LEUBACH

Schlitten-Spaß aus echtem Rhöner Holz

Einladung zur Rutschpartie: Schlittenbauer Andreas Weber aus Leubach bei Fladungen baut noch Schlitten aus Rhöner Holz. Heuer ist die Nachfrage dank Schnee auch in Tieflagen besonders gut.
Foto: Gerhard Fischer | Einladung zur Rutschpartie: Schlittenbauer Andreas Weber aus Leubach bei Fladungen baut noch Schlitten aus Rhöner Holz. Heuer ist die Nachfrage dank Schnee auch in Tieflagen besonders gut.

(fg) Es ist eisig kalt und dunkel an diesem Wintertag in Leubach. Auf der Hochrhön pfeift der ungemütliche Wind bis hinunter in den Ort. Aus einer kleinen Scheune nahe am Leubach dringt Licht nach draußen. Drinnen ächzt ein Boller-Ofen. Der Holzboden, übersät von Spänen aus Jahrzehnten der Arbeit, knarzt unter den Füßen.

Das ist das Reich von Andreas Weber, dem Leubacher Schlitten-Bauer, dem letzten seiner Zunft in der Rhön und einer aus einer Handvoll in Deutschland, die noch dieses alte Handwerk pflegen.

Über der Schleifmaschine, eine Konstruktion des Großvaters Josef Weber, hängt ein Kasten mit Hobeln und anderen Schreinerwerkzeugen. Ein dicker Film aus Staub und Spänen hat sich darüber gebreitet, als ob ein vergangenes Jahrhundert zu bewahren ist. 1928 begann Andreas Webers Großvater Josef mit dem Bau von Schlitten.

Von Haus aus war er eigentlich Wagner. In den Wintermonaten bedeutete der Schlittenbau ein willkommenes Zubrot für die Familie. Schlitten waren früher kein bloßes Sport- und Spaß-Gerät wie heute. Mit den Schlitten gingen die Rhöner zum Einkaufen ins nächste Dorf oder die nächste Stadt und transportierten ihre Güter damit. „Mit den Schlitten haben die Mütter früher auch Lebensmittel transportiert“, ergänzt Andreas Weber.

Vor sich auf dem Tisch hält er zwei Kufen mit ihrer typischen Biegung für einen Rodel-Schlitten der Art Davos. „Die beiden Kufen werden aus einer doppelt dicken Kufe geschnitten. Das garantiert eine identische Biegung“, erklärt Weber. Das Biegen der Hölzer – Esche aus heimischen Wäldern – in einem kochenden Wasserbottich geschieht schon zu Jahresbeginn. „Wir nehmen Eschenholz, weil es robuster und zäher ist als beispielsweise Buche“, sagt Andreas Weber.

Sein Brot verdient er nicht mehr mit den Rodeln. Andreas Weber arbeitet heute im Bauamt des Landratsamts Rhön-Grabfeld.

Seine geschichtsträchtige Schreiner-Werkstatt besucht er nur im Nebenerwerb. „Was mir am meisten Spaß macht am Schlittenbau? Es ist die Arbeit mit dem Werkstoff Holz. Im Bauamt sieht man nicht immer und nicht sofort die Ergebnisse seiner Arbeit. Aber hier in der Werkstatt habe ich sofort ein Resultat vor Augen“, sagt Weber.

„Es ist sehr schwer, gegen die Billig-Produzenten aus dem Osten zu bestehen", sagt Weber. Zuerst war es Konkurrenz aus der ehemaligen DDR, die den Leubachern zu schaffen machte. Nach der Wende verlagerte sich die Produktion traditioneller Holz-Schlitten nach Tschechien oder Polen, von wo die größte Konkurrenz droht. Nur noch in kleinen Nischen für einen Kreis von Liebhabern können alte Handwerkstraditionen überleben. Auf die glatt geschmirgelten Kufen setzt Andreas Weber das Grundgerüst. „Beine und Querstreben sind bei uns mit rechteckigen Verzapfungen versehen. Das ist wesentlich aufwändiger als runde Nuten, dafür ist die Stabilität ungleich höher", verspricht der Konstrukteur.

„Mit dem aktuellen Wetter bin ich sehr zufrieden, das merkt man auch an der erhöhten Nachfrage“, freut sich Weber über die weiße Pracht in der Rhön. Aber auch in flacheren Regionen bis ins Schweinfurter Land verkauft der Leubacher derzeit gut. „Da hat man auch auf kleinen Hügeln seinen Spaß“, weiß Weber.

Andreas Weber nimmt einen fast fertigen Schlitten in seine großen Hände, wendet ihn hin und her, blickt mal hierhin, mal unter diese Verstrebung und stellt ihn mit zufriedenem Blick wieder ab. Es dauert nicht mehr lange, dann kann in die mittlere Latte das „Weber-Davos“-Emblem eingebrannt werden. „Davos-Schlitten sind jene Schlitten mit einer halbkreisförmigen Kufe, an deren oberem Ende die äußeren Latten anschließen“, klärt Andreas Weber auf. Es gibt noch die Hörner- oder Gebirgsrodel, bei dem sich die Kufen in einem Halbrund über die Latten ziehen, sowie den klassischen Rennrodel für die Bobbahn.

Infos und Bezugsmöglichkeiten: Tel. (0 97 78) 12 74. Internetshop unter www.rhoener.de
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