Trappstadt

Silbermedaille für den ersten Gin aus Gerstners Edelbrennerei

Der Brenner aus Trappstadt traf bei der Edelbrandprämierung  einmal mehr den Geschmack der Jury. Bei seinem ersten „Gin-Projekt“  unterstützte ihn ein Ginliebhaber aus Bad Neustadt.
Freuen sich über die Silbermedaille für ihren „Dandelion Dust Gin“: Ginliebhaber Jörg Geier aus Bad Neustadt (links) und der Trappstädter Edelbrenner Mathias Gerstner, der vor zehn Jahren die Brennerei seines Urgroßonkels reaktivierte.
Freuen sich über die Silbermedaille für ihren „Dandelion Dust Gin“: Ginliebhaber Jörg Geier aus Bad Neustadt (links) und der Trappstädter Edelbrenner Mathias Gerstner, der vor zehn Jahren die Brennerei seines Urgroßonkels reaktivierte. Foto: Alfred Kordwig

Vor zehn Jahren hat der Trappstädter Mathias Gerstner das alte Handwerk seines Urgroßonkels  wiederbelebt: Er reaktivierte dessen Schnapsbrennerei und hat mit den seitdem produzierten Destillaten schon zahlreiche Preise einheimsen können. Nun kam eine weitere Auszeichnung dazu, mit der Gerstner nicht unbedingt gerechnet hatte. Zu ersten Mal hatte der geprüfte Edelbrandsommelier einen Gin für die diesjährige Bayerische Edelbrandprämierung in München eingereicht, den er zusammen mit Jörg Geier kreiert hat.

Vor zwei Wochen dann das Ergebnis: Der Gin von Gerstner und Geier wurde auf Anhieb mit der Silbermedaille ausgezeichnet – für die beiden der Beweis dafür, dass sie bei der Zusammenstellung der Rezeptur das richtige Händchen bewiesen haben. Im ersten Brennvorgang wurden von dem prämierten Gin 70 Halbliterflaschen hergestellt, drei bis vier weitere Tranchen in ähnlicher Größenordnung werden in den nächsten Wochen folgen und dann über Geschäfte in der Region vermarktet.

Planungen begannen 2018

Die Initiative für das „Gin-Projekt“ ging von Jörg Geier aus. „Seit einigen Jahren schon ist das etwas in Vergessenheit geratene Wacholderdestillat auch in Deutschland wieder beliebt und findet auch in Franken immer mehr Freunde“, weiß der Ginliebhaber aus Bad Neustadt. Vor knapp drei Jahren nahm er deshalb Kontakt  mit Mathias Gerstner auf, im Januar 2018 begannen dann die ersten Planungen. Dabei war von Anfang an klar: Es sollte ein unverwechselbarer und regionaler Gin werden, mit Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau. Monatelang wurde experimentiert, bevor Gerstner und Geier Mitte 2018 die Rezeptur festlegten.

Ungewöhnliches Ambiente: Im „Tastinghouse“ in Trappstadt wurden viele recycelte Bauteile wie alte Holztüren oder -balken verwendet. Auch die Fenster stammen aus einem Abrisshaus.
Ungewöhnliches Ambiente: Im „Tastinghouse“ in Trappstadt wurden viele recycelte Bauteile wie alte Holztüren oder -balken verwendet. Auch die Fenster stammen aus einem Abrisshaus. Foto: Alfred Kordwig

Nicht weniger als 22 Botanicals, also Kräuter, Gewürze, Wurzeln und Beeren, finden sich im Destillat mit dem offiziellen Namen „Dandelion Dust – franconia dry Gin“ wieder. „Elf dieser Zutaten sind auch in der Rhön und dem Grabfeld heimisch“, so Mathias Gerstner und nennt als Beispiele die Löwenzahn- und Holunderblüte, die Schafgarbe und das Waldmeisterkraut. Für die gintypische Aromatik kämen dann noch Wacholderbeeren, Zimtrinde, Sternanis, Koriander, Piment und weitere Zutaten hinzu. „Wir verwenden bewusst keine fertigen Mischungen, um sicher zu sein, dass nur unbehandelte Kräuter für unseren Gin zur Verwendung kommen.“

Originelles „Tastinghouse“

Für Liebhaber hochprozentiger Brände hat Mathias Gerstner am Rand seiner Heimatgemeinde ein so genanntes „Tastinghouse“ errichtet, in dem bis zum Ausbruch der Corona-Krise regelmäßig Whisky- und Gintastings oder Edelbrand-Verkostungen für größere Gruppen stattfanden. Für den Bau des originellen Gebäudes von der Größe eines voluminösen Gartenhauses wurden viele recycelte Materialien und Bauteile aus Abrisshäusern verwendet. So wurde zum Beispiel eine alte Holztür zu einer Halterung für die Deckenbeleuchtung umfunktioniert oder ein uralter Holzbalken als Dachträger in die Konstruktion integriert.

Wegen der Pandemie musste Mitte März auch das „Tastinghouse“ schließen. Mittlerweile hat es unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln für kleinere Gruppen von bis zu zwölf Personen wieder geöffnet.

Ginbrand

Mathias Gerstner brennt alle seine Destillate seit zehn Jahren auf einer holzbefeuerten Kupferbrennblase. Das Brennholz kommt aus den Trappstädter Wäldern. Beim Ginbrand kommt die Ginmaische nach einer bestimmten Zeit, in der die Botanicals in 96-prozentigem Bioalkohol einweichen, in die Brennblase. Bevor diese verschlossen wird, kommen noch frische Orangen- und Zitronenschalen dazu. Das Ergebnis mit rund 70 Prozent Alkoholgehalt muss dann noch einige Wochen kühl und dunkel reifen. Anschließend erfolgt die Einstellung auf 44 Prozent Trinkstärke. Bei einem Brennvorgang können 70 Halbliterflaschen hergestellt werden. Diese werden nach dem Füllen handschriftlich durchnummeriert. So ist jede Flasche ein Einzelstück.
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Originelles Verkostungshäuschen: Im „Tastinghouse“ von Mathias Gerstner in Trappstadt finden wegen der Corona-Krise derzeit nur Veranstaltungen von kleineren Gruppen bis zu maximal zwölf Personen statt.
Originelles Verkostungshäuschen: Im „Tastinghouse“ von Mathias Gerstner in Trappstadt finden wegen der Corona-Krise derzeit nur Veranstaltungen von kleineren Gruppen bis zu maximal zwölf Personen statt. Foto: Alfred Kordwig

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