Bad Neustadt

Der Kommentar: Scheuklappen im Stadtrat statt echtem Wettstreit

Der geplante Wohnkomplex in Herschfeld zeigt ein weiteres Mal: Der Bad Neustädter Stadtrat droht, wegen Einzelinteressen das Große-Ganze aus dem Blick zu verlieren.
Auf Abstand auch ohne Corona als Begründung. Der Bad Neustädter Stadtrat muss mehr zusammenrücken.
Foto: Stefan Kritzer | Auf Abstand auch ohne Corona als Begründung. Der Bad Neustädter Stadtrat muss mehr zusammenrücken.

"Der Stadtrat hat sich noch nicht gefunden, das ist auch kein Geheimnis". Die Worte, die Bad Neustadts Bürgermeister Michael Werner im vergangenen Dezember für seine erste Bilanz gewählt hat, besaßen auch am Mittwochabend bei der Stadtratssitzung in der Stadthalle noch Gültigkeit.

Die erneute Diskussion nun um die 'abgespeckte Version' eines Wohnkomplexes am Rande von Herschfeld wurde zum Beispiel, wie gefährdet das Gremium ist, zu einem Schauplatz für das lautstarke Verfechten von Partikularinteressen zu werden, dem der Blick auf das Große-Ganze, auf den gemeinsamen Weg abhandenkommt.

Manche Fragen sind berechtigt, zum Beispiel wenn es um die Berechnungsgrundlage für das Volumen für Regenrückhaltemaßnahmen für die Wohnblocks in Hanglage geht oder darum, weshalb man die Gebäudehöhen in Relation zum Meeresspiegel angibt, was die Sache nicht wirklich transparent macht.

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Dazu kamen aber auch Wortmeldungen von nicht gerade überzeugender Schlagkraft. Auf der einen Seite wurde das mächtige Erscheinungsbild des möglichen Wohnblocks kritisiert, dann wollte man den gleichen Platz frei halten für eine mögliche Erweiterung des Rhön-Campus, die vermutlich nicht nur eingeschossig erfolgen würde.

Wenn dann noch geäußert wurde, der Wohnkomplex sei unattraktiv wegen weiter Wege zu den Einkaufsmöglichkeiten, dann muss man einen Beobachter aus dem Umland mit seinen Anfahrtswegen in die Kreisstadt mindestens zum Schmunzeln bringen. 

Das Schmunzeln vergeht einem aber im Stadtrat, wenn der Dürrnhofer Ortssprecher Stefan Rath ans Mikrofon tritt, und aus zweiter Hand den Vorwurf der Nötigung durch das Bauamt in einer Grundstücksangelegenheit kolportiert. Irgendetwas Stichhaltiges dazu gab es nicht. Das ist ein Niveau, das auch Dorf-Gemeinderäte im hintersten Eck des Landkreises längst hinter sich gelassen haben.

Stadtrat Bastian Steinbach konnte am Ende zurecht nicht anders, als vom Kleinklein ins Allgemeine zu wechseln. "Wir brauchen für eine erfolgreiche Arbeit auch ein gewisses Grundvertrauen in die Arbeit der Verwaltung", sagte er. In den vergangenen Monaten sei viel blockiert worden, aber wenig gemeinsam erreicht. Sätze, denen der Feuerwehr-Freund und Team-Player Michael Werner zunicken musste.  

Das Ringen um die besten Argumente ist eine vornehme Pflicht im demokratischen Miteinander. Rechthaberei als Lustprinzip und der Scheuklappenblick bloß nicht über den Tellerrand hinaus haben mit gutem politischem Wettstreit aber nichts zu tun. 

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