RHÖNBLICK

Schiefer Turm: Kritik wächst

Widerstand: Ein Bürgerbegehren soll das Projekt „Schiefer Turm“ stoppen.
Foto: Bießmann+Büttner | Widerstand: Ein Bürgerbegehren soll das Projekt „Schiefer Turm“ stoppen.

Das Tourismusprojekt „Schiefer Turm auf der Hohen Geba“ (wir berichteten mehrfach) erregt weiter die Gemüter. Das 14-Millionen-Projekt eines Besucherzentrums mit dazugehörigem Aussichtsturm auf dem markanten Tafelberg in der Thüringer Rhön, das der Landkreis Schmalkalden-Meiningen vorantreibt, stößt auf den Widerspruch von Naturschützern. Außerdem wurde mittlerweile von drei Bürgern ein Antrag auf Bürgerbegehren beim Landratsamt eingereicht.

Der Gemeinderat von Rhönblick hatte das touristische Leuchtturmprojekt in den vergangenen Tagen mit nur einer Gegenstimme gutgeheißen, von dem sich die Region eine Belebung des Fremdenverkehrs in der Thüringer Rhön verspricht. Die Pläne für das Besucherzentrum hatten über Deutschland hinaus für Aufsehen gesorgt, weil der geplante Aussichtsturm das schiefste Gebäude von Menschenhand wäre.

Der Gemeinderat Bernd Kraus aus Seeba, der in der vergangenen Woche gegen das Projekt votierte, ist auch Unterzeichner des Antrags auf ein Bürgerbegehren. Wenn der Antrag für zulässig erklärt wird, müssten sieben Prozent der Wahlberechtigten ihn unterstützen. Über 7700 Unterschriften müssten in den nächsten vier Monaten zusammenkommen, um einen Bürgerentscheid zu erwirken, schreibt das Meininger Tageblatt zu dem Thema.

Als Begründung für den Bürgerentscheid geben die Initiatoren die Kosten von zwei Millionen Euro an, die auch bei einer 90-prozentigen Förderung auf die Bürger zukämen. Auch wird die Wirtschaftlichkeit bezweifelt und Unterhaltskosten könnten auf Jahre den Landkreisetat belasten. Stattdessen wünscht man sich einen behutsamen Ausbau der Hohen Geba.

Von den beiden Kreisverbänden des Bundes Naturschutz (BUND) und des Naturschutzbundes (Nabu) in Schmalkalden-Meiningen kommen ebenfalls kritische Töne. Der Tourismus im Biosphärenreservat Thüringer Rhön müsse sehr wohl sinnvoll ausgebaut werden. Birgit Henkel vom BUND kann aber nicht nachvollziehen, dass dies „im Wettlauf mit Superlativen“ geschehen muss. Wie auch Henkel bezweifelt Roland Burckhardt vom Nabu die Notwendigkeit des spektakulären schiefen Turms mit seiner begehbaren Ellipse. Der wäre wegen der vielen Schlechtwettertage auf dem Berg sowieso nicht ganzjährig sicht- und somit nutzbar.

Das teils unterirdisch angelegte Ausstellungsgebäude stößt eher auf das Wohlwollen der Naturschützer. Eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Biosphärenreservats müsse aber wesentlicher Schwerpunkt werden, wird Henkel weiter im Meininger Tageblatt zitiert.

Die anvisierten rund 100 000 Besucher pro Jahr bedeuten eine Entwicklung Richtung Massentourismus in der Rhön. Vor 20 Jahren sei die Ausrichtung zu einem Event-Tourismus schon einmal in der Thüringer Rhön verneint worden, als die Bürger einen sogenannten Centerparc bei Hermannsfeld verhinderten, erinnern die Naturschützer in ihrer schriftlichen Stellungnahme. Insgesamt bestehe noch gewaltiger Diskussionsbedarf bei dem Projekt.

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