Mellrichstadt

Stockheim: Warum ein Handwerkermarkt mitten im Lockdown?

Ein Markt in Zeiten der Pandemie? In Stockheim geht so was. Die Marktbeschicker freuen sich über rund 1500 Besucher in schwerer Zeit. Aber es gibt auch Kritik am Veranstalter.
Ausgefallene Krippen, wie dieses von dem Kalbacher Heribert Vogler geschaffene Arrangement in einem ausgehöhlten Baumstamm, bereicherten das Angebot.
Foto: Eva Wienröder | Ausgefallene Krippen, wie dieses von dem Kalbacher Heribert Vogler geschaffene Arrangement in einem ausgehöhlten Baumstamm, bereicherten das Angebot.

Der vorweihnachtliche Kunsthandwerkermarkt, der Dank der bewährten Corona-Vorkehrungen trotz des für November bundesweit verhängten „Lockdown light“ stattfinden durfte, wartete mit einem mannigfaltigen Angebot auf, das großen Anklang bei den Besuchern fand. 40 Aussteller aus ganz Deutschland, neben bekannten auch viele neue Gesichter, sorgten nach August und September zum dritten Mal im Corona-Jahr für ein besonderes Erlebnis in Stockheim.

Höchste Priorität für Sicherheit

Die Sicherheit der Aussteller und Besucher habe höchste Priorität, schließlich wolle man ja nicht, dass jemand krank werde, versicherte Markt-Initiator Wolfgang Klösel. In diesem Sinne hatte man klare Regelungen für das Marktgeschehen rund um das Amtshaus und den Kirchplatz getroffen. Maskenpflicht für Aussteller und Besucher, Hygiene- und Abstandsregeln und eine gezielte Besucherlenkung in Form eines „Einbahnstraßensystems“ mit einem separaten Ein- und Ausgang gehörten zum Konzept. Außerdem wurden von jedem Gast die Kontaktdaten aufgenommen und die Zeiten, wann dieser das Gelände betreten und wieder verlassen hat. 

Durfte nicht fehlen beim Stockheimer Markt: original Glaskunst aus Lauscha.
Foto: Eva Wienröder | Durfte nicht fehlen beim Stockheimer Markt: original Glaskunst aus Lauscha.

Den Menschen gerade in diesen tristen Zeiten ein schönes Markterlebnis bieten mit einem ausgewählten und hochwertigen Angebot – das war der eine Aspekt. Ganz wichtig war Klösel aber die soziale Komponente, nämlich die Kunstschaffenden zu unterstützen. Da aufgrund der Pandemie heuer fast keine Märkte in Deutschland stattgefunden haben, sind gerade die gewerblichen Händler, die von solchen Veranstaltungen leben, in ihrer Existenz bedroht.

Viel weniger Geschäfte als üblich

Das bestätigten am Wochenende zahlreiche Aussteller in Gesprächen. Für Keramikkünstlerin Angela Börnicke aus Adelsdorf bei Erlangen zum Beispiel war es erst der dritte Markt in diesem Jahr. Sonst seien sie und ihr Mann fast jede Woche irgendwo unterwegs. Diese wichtigen Einnahmen sind nun von heute auf morgen weggefallen.

Einige Händler versuchen vermehrt über das Internet zu verkaufen. Pamela Zeis von der Brennerei Zeis aus Alsleben berichtete von der Teilnahme an verschiedenen Aktionen, wie die „Kauft’s daheim“ von Antenne Bayern. „Das läuft mitunter ganz gut“. Trotzdem könne der Online-Verkauf das Marktgeschehen nicht ersetzen, der persönliche Kontakt mit den Menschen gehöre einfach dazu, wie ein Aussteller aus Thüringen befand.

Hübsche Geschenkideen, wie diese filigranen Dot Painting-Arbeiten von Jutta Feil aus Bischofsheim, die zum erste Mal in Stockheim ausstellte, waren auf dem Kunsthandwerkermarkt zu bewundern.
Foto: Eva Wienröder | Hübsche Geschenkideen, wie diese filigranen Dot Painting-Arbeiten von Jutta Feil aus Bischofsheim, die zum erste Mal in Stockheim ausstellte, waren auf dem Kunsthandwerkermarkt zu bewundern.

Corona und die Folgen machen der Kunsthandwerker-Szene ohne Zweifel mächtig zu schaffen. „Es ist eine Katastrophe, es geht ums Überleben“, brachte es das Krippenbauer-Paar Möller aus Obereßfeld auf den Punkt. Die Eheleute waren wie viele ihrer Kollegen überaus dankbar, in Stockheim ihre Werke präsentieren zu können. Großen Respekt zollten sie Wolfgang Klösel. „Leute wie ihn müsste es mehr geben, die den Mut haben, solch eine Veranstaltung durchzuziehen!“, sagten sie.

Angela Börnicke (links) aus Adelsdorf bei Erlangen hatte Schönes aus Keramik und Porzellan an ihrem Stand zu bieten.
Foto: Eva Wienröder | Angela Börnicke (links) aus Adelsdorf bei Erlangen hatte Schönes aus Keramik und Porzellan an ihrem Stand zu bieten.

Auch viel Kritik über Markt

Was Corona angeht, wurde allgemein das Konzept gelobt. Man könne sich im Supermarkt wohl eher anstecken, meinten viele. Der Marktinitiator musste aber auch Kritik einstecken. Er sei zum Teil ziemlich heftig angegangen worden, so Klösel. In den sozialen Kanälen im Internet habe man ihm vorgeworfen, dass man im momentanen Lockdown solch eine Veranstaltung nicht stattfinden lassen dürfe. Tatsächlich war der Markt ja auch gut besucht.

Schmuck und vieles mehr gehörte zum ansprechenden und vielseitigen Angebot des Kunsthandwerkermarktes in Stockheim.
Foto: Eva Wienröder | Schmuck und vieles mehr gehörte zum ansprechenden und vielseitigen Angebot des Kunsthandwerkermarktes in Stockheim.

„Insgesamt etwa 1.500 Leute, gut verteilt auf zwei Tage. Und das hat super funktioniert, es gab geringe Wartezeiten, höchstens mal ein paar Minuten am Sonntag, doch es standen nie mehr als fünf Leute ganz entspannt an“, berichtete Wolfgang Klösel am Montag.

Aussteller ließen sich gerne bei ihrer Arbeit – wie hier beim Filzen – zuschauen.
Foto: Eva Wienröder | Aussteller ließen sich gerne bei ihrer Arbeit – wie hier beim Filzen – zuschauen.

Um die Besucherströme zu entzerren, hatte man die Öffnungszeiten an beiden Tagen verlängert. Die schönste Atmosphäre herrschte wohl am Samstagabend im vorweihnachtlichen Lichterglanz. Das wurde zwar relativ wenig genutzt, denn auf wesentlich größere Resonanz stieß der Sonntag. Bei mildem Herbstwetter war der Markt beliebtes Ausflugsziel. Das sorgte für guten Absatz bei den Händlern. Zwischenzeitlich sei der Andrang an den Ständen ihres Erachtens aber auch grenzwertig gewesen, wie eine Stimme aus Ausstellerkreisen zu vernehmen war.

Grenzwertiger Andrang

Aus Sicherheitsgründen hatte man nach Auskunft von Marktleiter Klösel dieses Mal die Besucherbegrenzung von sich aus sogar noch einmal verschärft. So durften sich maximal 100 statt 200 Besucher gleichzeitig auf dem Areal aufhalten. Auch gab es dieses Mal keine Verpflegung auf dem benachbarten Kemmerplatz. Es habe zwar Nachfrage nach Glühwein und Bratwurst gegeben, aber Essen und Trinken sollten nicht im Vordergrund stehen, wie Klösel anführte.

Der nächste Kunsthandwerkermarkt soll an Ostern 2021 stattfinden. Hoffentlich dann wieder unter „normalen“ Umständen. Das würden sich sicher alle wünschen.

Schmuck und vieles mehr gehörte zum ansprechenden und vielseitigen Angebot des Kunsthandwerkermarktes in Stockheim.
Foto: Eva Wienröder | Schmuck und vieles mehr gehörte zum ansprechenden und vielseitigen Angebot des Kunsthandwerkermarktes in Stockheim.
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