Bad Neustadt

So vielschichtig wie der Frieden selbst

Friedensverhandlungen: Darauf ließen sich diese Mitglieder des Kunstvereins für ihre sehenswerte Gemeinschaftsausstellung ein.
Foto: Nerche-Wolf | Friedensverhandlungen: Darauf ließen sich diese Mitglieder des Kunstvereins für ihre sehenswerte Gemeinschaftsausstellung ein.

Als der Kunstverein Bad Neustadt Ende 2014 sein Thema für die Gemeinschaftsausstellung 2015 festlegte, muss es wohl der Spürsinn der Künstler gewesen sein, dass sie sich für „Friedens(ver)handlungen“ entschieden. Denn wie brandaktuell genau dieses Problem bei der Vernissage sein würde, das konnte eigentlich niemand wissen.

Kunsthistorikerin Annette Roggatz ließ diesen Gedanken in eine vielschichtige Laudatio einfließen, die die unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen mit dem so schwierigen Inhalt genial verband. Seine Friedensposition verdeutlichte Kunstvereinsvorsitzender Csaba Hovoritz sowohl in seinen Arbeiten, als auch bei seinen Begrüßungsworten. Frieden hänge von der Erziehung ab, nicht nur in der Familie, sondern auch im gesamten Umfeld. Frieden sei immer etwas Aktives, könne für den Einzelnen an einem ruhigen Plätzchen und im Miteinander mit einer Umarmung entstehen. Wer zerstörerisch wirke, habe offensichtlich nicht die richtige Umgebung gefunden, die dazu anregte, mit demselben Gehirn Friedvolles zu tun.

Zu einer friedlichen Grundstimmung in der Künstlervilla am Donsenhaug trug das Duo Fastrada bei. Gefällige italienische Musik sowie den hebräischen Titel Shalom (Frieden) interpretierten Robina Huy (Cello) und Carola Krozcek (Geige) mit ansteckender Frische und Lebensfreude. Robina Huy wird auch den künftigen Ausstellungsbesuchern begegnen, denn sie schuf die Assemblage (Collage mit plastischen Objekten) „Es liegt in unseren Händen“ – ob Frieden herrscht.

Da Annette Roggatz gemeinsam mit Martin Bühner in der Jury die Werke auswählte und zudem zur Zusammenstellung beitrug, konnte sie die interessierten Gäste auf die Besonderheiten aufmerksam machen, die jede Arbeit auszeichnen. So bediente sich eine Reihe von Künstlern der Friedenssymbolik von Taube, Engel oder Brücke. Wie man die eigene Ohnmacht auf der Flucht empfindet, wird ebenso dargestellt wie ein konkreter Friedensansatz mit Hilfe des Fußballspiels.

Immer wieder erscheint als Motiv der runde Tisch, an dem Friedensverhandlungen geführt werden, deren Ziel ein Kompromiss ist. Um inneren Frieden zu finden, ist oft Vergebung erforderlich – sogar dieser Aspekt begegnet dem Betrachter in der Ausstellung. Dass innerer Frieden auch außen erfahrbar ist, vermittelt die Wirkung der Bronze-Skulptur „Da haben die Dornen Rosen getragen“, die Eva Warmuth in diesem Jahr schuf (der überwiegende Teil der Arbeiten entstand heuer).

Eingebunden in die Präsentation sind zudem Bilder, die angehende Maler (Berufsbild Maler und Lackierer) in der IHK-Klasse unter Anleitung von Csaba Horovitz zum Thema Frieden anfertigten. Und im Eingangsbereich kann jeder Besucher, der sich bis zum 17. Januar samstags und sonntags zwischen 14 und 18 Uhr in der Künstlervilla am Donsenhaug aufhält, seine ganz persönlichen Friedensempfindungen zum Ausdruck bringen.

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