Sulzdorf

Sulzdorf: Der Borkenkäfer frisst große Löcher ins Waldbudget

An den Wipfeln ist es zu sehen: An vielen Stellen im Sulzdorfer Wald sind die Bäume abgestorben oder zeigen Trockenschäden.
An den Wipfeln ist es zu sehen: An vielen Stellen im Sulzdorfer Wald sind die Bäume abgestorben oder zeigen Trockenschäden. Foto: Regina Vossenkaul

Mit dem Gemeindewald beschäftigte sich der Gemeinderat Sulzdorf in seiner Sitzung am Dienstag. Es stand die Zwischenrevision nach zehn Jahren der Forsteinrichtung an. Jeweils für 20 Jahre wird ein Plan verfasst, dafür war Forstsachverständiger Rupert Wolf zuständig, bei der "Halbzeit" wird eine Überprüfung durchgeführt. Bürgermeister Angelika Götz begrüßte dazu neben Wolf auch Abteilungsleiter Wilhelm Schmalen, Revierförster Bernhard Kühnel und Försterin Saskia Hümmer, die näher auf die Feuchtbiotope im Sulzfelder Wald einging.

Die Gemeinde besitzt rund 500 Hektar Wald

Sulzdorf verfügt über mehr als 500 Hektar Gemeindewald und ist gesetzlich dazu verpflichtet, diesen vorbildlich und nachhaltig zu bewirtschaften. Wolf hat Bodenproben genommen, um zu erkunden, welche Baumart an welchem Standort am besten gedeihen kann, und Karten mit den derzeitigen Abteilungen und ihren Bepflanzungen hergestellt. So kann man auf den ersten Blick erkennen, wo nachgepflanzt wurde und wo Jungdurchforstung, Jugendpflege oder Holzeinschlag (Endnutzung) möglich sind. Außerdem hat er eine Umfrage unter den Gemeinderäten durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass für die Mehrheit eine schwarze Null oder geringe Verluste bei der Waldbewirtschaftung akzeptabel sind. Der Hiebsatz liegt derzeit auf 3050 Festmeter pro Jahr.

Der Borkenkäfer hat alle Planungen verändert. Die Holzpreise, besonders für Fichtenholz, sind im Keller, bei Käferholz ist die Bürgermeisterin froh, wenn die Kosten für den Harvester und den Abtransport herausspringen. Für Transport, Pflanzungen und Nachpflanzungen gibt es staatliche Zuschüsse, aber das reicht nicht aus. "Ein Fass ohne Boden", nannte die Bürgermeisterin den Zustand im Wald. Gemeinde und Privatbesitzer kommen mit dem Fällen der Bäume und dem Abtransport gar nicht hinterher.

Grabfeldallianz will sich mit Schreiben an das Ministerium wenden

Aufgrund der durch Trockenheit bedingten besonderen Situation im Grabfeld fordert die Bürgermeisterin mehr staatliche Unterstützung für die betroffenen Gebiete. In der Grabfeld-Allianz denke man an einen gemeinsamen Brief an das Ministerium. "Wir haben lange diskutiert, keinen Raubbau betrieben und versucht, die Pflegerückstände aufzuholen", sagte Götz. "Die jetzige Situation ist eine immense finanzielle Belastung für die Gemeinde."

Wie sehr sich das in Zahlen ausdrückt, zeigte der Bewirtschaftungsplan 2020, den Kühnel vorlegte und der ein Minus von rund 100 000 Euro aufzeigt. Es kann noch schlimmer werden, wenn sich weniger Eiche verkaufen lässt, die immer noch ganz gut gefragt ist, und die Preise für Nadelholz noch weiter fallen. An Ausgaben sind 460 403 Euro geplant, an Einnahmen (aus Zuschüssen und Verkauf) 345 825 Euro. Investiert wird unter anderem in Neuplanzungen und dessen Schutz, in den Wegeunterhalt sowie in Geräte und Maschinen. Dem Plan stimmten die Gemeinderäte zu, in dem Wissen, dass der Borkenkäfer alles verändern kann.

Tonhaltige Böden eignen sich sehr gut zur Anlage von Biotopen

Saskia Hümmer zeigte eine Präsentation über die bereits eingerichteten Feuchtbiotope im Gemeindewald. Ziel sind größere Artenvielfalt, Tränken für die Waldtiere und bei Waldbränden ein Notfallreservoir zu schaffen. Außerdem können die Biotope Wasser speichern, das nach Starkregen nur langsam versickert, so wird der Grundwasserspiegel aufgefüllt. Die Tonböden seien dafür bestens geeignet, sagte Hümmer. Es sind bereits Biotope für rund 1000 Quadratmeter Wasser geschaffen worden, weitere zehn sollen folgen. Der Naturpark Haßberge hat dazu eine 100-prozentige Förderung in Aussicht gestellt. Sobald das Wasser da ist, findet sich die Pflanzen- und Tierwelt schnell ein, erklärte Hümmer.

Es gab einen Bauantrag, der positiv beschieden wurde: Der Antragsteller plant den Neubau eines Reitplatzes in Serrfeld. Der Reitplatz soll im nordnordöstlichen Teil des Grundstückes realisiert werden und eine Größe von 20 auf 40 Meter haben. Dafür wird der bisherige Reitplatz aufgegeben und zurückgebaut.

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