschein, blau-weißer Himmel und eine tolle Fernsicht von den Schwarzen Bergen über Arnsberg und Himmeldunkberg bis zum Heidelstein eröffnete sich. In der Ferne war die Wasserkuppe auszumachen, und zwischen den Bergen spitzte der „Lausbub der Rhön“, das Wachtküppel, hindurch.

„Wunderschön, dieses Panorama“, schwärmte eine Schweizerin. „Hier sind wir genau richtig.“ Und dann spielten gut 100 Alphornbläser den „Hirtenruf“, den „alten Dengler“, „bei de Rinder“ und „vom Lünersee“. Eine fast andachtsvolle Stille machte sich unter den Zuhörern breit. Dem Alphornklang wohnt etwas ganz Besonders inne, etwas Tiefgründiges und Wohltuendes, etwas Unmittelbares, das die Seele rührt. Die Alphornbläser strahlten dazu Ruhe und Gelassenheit aus.

Beim ersten Rhöner Alphorntreffen, das nach dem Gemeinschaftschor auf dem Kreuzberg auf der Gemünder Hütte gefeiert wurde, gab es neben einer Vielzahl musikalischer Darbietungen der einzelnen Gruppen auch Informationen zur Tradition dieser Schweizer Holzblasinstrumente. In Zeiten ohne Funk, Telefon und elektronische Verstärker musste einst zur Benachrichtigung über weite Distanzen die Stimme und, wenn das nicht reichte, ein Signal-Instrument eingesetzt werden. Das Alphorn wurde für Wach- und Meldeaufgaben eingesetzt. Der Alphornklang trug weit von Tal zu Tal. Ob nun feindliche Truppen über den Bergpass kamen, oder jemand Nahrungsmittel-Nachschub benötigte, der Käse fertig zum Abholen oder Not am Mann war, wenn jemand sein Liebchen grüßen wollte – für all das gab es bestimmte Signale und musikalische Motive. Für Kuhhirten auf der Alm diente das Alphorn auch als Lockinstrument.

Über 160 Alphornbläser nahmen am ersten Rhöner Alphorntreffen statt. Neben einer Vielzahl Schweizer Gruppen kam Teilnehmer aus Baden-Württemberg und dem Saarland, sogar aus Berlin und der Norddeutschen Heide waren Gruppen angereist. Insgesamt waren es mehr als 35 Gruppen, berichtete Gastgeber Martin Koch.

Auch wenn die Gemünder Hütte reizvoll gelegen ist und ihnen kühles Bier versprochen wurde, die Alphornbläser konnten sich kaum von der Kreuzigungsgruppe lösen. Nachdem Gemeinschaftschor zogen sie nicht weiter, sondern stellten sich mit spontanen Einlagen dem Publikum vor. „Eigentlich sollte das ja an der Hütte stattfinden“, lachte Priska Kolbeck. „Aber wir sind spontan, und wenn es allen so gut gefällt, was wollen wir mehr.“ Armin Zollet von der Gruppe „…uebere Schuffenesee“ aus Bösingen (Schweiz) beruhigte sie: „Das ist unsere Art, und hier ist es doch so schön.“ Die Gruppe hatte auch einen Fahnenschwinger mitgebracht, der die Schweizer Fahne hochwarf und wieder auffing.

Das Jubiläumsfest der Alphornbläser Schwarze Berge war ein voller Erfolg. Am Samstag nahmen sie am historischen Parkfest im Staatsbad Bad Brückenau teil und präsentierten hier schon ihr Können. Doch das Spiel in den Rhöner Bergen setzte dem festlichen Reigen dann doch die Krone auf. „Ein Alphorn gehört auf den Berg“, darüber waren sich Rhöner und Schweizer Alphornbläser am Ende einig.

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Viele Bilder unter rhoengrabfeld.mainpost.de

Der Tradition verbunden: Alphornbläserin in Tracht.
| Der Tradition verbunden: Alphornbläserin in Tracht.
Höhepunkt des ersten Rhöner Alphornbläsertreffens war der Gemeinschaftschor vor dem Panorama der Rhöner Berge auf dem Gipfelplateau des Kreuzbergs.
Foto: Alle Marion Eckert | Höhepunkt des ersten Rhöner Alphornbläsertreffens war der Gemeinschaftschor vor dem Panorama der Rhöner Berge auf dem Gipfelplateau des Kreuzbergs.
Keine Männerdomäne: Die Frauen zogen die Blicke auf sich.
| Keine Männerdomäne: Die Frauen zogen die Blicke auf sich.
Imposanter Anblick: Alphörner, Berge und Kreuze.
| Imposanter Anblick: Alphörner, Berge und Kreuze.
Auf dem Weg zum Kreuzberg: Alphornbläser und Zuhörer kamen ins Gespräch.
| Auf dem Weg zum Kreuzberg: Alphornbläser und Zuhörer kamen ins Gespräch.
Das macht Laune: Beim ersten Rhöner Alphornbläsertreffen hatten die Protagonisten sichtlich Spaß.
| Das macht Laune: Beim ersten Rhöner Alphornbläsertreffen hatten die Protagonisten sichtlich Spaß.
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